Litauen Atomkraftwerk Ignalina stillgelegt

Gemäß seiner Vereinbarung mit der EU hat Litauen das Atomkraftwerk Ignalina in der Silvesternacht stillgelegt. Der letzte außerhalb Russlands gelegene Reaktor vom Typ des in Tschernobyl explodierten Atommeilers wurde kurz vor Mitternacht vom Netz genommen.

Ignalina (Foto)
Das Atomkraftwerk in Ignalina, seit der Silvesternacht ist es vom Netz. Bild: dpa

Mit einer Kapazität von 1320 Megawatt war er einer der größten Atommeiler der Welt und deckte 70 Prozent des litauischen Energiebedarfs. Wegen nunmehr befürchteter Engpässe stieß seine Schließung in weiten Teilen der Bevölkerung auf Kritik.

«Wir halten unser Wort, das wir unseren europäischen Partnern gegeben haben», betonte Energieminister Arvydas Sekmokas. Ein Antrag Litauens, die Anlage noch zwei bis drei Jahre weiter zu betreiben, war von der EU wegen zu starker Sicherheitsbedenken abgelehnt worden. Ein erster Reaktor der Anlage wurde bereits 2004 stillgelegt, dem Jahr des EU-Beitritts von Litauen.

Die sogenannten RBMK-Reaktoren sowjetischer Bauart gelten als höchst störanfällig. Die Explosion im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 überzog ganz Europa mit einer radioaktiven Wolke. Es war der bislang schwerste Atomunfall der Welt. Litauen hat aber stets betont, der Reaktor von Ignalina sei dank europäischer Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro so gut aufgerüstet worden, dass er modernen Sicherheitsstandards entspreche.

Neben Frankreich war die baltische Republik bislang das am meisten von der Atomkraft abhängige Land in Europa. Viele Litauer befürchten, nun, auf Energielieferungen aus dem Ausland, insbesondere aus Russland, angewiesen zu sein. Bis 2013 soll ein Gas betriebenes Kraftwerk gebaut werden.

bla/news.de/ap

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