Handwerker sollen Erzieher ersetzen
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Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Artikel vom 08.01.2010
Tolle Idee oder Rohrkrepierer? Berlins Bildungssenator befeuert mit seinem Vorschlag, Quereinsteiger in die Kitas zu schicken, eine hitzige Diskussion.
Es waren nur zwei kurze Sätze. Aber die haben schon gereicht, um Politiker, Gewerkschaften und vor allem auch Eltern auf die Barrikaden zu rufen. Gesagt hat sie Jürgen Zöllner (SPD), Berlins Bildungssenator. Er fürchte bald ein bundesweites Ringen um Kita-Personal. «Deshalb wollen wir den Quereinstieg ermöglichen», verriet der Landespolitiker kürzlich in einem Interview mit der dpa. Und schob dann nach: «Es ist pädagogisch sinnvoll, Leute mit anderen Erfahrungen zu holen, zum Beispiel auch Handwerker.»
Um einen Schnellschuss handelt es sich bei diesem Vorschlag offensichtlich nicht. Denn gestern bekräftigte Zöllner laut Medienberichten vor dem Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sein Vorhaben noch einmal. Doch auch wenn sich der SPD-Mann seiner Sache sicher zu sein scheint, andere sind es nicht. Über Sinn und Unsinn wird seit Bekanntwerden der Idee jedenfalls ununterbrochen kontrovers diskutiert. Vor allem auch unter den betroffenen Eltern.
Erboste Eltern und wütende Gewerkschaftler
In einschlägigen Internetforen tobt ein erbitterter Streit. Im Kern geht es dabei immer um dieselbe Frage, und zwar: Kann ein in 1000 Stunden umgeschulter Handwerker einen in vier Jahren ausgebildeten Erzieher ersetzen? Die Antwort darauf fällt unterschiedlich aus. Während ein gewisser Rainer in dem Modell «nichts Verkehrtes» erkennen kann, weil Erzieher ohnehin nur noch zu Aufpassern degradiert werden würden, findet Wowifan den Plan einfach nur «respektlos». Gegenüber dem Fachpersonal. Aber auch gegenüber Kind und Eltern. «Wie wäre es», fragt er sarkastisch in die Runde, «wenn sich Herr Zöllner demnächst ein Haus von Amateuren bauen lässt und dort mit seinen Senatskollegen einzieht?»
Schützenhilfe bekommt der Kritiker von der gewerkschaftlichen Seite. So betonte Zöllner zwar, dass die meisten Quereinsteiger aus verwandten sozialen Berufen kommen sollten und sein Plan keineswegs eine Notlösung sei. Doch bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht man das anders. Im Tagesspiegel nannte ein Sprecher den Vorstoß eine «hilflose Aktion». Sie solle nur über schlechte Planung hinwegtäuschen. «Wir wissen seit langem, dass Berlin einen Erziehermangel bekommen wird», zitiert ihn das Blatt.
Vorausschauende Planung oder hilflose Aktion?
Tatsächlich kommt die Entwicklung nicht von ungefähr - und könnte vielleicht auch bald in anderen Bundesländern Schule machen. So treibt die Bundesregierung mittlerweile den Ausbau von Tagesbetreuung voran. Speziell die Versorgung von Kleinkindern mit zusätzlichen Krippenplätzen wird vom Bund seit 2009 mit vier Milliarden Euro gefördert. Damit sollen bis zum Jahr 2013 die Kapazitäten für die Betreuung von Unter-Dreijährigen von derzeit 20 auf dann 35 Prozent ausgebaut werden. Dadurch wird der Erziehermarkt in den kommenden Jahren enger. Die Bundesländer wiederum zwingt diese Entwicklung in einen stärkeren Wettbewerb um das Personal. Gerade das Land Berlin ist dabei stark betroffen. Denn der Senat musste hier unter dem Druck eines Volksentscheids noch einmal gesondert Geld für weitere 1800 Stellen zur Verfügung stellen.
Für Zöllner ist das ein Grund mehr, die drohende Personalnot mit Quereinsteigern aufzufangen - zumal sich durchaus auch Befürworter für seine Idee finden lassen. Ein Vorteil liegt auf der Hand: Schließlich könnten Erzieher mit handwerklichem Geschick ihr Wissen an die Kinder weitertragen. Zumindest eine Mutter kann aus diesem Grund der Sache etwas Gutes abgewinnen. «Ich finde es super», schreibt sie in einem Forum. «Dann gibt es zu Weihnachten halt mal was anderes als die immer wieder gleichen Weihnachtsmänner aus Klorollen.»
ped/news.de
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