Krankenkassen vor Vier-Milliarden-Defizit
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Den gesetzlichen Krankenkassen fehlen im kommenden Jahr voraussichtlich vier Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kam der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung. Millionen gesetzlich Versicherte müssen nun mit Zusatzbeiträgen rechnen.
Einnahmen von 171,1 Milliarden Euro stünden Ausgaben von 174,3 Milliarden Euro gegenüber. Zu dieser Lücke von 3,2 Milliarden Euro kommt noch ein Betrag von 800 Millionen Euro, mit dem die Kassen eine Liquiditätsreserve aufbauen müssen.
Zunächst hatte das Gremium Anfang Oktober ein Defizit von rund 7,5 Milliarden Euro prognostiziert. Die Bundesregierung will aber den Zuschuss aus Steuermitteln über bisherige Zusagen hinaus um 3,9 Milliarden auf 15,7 Milliarden Euro steigern. Außerdem besserten sich seither die konjunkturellen Aussichten.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) betonte in der Berliner Zeitung, die geplante Gesundheitsreform ziele auch auf die Kosten ab. «Niemand im System, ob Ärzte, Apotheker, Pharmahersteller, Krankenhäuser oder Krankenkassen bekommt einen Freibrief.» Zur Reform gehöre auch die Ausgabenseite. «Die Beitragsgelder müssen effizient verwendet werden.»
Im Schätzerkreis sind Fachleute des Rösler-Ressorts, vom Bundesversicherungsamt und vom GKV-Spitzenverband versammelt. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass Zusatzbeiträge oberhalb von acht Euro in der Regel vermieden werden könnten. Will eine Kasse in finanzieller Notlage mehr verlangen, muss sie eine Einkommensprüfung der Mitglieder vornehmen. Die Extraprämie darf ein Prozent des Einkommens nicht überschreiten.
Die Arzneimittelhersteller wandten sich gegen Forderungen nach einem drastischen Sparkurs in diesem Sektor. In den ersten drei Quartalen habe es einen Anstieg der Arzneimittelausgaben von 5,2 Prozent gegeben, sagte Cornelia Yzer, Geschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen vfa. «Bis zum Jahresende dürfte sich dieser Anstieg wegen Einsparungen durch Rabattverträge verringern.» Mehr Verhandlungen zwischen Kassen und Arzneiherstellern sehe die Branche aber positiv.
mac/news.de/dpa
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