Bedrohung Klimawandel Die Angst vor dem Atlantis-Schicksal

Vor noch nicht allzu langer Zeit hielten Regierende eine Konferenz unter Wasser ab. Zum Schmunzeln ist das nur auf den ersten Blick. Besonders Inselstaaten spüren die Folgen des Klimawandels. Aber auch Deutschland ist betroffen. Ein Überblick.

Die erste Unterwasser-Sitzung einer Regierung auf den Malediven. (Foto)
Trauriger Protest: Die erste Unterwasser-Sitzung einer Regierung auf den Malediven. Bild: dpa

Gehen die Inselstaaten unter?

Experten der Vereinten Nationen prognostizieren, der Meeresspiegel könne bis zum Jahr 2100 um bis zu 58 Zentimeter ansteigen. Eine Gefahr für viele Inselstaaten. Die Bewohner der Malediven beispielsweise befinden sich mitten im Kampf gegen die Klimaveränderungen. Eine drei Meter hohe Mauer soll die Hauptstadt Male vor Überschwemmungen schützen. Doch ob sie standhalten kann, wenn die Wasser tatsächlich weiter ansteigen, ist fraglich. Die Bewohner der Insel Kandholhudhoo im Norden des Landes haben zum Teil schon aufgegeben. Viele sind fortgezogen, weil immer mehr Häuser immer häufiger unter Wasser stehen. Präsident Mohammed Nasheed hat Angst um seine Landsleute. Er will sparen, um woanders Land kaufen und gegebenenfalls die gesamte Bevölkerung umsiedeln zu können. Ein ganzes Volk wäre sonst verdammt zur Flucht, zum ziellosen Herumwandern, sagte der Nasheed bereits im vergangenen Jahr dem Guardian.
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Bedroht vom steigenden Meerespiegel sind auch die Fidschi-Inseln und winzige Inseln im Pazifischen Ozean wie Tuvalu oder Kiribati. Wie der Fernsehsender 3sat berichtet, sieht Tuvalu die regionale Großmacht Australien in der Helferspflicht, da diese für den höchsten Emissionsausstoß in der Region verantwortlich sei. Bislang macht der große Nachbar jedoch keine Anstalten Umsiedlungspläne zu unterstützen.

Wer ist am meisten betroffen?

Laut dem Globalen Klima-Risiko-Index 2010 der Entwicklungsorganisation Germanwatch sind Bangladesch, Birma und Vietnam die am schwersten von Wetterextremen bedrohten Länder. Die Studie untersuchte den Zeitraum von 1990 bis 2008 und berücksichtigte alle wetterbedingten Schäden (ausgelöst vor allem durch Stürme, Fluten, Hitzewellen). Zahlen internationaler Hilfsorganisationen nach, wurden allein im Jahr 2008 rund 20 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen als Klimafolgen obdachlos.

Und die USA?

Der Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans steht beispielhaft für die Klimabedrohungen in den Vereinigten Staaten. Jedoch können die reichen Nordamerikaner die Folgen von Klimakatastrophen viel einfacher beheben als arme Länder wie Indien oder Bangladesch. Die Umweltstiftung WWF und der Finanzdienstleister Allianz SE haben in ihrer gemeinsamen Studie «Tipping Points» untermauert, dass der Südwesten der USA, hauptsächlich Kalifornien, bei fortschreitender Klimaerwärmung von extremer Trockenheit betroffen sein wird - ähnlich wie Südeuropa. Küstenregionen sind von zunehmender Hurrikan- und Überschwemmungsgefahr bedroht.

Und Europa, insbesondere Deutschland?


Auch Europa spürt den Klimawandel. Besonders scheinen sich die Schweizer zu grämen, da sie zwar verhältnismäßig wenig Treibhaus-Emissionen produzieren, jedoch mit den Folgen der globalen Erwärmung genauso zu kämpfen haben werden. Schweizer Medienberichten zufolge ist deshalb das Gefühl vorherrschend, umso mehr abhängig von den Entscheidungen der großen CO2-Produzenten zu sein.
 
Deutsche Reaktionen auf den Klimawandel sind zwiegespalten. Einerseits geht es um die Wirtschaft, besonders den Tourismus. Eine DIW-Studie (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) schätzt, dass es im Tourismussektor für den Zeitraum bis 2050 Einbußen von 19 Milliarden geben wird. Grund ist beispielsweise ausbleibender Schnee in den Wintersportregionen infolge des Klimawandels. Durch Überflutungen und Hochwasser sei mit Immobilien-und Infrastrukturschäden von etwa zehn Milliarden Euro zu rechnen.Weil es voraussichtlich weniger schneien wird, hat zum Beispiel Thüringen ein neues Tourismuskonzept ausgearbeitet. Die Weinbauern in Franken reagieren, indem sie sukzessive auch südländische Sorten anbauen.

Problematisch sieht man die globale Erwärmung aber auch. Das Bundesland Brandenburg hat längst Alarm wegen drohender Dürre geschlagen. Warnenden Stimmen kommen aus dem Alpenland. Das Abschmelzen der Gletscher kann langfristig zu Wassermangel führen, da viele Flüsse in den Alpen entspringen und auszutrocknen drohen. Denn die Gletscher haben in den vergangenen 150 Jahren mehr als die Hälfte ihres Volumens verloren. Gleichzeitig gibt es wesentlich mehr Niederschlag in den Bergen, was in weiten Teilen der Region zu verheerenden Überschwemmungen führen kann. 

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san/hav/nbr/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Frank Schusterbach
  • Kommentar 2
  • 15.12.2009 19:14

immer wieder neue panik mache vor jahren meinten die "experten" der meeresspiegel steigt um 60cm nach jahren danach warens dann nur noch über 30cm alles nur geldmacherei der großen und jede zeitung, nachrichtensender und onlinenews seiten propagieren ordentlich mit...

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 1
  • 15.12.2009 16:56

Zu den Eseleien der Temperaturgegner fällt ragnaroekr nicht mehr viel ein. Vielleicht sollte ein Umsiedelungsprogramm gestartet werden, am besten zu einem Jupitermond. Wem es zu warm wird, der sollte gehen. Der Tourismusbranche zu liebe. Nahezu lächerlich sind die Hochwasserschadenschätzungen. Europa unter Wasser, Australien 2 qkm groß, usw. Das sind unvorstellbare Schäden.Mauert Euch ein. Besteuert die Berggipfel. Klimawandel auch ein Versichererargument.Die Beiträge sollen ins Unermessliche angehoben werden.Das nützt dann, wenn die Landmasse der Erde unter Wasser steht. Zahlt ihr Angsthasen.

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