So., 12.02.12
Klimawandel

Klimaschutz Uneinig in Sevilla

Artikel vom 17.01.2010

Vor dem UN-Klimagipfel in Mexiko kämpft Europa um mehr Macht auf der Weltbühne. Bei einem Treffen im spanischen Sevilla berieten die europäischen Umweltminister entsprechende Strategien. Einig wurden sie sich dabei nicht.

Besonders mit Blick auf China will sich Europa in Stellung bringen. In der Frage der eigenen Klimaschutzziele, die die EU in den Weltklimaverhandlungen in die Waagschale legen will, zeigte sich das Bündnis aber erneut gespalten.

Die EU wolle sich unter anderem darum bemühen, die diplomatischen Netzwerke der einzelnen Mitgliedstaaten besser zu nutzen und miteinander zu vernetzen, kündigte der belgische Umweltminister Paul Magnette an, der Europa in Mexiko vertreten wird. Um die Entwicklungs- und Schwellenländer beim Klimaschutz zum Mitmachen zu bewegen, wolle Portugal seine Beziehungen zu Brasilien spielen lassen, oder Belgien zur Demokratischen Republik Kongo.

Da Europa «kein machtpolitischer Riese» sei, müssten «taktische Allianzen» geschmiedet werden, forderte Deutschlands Ressortchef Norbert Röttgen. «Wir müssen über das Selbstverständnis Europas reden nach Kopenhagen, wo Europa ja nicht die Rolle gespielt hat, die genug war, um zum Erfolg beizutragen.» Sein französischer Amtskollege Jean-Louis Borloo brachte eine Kohlendioxid-(CO2)-Steuer an Europas Außengrenzen für den Fall ins Gespräch, dass auch Mexiko scheitern sollte.

Hoffnung auf Mexiko

Europa hofft auf den Abschluss eines rechtlich verbindlichen Abkommens im Dezember in Mexiko, nachdem vor allem die USA und China beim Klimagipfel in Kopenhagen auf Blockadekurs gegangen waren. Mexiko gilt im Kampf gegen die Erderwärmung als letzte Chance für ein globales Abkommen, da 2013 die erste Verpflichtungsphase des Kyoto-Protokolls ausläuft. Die EU will keine zweite Phase eingehen, da die USA und die Schwellenländer bei dem Protokoll nicht mitmachen.

Der Chef des Umweltausschusses im Europaparlament, Jo Leinen, forderte eine Klimaschutzdiplomatie der EU. Zwar dürfe man jetzt trotzdem nicht die UN verlassen. «Auf der anderen Seite können wir uns auch nicht blockieren lassen von einer Hand voll Ländern», forderte er mit Blick auf Staaten wie den Sudan, die in der letzten Nacht in Kopenhagen erreicht hatten, dass ein zuvor von den USA und den großen Schwellenländern ausgehandelter Minimal-Kompromiss nicht beschlossen, sondern lediglich «zur Kenntnis» genommen wurde.

In einer vorläufigen Analyse des Kopenhagener Gipfels fordert auch die EU-Kommission, die EU müsse Lehren ziehen und die neuen Möglichkeiten nutzen, die das Staatenbündnis in internationalen Verhandlungen durch den neuen EU-Grundlagenvertrag von Lissabon hat. Dieser hat Europa erstmals einen eigenen diplomatischen Dienst sowie einen ständigen EU-Ratspräsidenten verschafft.

Der scheidende EU-Umweltkommissar Stavros Dimas kündigte an, Europa werde sich für die Schaffung einer eigenen UN-Umweltorganisation einsetzen; bislang gibt es lediglich das Umweltprogramm UNEP. Diese solle die Weltklimaverhandlungen koordinieren und mit den internationalen Finanzinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) «auf Augenhöhe verhandeln».

Grundlage für globalen Prozess

Teil des Kopenhagen-Kompromisses ist, dass jedes Land bis zum 31. Januar bei den Vereinten Nationen sein CO2-Reduktionsziel hinterlegt. Dies soll als Grundlage für den weiteren globalen Prozess dienen. Da die EU als ein Verhandlungsteilnehmer auftritt, soll am 31. Januar eigentlich ein einheitliches EU-Ziel hinterlegt werden. Bei den Beratungen in Sevilla zeichnete sich in dieser Frage aber Streit ab.

Das bislang beschlossene Ziel sieht eine Verringerung um 20 Prozent bis 2020 vor. Wenn andere Industrieländer im Rahmen eines verbindlichen Weltklimaabkommens vergleichbare Zugeständnisse machen, soll der Ausstoß sogar um 30 Prozent verringert werden. Nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern konnten sich Deutschland, Frankreich, Großbritannien und andere nicht gegen Polen, Ungarn und Italien durchsetzen mit dem Vorschlag, die Bedingungen für die Erhöhung auf 30 Prozent als politisches Signal nach außen anders zu formulieren.

So wäre es möglich, die 30 Prozent anzubieten versehen mit der Fußnote, dies würde nur im Rahmen eines Weltklimavertrags geschehen. «20 Prozent ist keine wirkliche Ambition mehr. Da braucht es nicht mehr viel», sagte Röttgen. «30 Prozent ist etwas, das unsere Volkswirtschaften leisten können.» Als nächstes sollen sich nun die europäischen Botschafter mit dem Streit befassen.

kat/ham/news.de/dpa
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Frederic Hauge (Foto)
Nach Kopenhagen «Ohne die Industrie geht es nicht»

Der Norweger Frederic Hauge gilt als ein Umweltheld der Erde. Ein Gespräch über Optimismus und mehr ...

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU (Foto)
Klima Merkel verteidigt Gipfel-Ergebnis

Die Bundeskanzlerin sieht im Ausgang der Kopenhagener Konferenz einen ersten Schritt zu einer neuen mehr ...

Angela Merkel muss sich in Kopenhagen positionieren.  (Foto)
Weltklimagipfel Angela Merkel und das Klimaregime

News.de sprach mit Prof. Dirk Messner, einem Klimaberater der Regierung, über Gerechtigkeit und die Rolle von Angela mehr ...

Klimaschutz: Uneinig in Sevilla » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855040628/uneinig-in-sevilla/1/
Schlagworte:
Abkommen, Abkommens, Abschluss, Adriana Brasilien, Allianzen, Amtskollege, Analyse, Angaben, Augenhöhe, Außengrenzen, Ausstoß, Bedingungen, Belgien Bartholomew, Belgien Cavendish, Belgien Delage, Belgien Evans, Belgien Francesca, Belgien Frankreich, Belgien Glück, Belgien Gonzales, Belgien Griechenland, Belgien Holland, Belgien Hushovd, Belgien Joaquin, Belgien Keltenroute, Belgien KK, Belgien Linus, Belgien Luis-León, Belgien Maria, Belgien Marion, Belgien Paul, Belgien Rabobank, Belgien Roy, Belgien Sabine, Belgien Sánchez, Belgien Schleck, Belgien Serena, Belgien Timothy, Belgien U212, Belgien Vera, Belgien Victoria, Belgien Zeit4Michael, Beratungen, Beschlossen, Beschlossene, Bewegen, Beziehungen, Blick, Borloo, Botschafter, Brasilien, Bündnis, Chance, Chef, China, CO, CO2, Demokratischen, Deutschland, Deutschlands, Dezember, Dienst, Donato Italien, Eingehen, Elvis Deutschlands, Erderwärmung, Erfolg, Erhöhung, EU, EU-Kommission, EU-Ratspräsidenten, EU-Umweltkommissar, Europa, Europaparlament, Europas, Farah Großbritannien, Finanzinstitutionen, Frage, Frankreich, Fußnote, Gespielt, Gespräch, Gilbert Belgien, Gipfels, Globalen, Großbritannien, Grundlage, Ham, Hand Conny, Hand Interviews, Hand Pluschenko, Hand Ronny, Hand Tatort, Heinz Paul, Idi Brasilien, Idowu Großbritannien, India Paul, Industrieländer, Internationalen, Italien, IWF, Januar, Jean-Louis, João Paiva, Johannes Paul, John Paul, Kampf, Kenntnis, Klimagipfel, Klimaschutz, Klimaschutzziele, Kohlendioxid, Kongo, Kopenhagen, Kopenhagener, Kraft Beziehungen, Kyoto-Protokolls, Land Botschafter, Land Europas, Land Portugal, Ländern, Lehren, Leinen, León Norbert, Lissabon, Marta Brasilien, Martino Italien, Met Sevilla, Mexiko, Mitgliedstaaten, Mitmachen, Möglichkeiten, Nächstes, Nacht, Nationen, Nazi Deutschlands, Netzwerke, Norbert Barthle, Norbert Meier, Norbert MicheliszUngarnBMW, Norbert MicheliszUngarnSunred, Norbert Oberhaus, Norbert Röttgen, Norbert Tadeusz, Norbert Trelle, Norbert Vettel, Norbert Walter-Borjans, Patrick Rahmen, Paul Anka, Paul Awe, Paul Becker, Paul Beßler, Paul Bode, Paul Browne, Paul Degott, Paul Dixon, Paul Doyle, Paul Feat, Paul Feig, Paul Gauguin, Paul Gay, Paul Gludovatz, Paul Gratzik, Paul Harding, Paul Herrmann, Paul Kelly, Paul Lindsay, Paul Louka, Paul Martens, Paul McGuinness, Paul Newman, Paul Rosenberg, Paul Sahner, Paul Scheidner, Paul Simon, Paul Strong, Paul Wahlberg, Paul Williams, Phase, Polen, Portugal, Protokoll, Prozent, Prozess, Rahmen, Raum Strategien, Republik, Ressortchef, Riese, Rolle, Röttgen, Rudolf Ungarn, Schaffung, Schwellenländer, Schwellenländern, Selbstverständnis, Sevilla, Signal, Silva Brasilien, Spanischen, Staaten, Ständigen, Stavros Lambrinidis, Stellung, Stewart Paul, Streit, Sub, Sudan, Taktische, Teil, Umweltminister, UN, Uneinig, Unep, Ungarn, USA Brasilien, USA Deutschland, USA Dezember, USA Europa, USA Europas, USA Frankreich, USA Großbritannien, USA Polen, USA Verhandlungen, USA Ziel, Vereinten, Vergleichbare, Verhandeln, Verhandlungen, Verringerung, Vertreten, Volkswirtschaften, Vorschlag, Waagschale, Währungsfonds, Ziel, Zugeständnisse,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Dossier: Klimawandel Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren