«Hast du unterschrieben?»
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Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Artikel vom 09.12.2009
Bei Venezuelas Armen ist Staatschef Chávez beliebt. Wer aber gegen den Präsidenten ist, bekommt Probleme. News.de-Infografikerin Claudette Ocando Röhricht hat erlebt, wie sich ihre südamerikanischen Heimat verändert.
Der letzte Eindruck war noch einmal einprägsam. Claudette Ocando Röhricht saß schon im Flugzeug, nach drei Wochen Familienbesuch in Venezuela. Jeden Augenblick würden die Türen geschlossen werden, bereit zum Start nach Deutschland - da kamen die Soldaten an Bord. Der Offizier baute sich vor Ocando Röhricht auf: «Mitkommen!»
Es gebe Probleme mit ihrem Gepäck, erklärte er draußen auf dem Rollfeld. Dort lag ihre Tasche, und die wurde nun einer gründlichen Prüfung unterzogen. Die Männer rissen alles heraus: Bücher, «Dulce de Leche», venezolanische Süßigkeiten, und die Packungen mit Maismehl, die Ocando Röhricht mitnehmen wollte ins ferne Deutschland, um sich dort hin und wieder heimisches Essen kochen zu können. Die Verpackungen wurden aufgerissen, Kleider, Bücher und Lebensmittel auf einen Tisch geworfen. Dann drehte sich der Soldat wieder zu Ocando Röhricht: «Alles wieder einpacken, aber schnell, sonst fliegt das Flugzeug ohne Sie!»
Die Aktion hatte nur einen Zweck, meint die 28-Jährige. «Die wollten mich ärgern.» Solche Schikanen seien die Strafe dafür, dass sie ins Ausland gezogen ist anstatt dem Vaterland die Treue zu halten. Seit vier Jahren lebt Claudette Ocando Röhricht in Deutschland, sie arbeitet als Infografikerin und ist mit einem Deutschen verheiratet. Immer wieder plagt sie die Sehnsucht nach Venezuela, nach ihrer Heimatstadt Maracaibo. Die Richtung aber, in die sich das Land entwickelt, macht ihr Sorgen. «Ich vermisse Venezuela wie es war», sagt Ocando Röhricht. Was sie sieht, wenn sie heute nach Hause reist, gefällt ihr nicht.
Da ist der allgegenwärtige Präsident, Hugo Chávez, dessen Konterfei niemand entkommt. Auf der Straße grinst er von Plakaten, in einer eigenen Sendung im Fernsehen und im Radio, Alo Presidente, hält er Ansprachen ans Volk. «Für Alo Presidente werden alle Programme unterbrochen», meint Ocando Röhricht. «Und wenn es die Wahl zur Miss Venezuela ist.» Der Schönheitswettbewerb ist sonst so etwas wie ein nationales Heiligtum.
Bei den Armen ist Chávez beliebt. Er hat Sozialprogramme aufgelegt, es gibt Alphabetisierungskurse und ein kostenloses öffentliches Gesundheitssystem. Allerdings, erzählt Ocando Röhricht, verspreche der Präsident den Menschen mehr, als er dann halten könne. Die Leute im Dorf ihrer Mutter bekamen Kühlschränke geschenkt - das sei es dann aber auch gewesen mit den Wohltaten des bolivarischen Sozialismus, wie Chávez sein Programm nennt.
In letzter Zeit sinken die Umfragewerte des Präsidenten. Die Wirtschaft hat große Probleme, die Inflation macht das Leben teuer. Venezuela hängt am Tropf des Erdöls - dessen Preis ging mit der weltweiten Wirtschaftskrise zurück, und mit ihm das Bruttosozialprodukt. In der venezolanischen Mittelschicht, der auch Ocando Röhrichts Familie angehört, waren die meisten von Anfang an skeptisch gegenüber Chávez' Wirtschaftspolitik. Die setzt auf die Verstaatlichung der wichtigsten Wirtschaftszweige.
Von den Bürgern wird Wohlverhalten erwartet
2002 wollte sich der Präsident die Macht über den Ölhandel sichern und tauschte die Führungsriege der staatlichen Ölgesellschaft Petróleos des Venezuela (PDVSA) aus. Auch viele Verwandte Ocando Röhrichts arbeiteten für das Unternehmen. Wie zahlreiche andere Angestellte traten sie gegen Chávez in den Streik. Der Präsident aber griff hart durch, zehntausende PDVSA-Mitarbeiter wurden entlassen. «Meine Familie bekommt keine Jobs mehr», sagt Ocando Röhricht. Ein Onkel, der als Logistiker in der Erdölbranche arbeitete, versucht seitdem mit dem Verkauf von Büchern und Käse über die Runden zu kommen.
Wer sich offen gegen Chávez stellt, bekommt Probleme. Bei Demonstrationen der Opposition, berichtet Ocando Röhricht, stünden die «Chávistas», die Anhänger des Präsidenten am Straßenrand und klopften sich drohend mit der Faust in die Handfläche. Die venezolanische Gesellschaft ist gespalten, das politische Klima vergiftet. Die Menschen wie die Medien hätten ausschließlich extreme Positionen, meint Ocando Röhricht - absolut für Chávez oder total dagegen.
Die Führung des Landes erwartet von ihren Bürgern Wohlverhalten. Das heißt: Bei Wahlen und Referenden ist für Chávez zu stimmen. «Hast du unterschrieben», dieser Satz dient in Venezuela als Chiffre dafür, ob jemand den Präsidenten unterstützt. Als Claudette Ocando Röhricht bei der Gouverneurswahl in ihrem Bundesstaat das letzte Mal wählen ging, bekam sie vom Wahlhelfer anschließend einen Zettel in die Hand gedrückt, auf der ihre Registrierungsnummer vermerkt war - und auch, für wen sie gestimmt hatte. Wahlgeheimnis? Wohl nicht in Venezuela.
Ocando Röhrichts Mutter bekommt gerade zu spüren, was es heißt, sich zu verweigern. Die Uniprofessorin sollte einen Verwaltungsjob in Chávez' Partei übernehmen, sie lehnte ab. Als es dann Zeit wurde, in Ruhestand zu gehen, verweigerte das zuständige Amt ihr die Genehmigung. Mittlerweile ist sie 67 Jahre alt - in Rente gehen darf sie noch immer nicht. Von den Beamten hört sie immer nur den gleichen Satz: «Probieren Sie es nächstes Jahr wieder.»
san/news.de
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Genau so isses. Immerhin. Nach Guantanamo het er noch keine Presse-Mitarbeiter geschickt. Tja und die ZUsammenarbeit mit dem Iran, wegen des Öls, wirkt sich störemd auf westliche Ölfirmen aus. Dieser Mann sorgt sich halt für die Einwohner seines Landes und nicht um das Wohlergehen ausländischer Ölfirmen.
jetzt antwortenKommentar meldenChavez ist ein sebstverliebter Egozentriker, aber wie bei Hitler keine traut es sich gegen ihm, denn sie lebe alle von ihm. Guillermo www.provenezuela.de
jetzt antwortenKommentar meldenVon den Bürgern wird Wohlverhalten erwartet? Wer sich offen gegen Chávez stellt, bekommt Probleme? Das kommt mir sehr bekannt vor! Nur mitanderen Vorzeichen: Wer sich für Deutschland (nicht BRD)einsetzt bekommt Probleme! Wer gegen die radikale wirtschaftliche Globalisierung eintritt bekommt Probleme! Wer gegen die überbordende, ungeordnete Einwanderung bekommt Probleme! Wer Islamist ist bekommt Probleme! Wer Antiislamist ist bekommt Probleme! Bei Israel ja nicht anstreifen! Tausendfach bekommt man hierzulande Probleme wenn man nicht ins Schema BRD passt! Was ist dort so anders?
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