Wenn die Kanzlerin Herz und Mund öffnet
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Von news.de-Mitarbeiter Hans-Günther Pölitz
Artikel vom 31.12.2009
Die fetten Jahre sind vorbei, 2009 scheint von Krisen gebeutelt. Offiziell zumindest. Was bleibt da Besseres als ein augenzwinkernder Blick auf die zurückliegenden 365 Tage. Immer in der Gewissheit, dass 2010 nur noch schlimmer werden kann.
Das Jahr 2009 sollte das Jahr der schlechten Nachrichten werden, so hatte es Angela Merkel angekündigt. Und sie hatte Recht. Schon am ersten Januar meldeten die Agenturen: «Thüringens Ministerpräsident gestürzt.» Allerdings nicht bei einem Putsch, sondern bei einem Rutsch. Aber was hat uns der Skiunfall von Dieter Althaus gelehrt? Es ist für die Menschen noch gefährlicher, wenn Politiker das Brett nicht vor dem Kopf haben, sondern unter den Füßen.
Im Februar verloren wir Wirtschaftsminister Glos. Das Interessanteste an seinem Rücktritt war, dass dadurch viele erst erfahren hatten, dass er überhaupt Wirtschaftsminister war. Alle anderen Wirtschaftsminister haben bisher etwas Bleibendes hinterlassen. Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft, Karl Schiller die konzertierte Aktion, Graf Lambsdorff eine Steuerhinterziehung, Clement Hartz-IV, und Möllemann die Erkenntnis, dass ein Rettungsschirm nicht unbedingt aufgehen muss. Aber was bleibt von Michael Glos? Immerhin der Satz: «Wenn der Himmel herunterfällt, sind alle Spatzen tot.»
Im März erreichte uns die schockierende Meldung, dass das Artensterben rasant voranschreitet. Jetzt trifft es auch die Spezies der Milliardäre (lateinisch: raffus raffus penunze). Waren 2008 noch um die 2379 Exemplare in der freien Wildbahn unterwegs, sind es 2009 nur noch 793. Das ist vergleichbar mit dem Robbensterben. Nur mit einem Unterschied: Die Robben sterben durch einen Schlag auf den Kopf, die Milliardäre durch einen Schlag ins Kontor.
Der traf im April dann auch die Deutsche Bahn. Ihr Chef Mehdorn trat zurück. Von der Bahnsteigkante. Wegen eines Datenskandals. Viele fragten sich: «Warum erst jetzt?». Die Daten der Bahn waren schon lange ein Skandal. Besonders die Ankunfts- und Abfahrtsdaten. Im Mai mussten wir dann den Tod von Schröders Gans verkraften. Also, jetzt nicht von Doris, sondern von der, die Gerhard einst vom Tod im Ofenrohr begnadigt hatte. Laut Befund starb sie an Leberzirrhose. Bei der Politik, die die SPD macht, hat sie wahrscheinlich angefangen zu saufen. So musste sie nicht mehr miterleben, wie sich bei der Europawahl im Juni die SPD ganz gefährlich der Fünfprozenthürde näherte. Noch von oben.
Im Juli dokumentierte unsere Bundesregierung, dass sie zwar kein Rückgrat hat, aber dafür wieder ein Kreuz. Daran hat sie eisern gearbeitet. Deshalb sprechen einige auch schon wieder vom «Eisernen Kreuz». Dieses wurde von der Kanzlerin vier Soldaten an die Brust gehaftet für besondere Tapferkeit im Afghanistankrieg ... Pardon ... Damals hieß es ja noch nicht Krieg, sondern «Stabilisierungseinsatz», «Friedensmission» oder «Putz- und Flickstunde im Wüstensand». Diese Begriffe hatte sich Franz-Josef Jung ausgedacht. Es gab mal eine Zeit, da hatte Deutschland, um das Volk zu verdummen, extra einen Propagandaminister. Heute hinkte der Jung selber - der Wahrheit hinterher. Er hat ja auch den Josef schon im Vornamen.
Im August konnten wir erahnen, wie schlimm die Bankenkrise wirklich ist. Es musste sogar eine Tafel für bedürftige Banker eingerichtet werden. Nachdem Josef Ackermann auf seine Bonuszahlung verzichtet hatte, konnte er nicht mal seinen 60. Geburtstag angemessen feiern. Aber Angela Merkel als Pfarrerstochter öffnete für ihn Kanzleramt, Herz und Mund: «Ich bin das Brot, wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern.» Als erster Gang wurde Filzsuppe serviert, danach Mauschelsalat und als Hauptgang gequirlte Lobby an Schwarzwurzeln.
Im September hieß es Abschied nehmen von der 100-Watt-Glühbirne aus den Lampen und der SPD aus der Regierung. Der von der Glühlampe fiel schwerer. Die SPD war sowieso keine große Leuchte. Viele haben sich gefragt: «Warum war eigentlich der Papst noch nicht bei der SPD? Er fährt doch sonst überall dahin, wo das Elend am größten ist.»
Der Oktober bescherte uns eine neue Regierung. Das heißt die alten Regierenden hatten nur neue Posten. Der Wirtschaftsminister war plötzlich Verteidigungsminister, der Verteidigungsminister Wirtschaftsminister, der Kanzleramtsminister Innenminister und der Innenminister Finanzminister. Da musste Schäuble ganz schön umdenken. Nicht mehr abhören, sondern abkassieren.
Am neunten November wurde eindringlich bewiesen, dass das Bildungssystem der DDR doch nicht so gut gewesen sein kann, wie es immer dargestellt wurde. Einen ganzen Tag lang wurde im Fernsehen der DDR-Bürger Schabowski vorgeführt, wie er nicht mal einen einfachen Zettel richtig lesen konnte. Daraufhin ging seinerzeit nicht nur den Deutschlehrern der Hut hoch, sondern auch die Schlagbäume an der Grenze. Ähnlich ungeschickt stellte sich 20 Jahre später der BRD-Bürger Franz-Josef Jung beim Lesen an, nachdem wieder etwas hochgegangen war: Zwei Tanklaster und 142 Menschen in Kundus. Sowohl Schabowski als auch Jung sind nicht mehr im Amt.
Im Dezember ereilte uns nun noch die Nachricht, dass man uns in Zukunft nackig machen will. Zumindest, wenn wir irgendwohin fliegen wollen. Dann müssen wir uns auf dem Flughafen in eine Art Duschkabine stellen und alle können sehen, was wir unter dem Schlüpfer haben. Früher nannte man das Peep-Show. Nach Tanken für die Rente, Rauchen gegen den Terrorismus nun Strippen für die Sicherheit. Was aber, wenn der Nacktscanner auch nichts hilft? Wird man uns dann das Fell ganz über die Ohren ziehen? Wir sollten uns darauf einstellen: 2010 wird schlechter als 2009. Aber immer noch besser als 2011.
Hans-Günther Pölitz, geboren am 26.01.1952 in Waldheim/Sachsen, ist seit 1996 Gründer, Kabarettist, Autor und künstlerischer Direktor des Kabaretts Magdeburger Zwickmühle. Außerdem ist er verheiratet und hat ein Kind.
san/bla/news.de
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Pawlows Hund als Psychologe. Wer den sarkastischen Unterton nicht bemerkt hat,kennt bestimmt auch nicht das Liedchen: nun wird wider in die Hände gespuckt,wir steigern das Bruttosozialprodukt! La Fontaine wurde als Keynesianer von Schröder in die Wüste geschickt.Die fdp klattschte Beifall! Nun bekommt La Fontaine ein"Brüderle"! Dem"Neohundigen"läuft das Wassen im Mund zusammen. Hat er doch immer recht, ob"Gelbes Brüderlein"oder "Linke Fontaine"!Sind wir nicht alle"Keynesianer",Schuldenmacher?
jetzt antwortenKommentar meldenDas Verständnis, das Reiner für die Kanzlerin hat, macht ihn zum Sympathieträger,zum Neokeynesianer also. Allerdings ist sein Urteil zu hart,wenn er von Faulenzern spricht.Nicht alle,die dem Müßiggang frönen,machen dies der Faulheit wegen. Sie waren nicht die Unproduktiven, sondern sind am System zerbrochen.Zu nennen ist Schröder oder Peter Hartz, denen die Karriere vermasselt wurde. Diesen und anderen Personen der sozialen Verantwortung kommt Reiner in seinem Kommentar nicht so entgegen,wie diese es verdient hätten. Reiners psychologische Hilfe heißt übrigens ragnaroekr.Und das ist gut so.
jetzt antwortenKommentar meldenSchon mal überlegt, dass das einer von der Biene Maja Koalition ist, die vor der Wahl wahre Lobeshymnen für die Frauen Westerwelle und Merkel gesungen haben und nach der Wahl zur aussterbenden Rasse der schwarz-gelben Viecher gehört? Ich vermute mal, das viele nun gemerkt haben, was sie da gewählt haben und nun auch mit dem Rest des Volkes ausbaden müssen. Also, in dem Sinne: WEITER SO!
jetzt antwortenKommentar meldenich kann nur hoffen, daß dieser Komentar sarkastisch gemeint war. Sonst müßte man sich ernsthaft fragen, ob Reiner in einem Paralleluniversum lebt und evtl. psychologische Hilfe benötigt.
jetzt antwortenKommentar meldenDurch arbeiten natürlich,hat doch jeder die gleiche Chancen man muß sie halt nur umsetzen! die es zu nichts bringen sind halt Faulenzer,Versager Sozialschmarotzer,jeder ist seines Glückesschmied! Vorallem jetzt sind die Chancen gestiegen,durch das heilbringende Gelb/Schwarze Regierungsbündnis! also Leute anpacken,es gibt viel zutun!!
jetzt antwortenKommentar meldenZum Aussterben von Arten: R fragt: Wie wird man in Deutschland Millionär? R antwortet: Wenn man vorher Milliardär war.
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