Mikroland kämpft gegen Klimasünder
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Jakob Lemke
Artikel vom 20.01.2010
Tschechien baut ein Kraftwerk - und Mikronesien fürchtet, im Meer zu versinken: Ein politischer Streit über 12.800 Kilometer zeigt, wie globalisiert die Welt inzwischen ist.
Tschechien und die Föderierten Staaten von Mikronesien, eine Inselgruppe im Westpazifik, haben an sich wenig politische Berührungspunkte. Knapp 13.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen den zwei Staaten, gegenseitige diplomatische Vertretungen in den Hauptstädten gibt es nicht. Doch der Ausbau des Kohlekraftwerks Prunerov (Brunnersdorf) am Fuße des Erzgebirges beschäftigt nun die beiden Umweltministerien.
Denn Mikronesien will Tschechien dazu bewegen, beim Ausbau modernere Technik als geplant einzusetzen. Das Umweltministerium in Prag wurde offiziell aufgefordert, während der Umweltverträglichkeitsprüfung darauf hinzuwirken, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mittels neuester Methoden zu minimieren. Möglich wurde der Vorgang dadurch, dass bei Umweltverträglichkeitsprüfungen auch mögliche Einwände aus dem Ausland berücksichtigt werden sollen. Mikronesien hat Angst davor, wegen des klimabedingten Anstiegs des Meeresspiegels in den Fluten zu versinken.
Tschechien: «Damit hatten wir nicht gerechnet»
«Unseres Wissens nach ist es das erste Mal, dass ein vom Klimawandel schwer bedrohter und weit von der Emissionsquelle entfernter Staat den grenzübergreifenden Prozess dazu nutzt, um sicherzustellen, dass seine Befürchtungen ernst genommen werden», lobt die Umweltorganisation Greenpeace den Vorstoß.
In Tschechien ist man zwar bereits an Proteste aus den Nachbarstaaten Deutschland und Österreich gewohnt, wenn es etwa um Atomkraftwerke oder Fernstraßen geht - aber Mikronesien? «Damit hatten wir nicht gerechnet», räumt das Prager Umweltministerium ein. Man prüfe derzeit den Einwand und werde ihn in die für die nächsten Wochen zu erwartende Entscheidung mit einfließen lassen, sagt Sprecherin Petra Roubickova.
Die umstrittene Prunerov-Anlage ist das größte Kraftwerk für fossile Brennstoffe in Tschechien, betrieben durch den börsennotierten Energiekonzern CEZ, einem Branchenriesen in Ostmitteleuropa. Bisher hatte CEZ, dessen Aktienmehrheit im tschechischen Staatsbesitz liegt, auf ein reibungsloses Genehmigungsverfahren für den Ausbau gehofft - schließlich war im Antrag der Umweltaspekt ja sogar betont worden, von rund drei Millionen Tonnen weniger CO2-Ausstoß jährlich als bisher war die Rede.
Energiekonzern sieht keinen Spielraum für mehr Emissionsschutz
Nach Berechnungen von Greenpeace aber könnte die Effizienz von Pruchnov noch um etwa vier Prozentpunkte gesteigert werden, «das macht über die Kraftwerkslaufzeit zwölf Millionen Tonnen CO2 aus», sagt Jan Rovensky von der Prager Greenpeace-Filiale. Von neun Millionen Tonnen möglicher CO2-Einsparungen über 25 Jahre spricht das Umweltministerium Mikronesiens in seiner Stellungnahme, in der es den Einsatz modernster Technik fordert. CEZ sieht hingegen bislang keinen Spielraum für noch mehr Emissionsschutz.
«Es kann doch nicht sein, dass CEZ seine Bedingungen diktiert», kommentierte der grüne Ex-Umweltminister Martin Bursik im Prager Wochenmagazin Respekt. Wie alle Experten sieht er die Initiative als «Präzedenzfall». «Dieses einzelne Werk stößt etwa 40-mal mehr CO2 aus als die Föderierten Staaten von Mikronesien zusammen», beschreibt das Umweltministerium aus Palikir, der weit entfernten Hauptstadt im Pazifik, seine Sorgen.
ped/che/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Inselstaaten spüren die Folgen des Klimawandels besonders. Aber auch Deutschland ist mehr ...
Der Präsident der Malediven will seine Bevölkerung umsiedeln. Nur wohin weiß er noch mehr ...
Die Malediven versinken im Meer, dem Klimawandel sei Dank. Um mehr Aufmerksamkeit für das Problem mehr ...
Zwei Wochen lang diskutierten die Delegierten in Kopenhagen. Heraus kamen nur hübsche mehr ...
Mister Hope in Hopenhagen: Obama soll es in Kopenhagen richten, damit der Gipfel nicht zum Fiasko mehr ...
Wenn Mikronesien nicht untergehen will,so kann es ja die Tschechen für den Verzicht auf technologischen Fortschritt bezahlen.Diese Länder könnten auch von den Tschechen Strom beziehen und ihre Klimaanlagen anwerfen, dann wirds in Mikronesien kälter.Vielleicht sollten sie das auch lassen,denn je wärmer es wird,umso mehr Wasser verdampft. Dann gewinnen die Mikronesianer vielleicht sogar neues Land, interessant für Obama. Im Übrigen ist den Tschechen ein gutes Fortkommen im Kampf gegen Umweltseinflüsse auf die Wirtschaft zu wünschen. R fordert: Befreit die Wirtschaft von ökologischen Fanatikern.
jetzt antwortenKommentar meldenDie GIER der Manager ist unersättlich und machts möglich. Ethik und Verantwrtung sind auch n o c h ein Fremdword Die Natur sitzt aber am längeren Hebel, sollte es sich immer noch nicht herumgesprochen haben.
jetzt antwortenKommentar melden