So., 12.02.12

Datenregister Scharfe Kritik an Elena

Artikel vom 01.01.2010

Zum Start des Datenregisters Elena gibt es massive Kritik an der neuen zentralen Speicherstelle. Alle Arbeitgeber müssen seit Beginn des Jahres 2010 die Einkommensdaten ihrer Beschäftigten an dieses System melden.

Mit dem Beginn des neuen Jahres hat der Bund eine zentrale Speicherstelle für den «Elektronischen Entgeltnachweis» - kurz Elena - eingeführt. Er soll die Arbeitsbescheinigungen in Papierform ersetzen. Die neue Datenerfassung verpflichtet alle Arbeitgeber, sämtliche einkommensrelevanten Informationen über ihre Beschäftigten an die Deutsche Rentenversicherung in Würzburg zu übermitteln. Auf Grundlage des so entstehende Datenpools soll ab 2012 zunächst der Bezug von Arbeitslosen-, Wohn- und Bundeselterngeld zügiger und ohne Papierkram abgewickelt werden. Die neue Datenerfassung betrifft bis zu 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland.

Bei Gewerkschaften, Politikern und Datenschützern stößt Elena auf massive Kritik. Die Piratenpartei sprach von «unmäßiger Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten». Der Marburger Bund kündigte an, das System rechtlich zu prüfen lassen.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, kritisierte in einem Interview mit der Landeszeitung Lüneburg, es sei nach wie vor nicht befriedigend beantwortet, ob die Datensammlung tatsächlich verhältnismäßig sei. «Und das könnte Konsequenzen haben im Hinblick auf die verfassungsrechtliche Zulässigkeit», wird er zitiert.

Schaar stellte klar, dass Daten über Streikteilnahmen auf sein Drängen hin nicht in Elena erfasst werden. «Einige Punkte, insbesondere welche Daten bei einer Kündigung gespeichert werden, sind aber nicht endgültig geklärt», sagte er weiter.

Kritiker befürchten Missbrauch

Verdi-Chef Frank Bsirske kritisiert laut Süddeutscher Zeitung, dass die Liste der an Elena zu meldenden Daten mittlerweile 41 Seiten umfasse. Missbrauch sei fast programmiert. Auch die FDP habe Bedenken und die Linke spreche von einem Datenmonster, berichtete die Zeitung weiter.

Der Marburger Bund will die Speicherung der Daten rechtlich prüfen lassen. Dabei werde es vor allem um die Frage gehen, inwieweit die Datenerhebung eine verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung und ein unverhältnismäßiger Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei, sagte der Vorsitzende des Verbands der Krankenhausärzte, Rudolf Henke.

«Wenn der Betrieb beispielsweise in der Elena-Ausfüllhilfe unter der Rubrik Fehlzeiten angeben soll, ob ein Arbeitnehmer rechtmäßig oder unrechtmäßig gestreikt hat, dann kann das nur Misstrauen hervorrufen», kritisierte Henke. Es sei ihm völlig unverständlich, warum allein der Arbeitgeber darüber befinden solle, ob ein Streik rechtmäßig sei.

Arbeistministerium will nachbessern

Henke forderte, den ganzen Datenbogen noch einmal kritisch nach «solchen Absonderlichkeiten» durchzusehen: «In ihrer jetzigen Form ist die Ausfüllhilfe nicht praktikabel. Eine Überarbeitung ist unumgänglich», sagte der Marburger-Bund-Chef. Ihn störe vor allem, dass der Arbeitnehmer keinen Einfluss darauf habe, welche Daten an die zentrale Speicherstelle weitergegeben würden. Deshalb werde die Ärztegewerkschaft zunächst eine unabhängige rechtliche Bewertung einholen und dann über die Einleitung weiterer Schritte entscheiden.

Das Arbeitsministerium reagierte auf die massive Kritik und will jetzt nachbessern. «Wir werden nur die zur Berechnung von Sozialleistungen zwingend erforderlichen Informationen speichern. Der entsprechende Datenfragebogen wird in Kürze überarbeitet», sagte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Eine direkte Zuordnung von Streiktagen eines Beschäftigten soll dabei unmöglich gemacht werden.

car/news.de/ap
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Leutheusser-Schnarrenberger (Foto)
Verfahren Datenjäger-Tribunal in Karlsruhe

Anbieter müssen festhalten, wer mit wem wie lange telefoniert. Nun prüft das Verfassungsgericht die umstrittene mehr ...

Facebook (Foto)
Datenschutz Wer nicht aufpasst, gibt alles preis

Facebook prahlt mit besserem Datenschutz. Doch das Gegenteil ist der mehr ...

Bundesverfassungericht (Foto)
Verfassungsgericht Bürgerrechtler kritisieren Vorratsdatenspeicherung

Die Kläger werfen der Bundesregierung vor, jeden Bürger wie einen potenziellen Straftäter zu mehr ...

Datenschutz (Foto)
EU-Verbraucherschutz «Keiner weiß, wo seine Daten sind»

Keine Ahnung, was beim Surfen mir Ihren Daten passiert? Was sich mit der neuen EU-Telekom-Reform eigentlich mehr ...

Passwortzugang online (Foto)
Sichere Passwörter SgwfiidK65#uds

Onlinebanking, soziales Netzwerk, E-Mail - Passwörter im Netz sind Pflicht. News.de zeigt, wie man bessere Passwörter mehr ...

Bundesagentur für Arbeit (Foto)
Datenschutz Neuer Datenskandal bei Bundesagentur-Jobbörse

Eine Berliner Firma hat im großen Stil Stellenangebote in die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit mehr ...

Datenregister: Scharfe Kritik an Elena » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855038663/scharfe-kritik-an-elena/1/
Schlagworte:
Abgewickelt, All, Ané, Angeben, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Ärztegewerkschaft, Associated, Ausfüllhilfe, Babett Peter, Bedenken, Befinden, Befriedigend, Befürchten, Beginn, Behörden, Beschäftigten, Betrieb, Betrifft, Bewertung, Bsirske, Bund, Bundesarbeitsministerin, Bundesdatenschutzbeauftragte, Bürokratie, DAPD, Daten, Datenerhebung, Datenschützern, DEU, Deutschland, Dominique Ané, Drängen, Einfluss, Eingriff, Einleitung, Elektronischen, Elena Anaya, Elena Timina, Elena Tkach, Elvis Frank, Endgültig, Entscheiden, Erforderlichen, Erhebung, Fábio Guimarães, FDP, Fehlzeiten, Form, Frage, Frank Bender, Frank Borzage, Frank Briegmann, Frank Briel, Frank Brunkhorst, Frank Bsirske, Frank Carstens, Frank Castorf, Frank Coraci, Frank Desler, Frank Fechner, Frank Foster, Frank Heinemann, Frank Henkel, Frank Horch, Frank Kaminsky, Frank Keuper, Frank Laufenberg, Frank Leonhardt, Frank Matthée, Frank Miller, Frank Oehler, Frank Palfreyman, Frank Rajaonarisamba, Frank Rautenbach, Frank Schäffler, Frank Stäbler, Frank Steier, Frank Volk, Frank Zomerdijk, Frankfurt, Gericht, Gespeichert, Gewerkschaften, Henke, Hinblick, Hintergrund, Interview, Inwieweit, Jahres, Kassen Bund, Kim Frank, Konsequenzen, Krankenhausärzte, Kritik, Kritisch, Kritisiert, Kündigung, Landeszeitung, Linke, Liste, Lüneburg, Marburger, Marburger-Bund-Chef, Mark Frank, März, Massive, Melden, Millionen, Missbrauch, Misstrauen, Mitarbeiter, Nachbessern, Nachrichtenagentur, Nina Peter, Papier, Papierform, Peter Ballnik, Peter Bauer, Peter Bleser, Peter Bofinger, Peter Bond, Peter Bretter, Peter Buck, Peter CDU, Peter Chou, Peter Christensen, Peter Danzl, Peter Dathe, Peter Deilmann, Peter Endig, Peter Engel, Peter Eötvös, Peter Falk, Peter Flache, Peter Foley, Peter Frampton, Peter Frese, Peter Frey, Peter Gallagher, Peter Games, Peter Gelle, Peter Geyer, Peter Gruhne, Peter Hahnes, Peter Halley, Peter Herrmann, Peter Hinchliffe, Peter Jonas, Peter Kauzer, Peter Kennaugh, Peter Korthals, Peter Kraus, Peter Kunkel, Peter Kurz, Peter Kurzecks, Peter Löscher, Peter Luisi, Peter Lutz, Peter Malfertheiner, Peter Martins, Peter May, Peter Menke, Peter Möckesch, Peter Mullan, Peter Naumann, Peter Neururer, Peter Peters, Peter Plate, Peter Probst, Peter Raue, Peter Rieger, Peter Röder, Peter Rommel, Peter Ruzicka, Peter Sarsgaard, Peter Schaar, Peter Schall-Latur, Peter Schilling, Peter Scholl-Latour, Peter Scholl-Latur, Peter Schreier, Peter Sellars, Peter Stastny, Peter Stein, Peter Sullivan, Peter Täubl, Peter Templeman, Peter Terium, Peter Torebko, Peter Tschaikowskis, Peter Tschaikowsky, Peter Urban, Peter Vargo, Peter Wedde, Peter Weir, Peter Wiechern, Peter Wutzler, Peter Zwegat, Pflicht, Piratenpartei, Politikern, Press, Projekts, Prüfen, Punkte, Recht, Rechte, Reserved, Rights, Rubrik, Rudolf Bosselt, Rudolf Harbig, Rudolf Henke, Rudolf Rohlinger, Rudolf Scharping, Rudolf Ungarn, Schaar, Schritte, Selbstbestimmung, Speichern, Speicherung, Spreche, Start, Streik, Süddeutscher, System, The Associated, Überarbeitet, Überarbeitung, Unrechtmäßig, Verbands, Verdi-Chef, Verhältnismäßig, Verpflichtet, Vorbehalten, Vorratsdatenspeicherung, Vorsitzende, Zeitung, Zulässigkeit, Zuordnung,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren