Ein deutscher Berg
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Brocken
Artikel vom 03.12.2009
Der Brocken galt viele Jahre als höchster Berg der Welt – weil keiner hoch kam. Vor genau 20 Jahren änderte sich das. Als Bürger der DDR die Mauer auch hier oben zu Fall brachten. Zu Hunderten stürmten sie das Plateau.
Auf dem Brocken kommt es auf das Wetter an. Auf 1142 Metern Höhe herrscht Hochgebirgsklima. Da kann es recht stürmisch sein. Vor 20 Jahren stürmte jedoch nicht der Wind, sondern stürmten hunderte Menschen das Plateau. Es war bis dahin gesperrt. Eine hohe Mauer, genau wie sie Berlin in Ost und West teilte, sperrte den Brocken.
«Der Berg ist ein Deutscher», schrieb Heinrich Heine, als er den höchsten Gipfel Norddeutschlands 1824 besuchte. Als Symbol der Teilung Deutschlands war er seit 1961 unpassierbar, 1981 haben die DDR-Oberen eine Mauer bauen lassen. Am 3. Dezember 1989 rüttelten Hunderte Menschen am Tor und öffneten den Brocken wieder für die Allgemeinheit. Sie stürmten um 12.45 Uhr das Plateau und feierten. Das Wetter: herrlich. Sonnenschein, weite Sicht und kein Wind.
Heute, 20 Jahre später, Windgeschwindigkeit 100 Kilometer pro Stunde, Eisregen. Das hält jedoch niemanden davon ab, bei der großen Gedenkfeier dabei zu sein. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) haben eine Tafel eingeweiht, die an die friedliche Brockenöffnung erinnert. Genau an jener Stelle, wo vor 20 Jahren noch das Eisentor stand.
Lieberknecht und Daehre sind heute nicht zum ersten Mal auf dem Berg. «Ich bin bereits 1954 als Schüler hoch gewandert», sagt Daehre zu news.de. Das sei damals wie heute Pflicht gewesen. Lieberknecht, sie ist auch Vorsitzende des Thüringer Wanderverbands, ist erst nach 1989 auf dem Gipfel gewesen. Wann genau, weiß sie nicht mehr. «Aber ich bin an der Steinernen Renne entlang gewandert», sagt sie auf news.de-Nachfrage. Sie wanderte damals zusammen mit Mitgliedern des Harzclubs.
Jemand, der genau weiß, wann er auf dem Brocken war, ist Benno Schmidt aus Wernigerode. Er ist besser bekannt unter dem Namen Brocken-Benno. Heute war er seit 1989 zum 5850. Mal auf dem Brocken. Immer zu Fuß. «Es ist ein Segen, dass es die Grenze nicht mehr gibt», sagt er. Zusammen mit seiner Frau Helga hält er ein Plakat in der Hand. «20 Jahre freier Brocken und freie Bürger», steht darauf geschrieben.
Der Brocken hat «etwas deutsch-ruhiges» schrieb Heinrich Heine. Von oben herab könne gelassen auf die Dinge da unten geschaut werden. So sieht es auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Und die vielen Hundert Gäste sind in Feierlaune und singen Wanderlieder zu Blasmusik.
«Der Brocken ist wieder frei». So steht es auf dem Gedenkstein. So rufen es die Menschen.
mac/news.de
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