Mo., 13.02.12
Klimawandel

Bedrohung Klimawandel Die Angst vor dem Atlantis-Schicksal

Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner

Artikel vom 15.12.2009

Vor noch nicht allzu langer Zeit hielten Regierende eine Konferenz unter Wasser ab. Zum Schmunzeln ist das nur auf den ersten Blick. Besonders Inselstaaten spüren die Folgen des Klimawandels. Aber auch Deutschland ist betroffen. Ein Überblick.

Gehen die Inselstaaten unter?

Experten der Vereinten Nationen prognostizieren, der Meeresspiegel könne bis zum Jahr 2100 um bis zu 58 Zentimeter ansteigen. Eine Gefahr für viele Inselstaaten. Die Bewohner der Malediven beispielsweise befinden sich mitten im Kampf gegen die Klimaveränderungen. Eine drei Meter hohe Mauer soll die Hauptstadt Male vor Überschwemmungen schützen. Doch ob sie standhalten kann, wenn die Wasser tatsächlich weiter ansteigen, ist fraglich. Die Bewohner der Insel Kandholhudhoo im Norden des Landes haben zum Teil schon aufgegeben. Viele sind fortgezogen, weil immer mehr Häuser immer häufiger unter Wasser stehen. Präsident Mohammed Nasheed hat Angst um seine Landsleute. Er will sparen, um woanders Land kaufen und gegebenenfalls die gesamte Bevölkerung umsiedeln zu können. Ein ganzes Volk wäre sonst verdammt zur Flucht, zum ziellosen Herumwandern, sagte der Nasheed bereits im vergangenen Jahr dem Guardian.
.
Bedroht vom steigenden Meerespiegel sind auch die Fidschi-Inseln und winzige Inseln im Pazifischen Ozean wie Tuvalu oder Kiribati. Wie der Fernsehsender 3sat berichtet, sieht Tuvalu die regionale Großmacht Australien in der Helferspflicht, da diese für den höchsten Emissionsausstoß in der Region verantwortlich sei. Bislang macht der große Nachbar jedoch keine Anstalten Umsiedlungspläne zu unterstützen.

Wer ist am meisten betroffen?

Laut dem Globalen Klima-Risiko-Index 2010 der Entwicklungsorganisation Germanwatch sind Bangladesch, Birma und Vietnam die am schwersten von Wetterextremen bedrohten Länder. Die Studie untersuchte den Zeitraum von 1990 bis 2008 und berücksichtigte alle wetterbedingten Schäden (ausgelöst vor allem durch Stürme, Fluten, Hitzewellen). Zahlen internationaler Hilfsorganisationen nach, wurden allein im Jahr 2008 rund 20 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen als Klimafolgen obdachlos.

Und die USA?

Der Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans steht beispielhaft für die Klimabedrohungen in den Vereinigten Staaten. Jedoch können die reichen Nordamerikaner die Folgen von Klimakatastrophen viel einfacher beheben als arme Länder wie Indien oder Bangladesch. Die Umweltstiftung WWF und der Finanzdienstleister Allianz SE haben in ihrer gemeinsamen Studie «Tipping Points» untermauert, dass der Südwesten der USA, hauptsächlich Kalifornien, bei fortschreitender Klimaerwärmung von extremer Trockenheit betroffen sein wird - ähnlich wie Südeuropa. Küstenregionen sind von zunehmender Hurrikan- und Überschwemmungsgefahr bedroht.

Und Europa, insbesondere Deutschland?


Auch Europa spürt den Klimawandel. Besonders scheinen sich die Schweizer zu grämen, da sie zwar verhältnismäßig wenig Treibhaus-Emissionen produzieren, jedoch mit den Folgen der globalen Erwärmung genauso zu kämpfen haben werden. Schweizer Medienberichten zufolge ist deshalb das Gefühl vorherrschend, umso mehr abhängig von den Entscheidungen der großen CO2-Produzenten zu sein.
 
Deutsche Reaktionen auf den Klimawandel sind zwiegespalten. Einerseits geht es um die Wirtschaft, besonders den Tourismus. Eine DIW-Studie (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) schätzt, dass es im Tourismussektor für den Zeitraum bis 2050 Einbußen von 19 Milliarden geben wird. Grund ist beispielsweise ausbleibender Schnee in den Wintersportregionen infolge des Klimawandels. Durch Überflutungen und Hochwasser sei mit Immobilien-und Infrastrukturschäden von etwa zehn Milliarden Euro zu rechnen.Weil es voraussichtlich weniger schneien wird, hat zum Beispiel Thüringen ein neues Tourismuskonzept ausgearbeitet. Die Weinbauern in Franken reagieren, indem sie sukzessive auch südländische Sorten anbauen.

Problematisch sieht man die globale Erwärmung aber auch. Das Bundesland Brandenburg hat längst Alarm wegen drohender Dürre geschlagen. Warnenden Stimmen kommen aus dem Alpenland. Das Abschmelzen der Gletscher kann langfristig zu Wassermangel führen, da viele Flüsse in den Alpen entspringen und auszutrocknen drohen. Denn die Gletscher haben in den vergangenen 150 Jahren mehr als die Hälfte ihres Volumens verloren. Gleichzeitig gibt es wesentlich mehr Niederschlag in den Bergen, was in weiten Teilen der Region zu verheerenden Überschwemmungen führen kann. 

san/hav/nbr/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Nach heftigen Monsun-Regenfällen bahnen sich 2008  in Indien Einwohner ihren Weg durch überflutete S (Foto)
Klimaflucht «Es geht um Leben und Tod»

Viele Menschen verlassen ihre Heimat wegen des Klimawandels - Asyl bekommen sie aber mehr ...

Wintersportort Oberhof wartet auf Schnee (Foto)
Wintersport und Klima Mehr Qualität - und Kunstschnee

Kopenhagen diskutiert über den Klimawandel, andere handeln. Ein Beispiel aus dem mehr ...

Klimagipfel (Foto)
Kopenhagen Arm gegen Reich

Konfrontation beim Klimagipfel: Auch nach der Anreise der Umweltminister kommen die Länder auf keinen mehr ...

Proteste bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen (Foto)
Kopenhagen Zehntausende demonstrieren fürs Klima

Menschen aus aller Welt haben in Kopenhagen ein weitgehendes Abkommen beim UN-Klimagipfel gefordert. Es gab Hunderte mehr ...

Bedrohung Klimawandel: Die Angst vor dem Atlantis-Schicksal » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855036607/die-angst-vor-dem-atlantis-schicksal/1/
Schlagworte:
Alarm, Allianz, Alpen, Alpenland, Andrea Agostini, Andrea Bargnani, Andrea Bosca, Andrea Breth, Andrea Camilleri, Andrea Corr, Andrea Fischer, Andrea Gail, Andrea Gotzmann, Andrea Heiliger, Andrea Henkel, Andrea Hilger, Andrea Minguzzi, Andrea Neumann, Andrea Palladino, Andrea Sawatrzki, Andrea Sawatzkis, Andrea Vaturi, Angst, Anstalten, Australien, Bangladesch, Befinden, Beheben, Beispiel, Bergen, Bevölkerung, Bewohner, Birma, Bundesland, Clinton Aber, Daniel Schweizer, Deutsche, Deutschland, DIW-Studie, Drohender, Dürre, Einfacher, Energien, Entscheidungen, Entwicklungsorganisation, Euro Allianz, Euro Franken, Euro Grund, Euro Medienberichten, Euro Schnee, Euro Staaten, Europa, Experten, Fernsehsender, Fidschi-Inseln, Finanzdienstleister, Flucht, Flüsse, Fluten, Folgen, Frank Volk, Franken, Gefahr, Gefühl, Gegebenenfalls, Gemeinsamen, Germanwatch, Geschlagen, Gletscher, Globalen, Großmacht, Guardian, Hälfte, Häufiger, Hauptsächlich, Hauptstadt, Häuser Behördenvertreter, Häuser Berlins, Häuser Kirchen, Häuser Spezialisten, Hilfsorganisationen, Hurrikan, Indien, Insel, Inseln, Inselstaaten, Internationale, Internationaler, Jahr, Jahren, Jones Aber, Kaffee Deutschland, Kalifornien, Kampf, Kiribati, Klima-Risiko-Index, Klimaerwärmung, Klimakatastrophen, Klimaveränderungen, Klimawandel, Klimawandels, Küstenregionen, Land Aber, Land Brandenburg, Land Menschen, Land Wasser, Länder Ausnahmeregelungen, Länder Deutschland, Länder Freaks, Länder Gemeinden, Länder Teil, Landes, Landsleute, Mads Langer, Male, Malediven, Marc Brandenburg, Marta Australien, Mauer, Mayer Deutschland, Medienberichten, Meeresspiegel, Menschen, Meter, Millionen, Mohammed AbdellaoueHannover, Mohammed Atta, Mohammed Darwisch, Mohammed Mil, Mohammed Naim, Nachbar, Nasheed, Nationen, Naturkatastrophen, New, Nicole Schweizer, Niederschlag, Norden, Orleans, Ozean, Pazifischen, Peta Deutschland, Points, Präsident, Problematisch, Raum San, Reaktionen, Rechnen, Region, San Angelo, San Clemente, San Diego, San Fernando, San Francesco, San Francisco, San FranciscoUSA, San Jose, San Juan-Laventille, San Lorenzo, San Luca, San Marino, San Paolo, San Ramon, San Salvador, San Sebastián, San Sebastián00, San Sebastián12, San Sebastián24, San Sebastián34, San Sebastián45, San Sebastián56, San Sebastián67, San Sebastián77, San Simeon, Schäden, Schmunzeln, Schneien, Schweizer, SE, Sofia Abhängig, Sorten, Staaten, Stimmen, Stipe Aber, Studie, Stürme, Südeuropa, Südwesten, Team Aber, Team Deutschland, Teil, Thüringen, Tourismus, Trockenheit, Tuvalu, Überschwemmungen, Umweltstiftung, Unterstützen, Ursel Aber, USA Australien, USA Deutschland, USA Einbußen, USA Europa, USA Zeit, Verdammt, Vereinigten, Vereinten, Verhältnismäßig, Verloren, Vietnam, Volk William, Wasser, Wassermangel, Wesentlich, Wirtschaft, WWF, Zeitraum, Zentimeter,
Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 15.12.2009 19:14
von
Frank Schusterbach

immer wieder neue panik mache vor jahren meinten die "experten" der meeresspiegel steigt um 60cm nach jahren danach warens dann nur noch über 30cm alles nur geldmacherei der großen und jede zeitung, nachrichtensender und onlinenews seiten propagieren ordentlich mit...

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 1
  • 15.12.2009 16:56
von
ragnaroekr

Zu den Eseleien der Temperaturgegner fällt ragnaroekr nicht mehr viel ein. Vielleicht sollte ein Umsiedelungsprogramm gestartet werden, am besten zu einem Jupitermond. Wem es zu warm wird, der sollte gehen. Der Tourismusbranche zu liebe. Nahezu lächerlich sind die Hochwasserschadenschätzungen. Europa unter Wasser, Australien 2 qkm groß, usw. Das sind unvorstellbare Schäden.Mauert Euch ein. Besteuert die Berggipfel. Klimawandel auch ein Versichererargument.Die Beiträge sollen ins Unermessliche angehoben werden.Das nützt dann, wenn die Landmasse der Erde unter Wasser steht. Zahlt ihr Angsthasen.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Abstimmen
Kopenhagener Klimagipfel
Klimawandel - reale Gefahr oder Propaganda?
Dossier: Klimawandel Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren