Von news.de-Redakteur Herbert Mackert - 27.12.2009, 07.42 Uhr

Gutes tun: Spenden, aber richtig!

Die Wirtschaftskrise hat der Spendenbereitschaft der Deutschen keinen Abbruch getan. Doch unter den rund 600.000 gemeinnützigen Organisationen gibt es viele dubiose Spendeneintreiber. News.de sagt Ihnen, worauf Sie achten sollten.

In welche Dose soll das Geld? Spendensiegel, etwa vom DZI, bieten eine Orientierungshilfe. Bild: dpa

Nach Einschätzung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) , das die Arbeit von Spendenorganisationen überprüft, spendeten die Deutschen in dem zu Ende gehenden Jahr rund 2,4 Milliarden Euro - in etwa so viel wie 2008. Andere Stellen errechnen sogar einen Betrag von drei bis fünf Milliarden Euro.

«Die Bundesbürger sind trotz Krise und Zukunftsängsten nicht spendenmüde geworden», bilanziert DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke auf news.de-Anfrage. Mit etwa 80 bis 120 Euro pro Jahr und Kopf allerdings seien die Deutschen auch keine Spenden-Spitzenreiter, sondern allenfalls Mittelmaß. Die Liste führen Skandinavier, Niederländer und Österreicher an. Weltmeister sind die USA , wo rund 75 Prozent der Menschen regelmäßig spenden, während es nur rund 30 Prozent der Deutschen tun.

Anders als im vergangenen Jahr, als der Skandal um die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks Unicef ausgerechnet in der Hauptsaison vor Weihnachten Spender verprellte, gibt es in diesem Jahr keine großen Affären und Skandale.

Keine Zunahme beim Missbrauch von Spenden


Auch der Missbrauch von Spenden hat laut Wilke im Krisenjahr nicht zugenommen. «Es gibt einen Bodensatz von Schwarzen Schafen, aber das ist insgesamt gesehen ein kleiner, stabiler Anteil.» Dennoch ist Vorsicht geboten. In Deutschland gibt es zwar Hunderttausende gemeinnütziger Vereine und Stiftungen, aber das vom DZI vergebene Spenden-Siegel tragen nur 253 Organisationen. 21 Initiativen wurden 2009 neu aufgenommen. Vier flogen von der Liste oder verzichteten von sich aus auf eine Aufnahme, wie Wilke erläutert. Und zwar die Organisationen Gemeinsam gegen Hunger, Jugend Dritte Welt, Missionsgemeinschaft des Apostel Paulus und der Kasseler Kinder- und Jugendzirkus Rambazotti.

Insgesamt warnt das DZI in seinem jährlich erscheinenden Spenden-Almanach vor rund einem Dutzend Organisationen, die entweder ihren Finanzbericht oder ihre Satzung nicht offenlegten oder ihre Gemeinnützigkeit nicht nachweisen konnten. Dazu zählen unter anderem die Cleft-Kinder-Hilfe Professor Hermann Sailer Stiftung GmbH, Hilfe Weltweit, das St. Josefs Indianer Hilfswerk.

Auf dem Index des DZI befinden sich auch drei Hilfsorganisationen, die unter dem Deckmantel humanitärer Ziele in Deutschland Spenden sammeln, mit dem Geld aber iranische Oppositionsgruppen unterstützen. Damit Spenden auch wirklich bei Hilfsbedürftigen ankommen, ist es wichtig zu wissen, was eine seriöse Organisation ausmacht.

Woran Sie seriöse Organisationen erkennen und wie Sie richtig spenden

Eine seriöse Spendenorganisation ist unter anderem am DZI-Spendensiegel oder an einer Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat zu erkennen. Dessen Mitglieder haben sich verpflichtet, Regeln wie standardisierte Rechnungsprüfung, eine sachliche Werbung und zweckgebundene Mittelverwendung einzuhalten. Allerdings können sich kleinere Organisationen eine Mitgliedschaft im Spendenrat oft nicht leisten.

Seriöse Hilfsorganisationen legen ihre Verwaltungskosten offen und verzichten auf aggressive und emotionale Werbung mit drastischen Bildern. Statt auf die Tränendrüse zu drücken, bauen seriöse Spendensammler außerdem keinen Zeitdruck auf.

Spenden Sie nicht aus aktuellem Anlass

Bei großen Katastrophen, etwa nach dem Tsunami vor vier Jahren, kommen in der Regel riesige Spendensummen zusammen. Oft mehr, als zunächst überhaupt sinnvoll auszugeben ist. Nach einer Weile reißt der Strom dann plötzlich ab, und viele Projekte, die auf Dauer angelegt sind, geraten in eine Finanzkrise. Sinnvoller ist daher, häufiger für Projekte zu spenden, die kontinuierlich gepflegt werden und abseits vom Medienrummel laufen.

Seien Sie skeptisch bei Barspenden

Vorsicht geboten ist grundsätzlich bei Bargeldspenden auf der Straße oder an der Haustüre. Wenn Sie trotzdem bar spenden wollen, lassen Sie sich einen Ausweis des Spendenwerbers zeigen und achten Sie darauf, dass die Spendendose verplombt ist. Sicherer ist es, die Spenden auf das Konto einer Hilfsorganisation zu überweisen. Diese geben mit dem Spendenkonto immer Stichworte wie «Hungerhilfe Äthiopien» an, damit das Geld dem richtigen Hilfsprojekt zugute kommt.

 

Überweisen Sie nicht auf Konten aus Emails

Überweisen Sie kein Geld auf Konten, deren Nummer Sie durch eine Email bekommen haben. Betrüger versenden oftmals Links zu gefälschten Seiten.

Vorsicht vor Trittbrettfahrern

Bekannte Namen sind kein Garant für Seriosität. Oftmals übernehmen Trittbrettfahrer Teile aus den Namen seriöser Organisationen. Nehmen Sie sich Zeit, um eine Organisation zu überprüfen und schauen Sie, ob sie das Spendensiegel hat oder wie www.charitywatch.de die Einrichtung einschätzt.

Verwaltung ist notwendig

Ausgaben für die Verwaltung einer Stiftung oder eines Vereins bewerten Spender meist negativ, weil dadurch nicht der gesamte Betrag dem Hilfszweck zugute kommt. Doch ganz auf Verwaltung können die Organisationen nicht verzichten. Entscheidend ist: Werden Projekte tatsächlich überwacht? Wenn das geschieht, was sehr sinnvoll ist, dann kostet das auch etwas. Als angemessen gilt ein Verwaltungsaufwand von bis zu 20 Prozent der Spenden.

 

Achten Sie auf regionale Wirtschaftskreisläufe

Ein weiterer Gesichtspunkt: Besonders hilfreich sind Projekte, bei denen möglichst viel Wertschöpfung vor Ort stattfindet. Wenn etwa bei Programmen zur Nahrungsmittelhilfe die Vorräte in der Zielregion gekauft werden - so kann der heimischen Landwirtschaft nicht geschadet werden.

 

Spenden Sie lieber wenigen Organisationen

Streuen Sie Ihr Geld nicht, sondern spenden Sie konzentriert größere Beträge an eine oder wenige Organisationen. So wird der Verwaltungsaufwand möglichst gering gehalten und die Spende kommt zum größten Teil am Ziel an. Zudem bekommen Sie in Zukunft nur wenige Spendenaufrufe. Geldspenden sind effektiver als Sachspenden, da sie von den Einrichtungen flexibler eingesetzt werden können.

Achten Sie auf steuerliche Absetzbarkeit

Bis zu einem Betrag von 200 Euro sind Spenden steuerlich absetzbar. Dann reichen dem Finanzamt Überweisungsbeleg und eine Bestätigung der Gemeinnützigkeit des Hilfswerks. Bei höheren Spenden sollte man sich eine Zuwendungsbescheinigung ausstellen lassen.

Alternative zur Spende: eine Fördermitgliedschaft

Eine Fördermitgliedschaft oder die Übernahme einer Patenschaft können Alternativen zu einer Einzelspende sein. Jedoch bedeutet dies für den Spender auch mehr Verantwortung und regelmäßige Geldüberweisungen. Unterschreiben sollte man einen derartigen Antrag nur, wenn ein Rücktrittsrecht von mindestens zwei Wochen eingeräumt wird. Ziehen Sie außerdem die Überweisung der Einzugsermächtigung vor.

reu/news.de

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