Öl kann man nicht trinken
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Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Artikel vom 12.12.2009
Die Golfstaaten verdienen am Öl - und gehören zu den größten Klimasündern der Welt. Dabei ist es für ein Umdenken höchste Zeit: In Arabien könnten die Folgen des Klimawandels besonders dramatisch sein.
Als arm gilt Saudi-Arabien eigentlich nicht gerade. Auf Platz 25 der reichsten Länder der Welt stuft der Internationale Währungsfonds das Königreich ein. Die Milliardeneinnahmen aus dem Ölverkauf garantieren den tausenden Prinzen und ihren Untertanen einen Lebensstandard, der deutlich über dem weltweiten Durchschnitt liegt. Und trotzdem zählt Saudi-Arabien offiziell noch immer zu den Entwicklungsländern. Denn eine eigene Industrie hat sich bisher nicht entwickelt, und auch, was Demokratie und Zivilgesellschaft angeht, gäbe es viel aufzuholen bei den Saudis.
Für die Regierung in Riad hat das Vorteile. Denn Entwicklungsländer müssen bisher ihre CO2-Emissionen nicht reduzieren. Und die Saudis blasen - gemessen an der Bevölkerungszahl - reichlich Kohlendioxid in die Luft, der Ausstoß liegt auf Platz 15 weltweit. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Germanwatch gehört das Land zu den größten Klimasündern - in ihrem Klimaschutzindex 2009 führen die Umweltschützer Saudi-Arabien als Schlusslicht, noch hinter den USA und Kanada.
Für eine Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes zeigen die Saudis wenig Interesse - weder daheim noch sonstwo auf der Welt. Das ist nicht erstaunlich: Saudi-Arabien verdient Milliarden am fossilen Energieträger Erdöl - 90 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus dem Ölverkauf. Die Quelle wird so bald nicht versiegen, unter dem Wüstensand des Königreiches liegen die größten Ölreserven der Welt.
Ein Klimaschutzabkommen aber, fürchten die Saudis, könnte ihnen das Geschäft verderben. Deswegen bremsen sie, wo sie nur können, meint Wael Hmaidan von der libanesischen Umweltgruppe Indyact. Die Organisation setzt sich für eine effektive Klimaschutzpolitik in Nahost ein und nimmt auch am Klimagipfel in Kopenhagen teil. «Zusammen mit anderen Ländern wie den USA oder Australien versucht Saudi-Arabien dort, jeden Fortschritt in den Verhandlungen zu verhindern», sagt Hmaidan.
Gingen ihre Öleinnahmen zurück, weil ein neues Klimaabkommen die Staaten zu einem weniger verschwenderischen Umgang mit Rohstoffen zwänge, dann müssten die Erdölexporteure dafür entschädigt werden, fordert Saudi-Arabien. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt Einbußen geben würde. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass auch bei einer Drosselung des weltweiten Ölverbrauchs die Einnahmen des Ölkartells Opec in den kommenden 20 Jahren gewaltig steigen werden.
Weite Landstriche könnten überschwemmt werden
Als sicher gilt dagegen, dass die Folgen eines ungebremsten Klimawandels in Arabien so drastisch ausfallen werden wie kaum irgendwo anders auf der Welt. Steigt der Meeresspiegel um einen Meter, könnten Flächen von der vierfachen Größe des Libanon überschwemmt werden, heißt es in einer Studie der Universität Boston. Allein im ägyptischen NildeltaIm etwa 24.000 Quadratkilometer großen Nildelta mündet der längste Fluss der Erde, der Nil, ins Mittelmeer. Von seiner charakteristischen Dreiecksform stammt der Name "Delta" für Flussmündungen ab. Das Nildelta ist bis heute die fruchtbarste Gegend Nordafrikas.
könnten 12 Prozent der fruchtbaren Agrarflächen in Gefahr sein, fürchten Experten. Extreme Wetterereignisse wie die heftigen Regenfälle und Überschwemmungen vor wenigen Wochen im saudi-arabischen Dschidda erwartet Umweltschützer Wael Hmaidan in Zukunft häufiger.
Die Erderwärmung könnte die Probleme einer ohnehin heißen und wasserarmen Region massiv verschärfen. Schon heute müssen die Länder im Nahen Osten und in Nordafrika einen erheblichen Teil ihrer Lebensmittel importieren. Das Arabische Forum für Umwelt und Entwicklung (AFED)schätzt, dass die Nahrungsmittelproduktion in den nächsten Jahrzehnten um die Hälfte zurückgehen könnte - bei steigenden Bevölkerungszahlen. Kurz vor dem Kopenhagener Gipfel hat das AFED die erste umfassende Studie zu den Folgen des Klimawandels für Arabien vorgestellt.
Dürren könnten dem Bericht zufolge regelmäßiger, Regenfälle seltener werden - mit fatalen Folgen für die Landwirtschaft. Anzeichen für die Veränderungen gibt es genug. Im Libanon etwa sind die Zedernbäume - das Wahrzeichen des Landes, das auch die Flagge schmückt - inzwischen vom Aussterben bedroht. Im LibanongebirgeDas Libanongebirge (arab.: Dschabal Lubnan) erstreckt sich über etwa 160 Kilometer parallel zur Mittelmeerküste. Es erstreckt sich bis auf eine Höhe von 3000 Metern, die Gipfel sind im Winter schneebedeckt. Früher war das Libanongebirge von Eichen-, Pinien- und Zedernwäldern bedeckt. Heute sind nur noch kleine Restbestände der Libanonzeder übrig, die auch die Staatsflagge schmückt. ist die Regenzeit zuletzt fast ausgefallen, ohne Regen, Schnee und Frost aber können die Bäume nicht überleben. Ohne das Wasser aus dem Gebirge könnte der Libanon, heute einer der fruchtbareren Landstriche der arabischen Welt, zur Wüste werden.
Weder Daten noch Pläne
Auf die kommenden Herausforderungen, so stellt der AFED-Bericht fest, seien die Länder der Region in keiner Weise vorbereitet. In der Deutschen Welle klagte Mohammed El-Rey, Professor an der Universität Alexandria, in seiner Heimat Ägypten sei niemand zuständig für das bedrohte Nildelta. Es gebe weder regelmäßige Untersuchungen noch kompetente Institutionen, keine Fachleute und keine Daten. Von Plänen, wie zu reagieren ist, ganz zu schweigen.
Dabei hat auch in Arabien das Umdenken längst begonnen. In einer Umfrage des Gallup-Instituts bekannten 93 Prozent der Befragten ihre Sorge, der Klimawandel bedrohe ihr Land. Aktivisten wie die libanesische Indyact-Gruppe machen lautstark auf sich aufmerksam. «Öl kann man nicht trinken» steht auf den Transparenten, die sie bei Veranstaltungen entrollen. Hier und da gibt es auch von staatlicher Seite erste Schritte. Das größte Aufsehen erregt wohl Madinat Masdar, «Quellenstadt», das Projekt einer CO2-neutralen Siedlung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bisher aber sind das Einzelfälle.
Die meisten Regierungen richten sich nach den Interessen Saudi Arabiens. Ein Vertreter des Sudan stellte sich unlängst hinter die saudischen Forderungen nach Ausgleichszahlungen für Ölexporteure - auch der Sudan verdient viel Geld mit Erdöl. Zugleich aber toben in Afrikas größtem Staat schon jetzt blutige Konflikte wie der in Darfur, die auch durch Dürren und knapper werdendes Weideland befeuert werden. In der Arabischen Liga dominieren ohnehin die reichen Herrscher von Riad mit ihren Positionen.
Umweltaktivist Wael Hmaidan glaubt dennoch, dass sich in Kopenhagen auch die Saudis letztlich werden bewegen müssen. Der Druck der anderen Nationen werde zwangsläufig zu Kompromissen führen, meint er. «Keiner wird auf Saudi-Arabien warten.»
hav/news.de/dpa
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Wenn 93 % der Befragten Sorge haben, der Klimawandel bedrohe das Land, dann beeindruckt dies die Klimakatastrophe nicht. Einstimmigkeit ist zu fordern, sonst bleibt die Katastrophe aus. Nur wenn 100% der Menschen jeden Tag beschließen, wirds Nacht und dann wieder Tag. Ein demokratischer Triumph ohne gleichen. Eine herrliche Idee auch, dass wir die Entwicklung der Saudis finanzieren. Das macht sich gut, in einem der reichsten Länder der Welt. Schön auch das Bild vom Steigen des Meeresspiegels. Was doch Politik so alles vermag, wenn die Saudis nicht willig sind, dann werden sie überschwemmt.
jetzt antwortenKommentar meldenIch stimme den Zeilen von SonyaFan zu und ich denke dass das Geld nie dort ankommen wird wo es gebraucht wird. Man sollte dieses Geld nicht den Regierungen geben sondern direkte Hilfe vor Ort leisten, z.B. Brunnen bauen damit die dort unten die Landwirtschaft aufbauen können damit sie sich selbst ernähren können.
jetzt antwortenKommentar meldenSie können doch schreiben was sie wollen.Diese Ölmultis scheren sich doch einen Teufel um den Klimawandel.Die möchten nur solange sie leben gut leben und was danach kommt interessiert die nicht.Nun hat die EU den ärmeren Ländern 7,30 Milliarden versprochen die gar nicht mal da ankommen wo sie sollen sondern bei irgendwelchen korrupten Politikern.Und dafür haben sie die EU-Bürger ausgepresst wie Zitronen und es ist noch kein Ende in Sicht.Müssten die Bürger nochmals abstimmen für eine EU ich glaube dass sie nie mehr zustanden kommen würde.Eine sehr schlechte Gesellschaft die EU.
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