Fr., 10.02.12

Asse-Räumung Und ewig wächst der Müll

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Artikel vom 15.01.2010

Umweltminister Röttgen will 126.000 radioaktive Fässer aus dem Atommüllager Asse holen. Wo die hin sollen, ist noch nicht klar. Derweil verhandelt Röttgen über die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Das ist nicht nur paradox, sondern auch unverantwortlich.

Es dauert mehr als 700 Millionen Jahren, bis von einem Kilo Uran 235, einem Abfallprodukt aus Atomkraftwerken, nur noch die Hälfte da ist. Ob und wie viel von diesem Stoff in den 126.000 Fässern im Atommüllager Asse vor sich hin strahlt, ist wohl Glückssache: Niemand hat genau aufgepasst, was in den 1960er und 1970er Jahren alles in den Schacht gekippt wurde.

Das ist ein Skandal. Die Fehler, die ihn möglich machten, wurden allerdings in der Vergangenheit begangen. Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, Atommüll in der Asse zu verstauen. Ihn da wieder herauszuholen, ist vernünftig – bevor die radioaktive Salzlauge nach und nach ins Grundwasser sickert. Gleich mehrere wissenschaftliche Szenarien sagen genau diese Katastrophe für die Asse voraus: Einmal im Grundwasser, gelängen die Reste von unserem strahlenden Müll ungehindert in den niedersächsischen Fluss Oker und von dort über Aller und Weser in die Nordsee.

Gleichzeitig mit der Korrektur von Fehlern wird aber eine ganze Reihe neuer begangen. Zehn Jahre soll die Bergung des Mülls aus der Asse laut dem Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) dauern. Just so lange wird es überhaupt zu verantworten sein, in der Asse zu arbeiten, bevor der marode Salzstock zu instabil ist. Eine schöne Rechnung des BfS also, der wir alle wünschen sollten, dass sie aufgeht. Experten warnen jedoch schon seit Jahren, möglichst bald mit der Räumung der Asse zu beginnen: Die könne gut 25 Jahre dauern.

Wohin der Müll aus der Asse soll, wenn er denn erst draußen ist, ist noch unklar. Schacht Konrad in Salzgitter ist zwar nur 15 Kilometer entfernt, aber beinahe voll. Außerdem ist das ehemalige Eisenerzbergwerk bisher nicht als Atommüll-Endlager konzipiert – im Zweifelsfall müsste der Müll also nochmal umziehen.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat aus den Fehlern offenbar reichlich wenig gelernt: In den 1960er Jahren kam der Müll in die Asse, bevor klar war, wo er sonst hin soll. Röttgen verhandelt nun über eine Verlängerung der Restlaufzeiten deutscher Atomkraftwerke – und sorgt so munter für neuen radioaktiven Abfall, bevor klar ist, wo er hin soll.

kas/news.de
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