Kein Bus nach nirgendwo
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Jessen
Artikel vom 03.12.2009
Das Leben auf dem Lande wird immer schwieriger. Sonderbusse sollen in einer dünn besiedelten Region Abhilfe schaffen. Ein schweres Unterfangen.
Zugegeben, die Voraussetzungen waren nicht die besten. In der Region um die Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt haben drei Sonderbusse ihren Betrieb aufgenommen. Sie sollen zweimal in der Woche besonders ältere Menschen vom Dorf in die Stadt bringen. Zum Einkaufen, Gang über den Friedhof oder gemeinsamen Plausch im Café. Nach zwei Stunden fahren sie wieder zurück. Deswegen heißen die Busse Einkaufsbusse.
Zugegeben, eine gute Idee, wenn da nicht die Voraussetzungen wären. In Grabo, einem kleinen Dorf zwei Kilometer entfernt von Jessen, gibt es eine Bushaltestelle. Sie besteht aus roten Klinkersteinen und Fachwerkholz. Jugendliche haben mit einem schwarzen Stift «Hallo Ihr da? Was geht ab?» auf die Steine geschrieben. Dort steht auch, wer wen liebt und «Liebe ist … wenn sich beide lieben» und so weiter.
Was nirgendwo steht, ist die Ankündigung, dass es ab sofort diesen Einkaufsbus gibt. Kein Hinweis auf dem Fahrplan, kein Extraschild. Nichts. Kaum zu glauben. Hat doch das Verkehrministerium in Sachsen-Anhalt die Buslinie als Modellprojekt groß der Öffentlichkeit vorgestellt. 50.000 Euro will der zuständige Minister Karl-Heinz Daehre (CDU) jährlich für drei neue Buslinien ausgeben. Sie sollen die ältere Landbevölkerung in den kommenden zwei Jahren mobiler machen und etwas Hoffnung geben.
Doch die Voraussetzungen sind einfach zu schlecht. Es ist kalt, es regnet ohne Unterlass. Eigentlich werden nicht einmal Hunde vor die Tür geschickt. Trotzdem wagt sich eine Frau mit ihrem hellbraunen Dackel kurz vor die Tür und geht Gassi. Zum Einkaufen in die zwei Kilometer entfernte Stadt möchte mit dem Bus niemand fahren. Die Haltestelle bleibt leer. Ein Bus fährt in eine andere Richtung. Auch für diese Reise findet sich kein Fahrgast.
Immer dienstags und freitags sollen die zusätzlichen Busse in die Stadt fahren. Dann ist Markttag. Die Busse halten in 39 Gemeinden und Ortsteilen rund um Jessen. Die Region gehört mit 46 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den bevölkerungsärmsten in Deutschland. Verkehrsminister Daehre möchte mit dem Busprojekt auf die Herausforderungen der demographischen Entwicklung reagieren. Und wenn es gut läuft, soll es ausgeweitet werden, erklärt er im news.de-Gespräch. In Sachsen-Anhalt ist an derartigen Regionen kein Mangel.
Wie gesagt, die Voraussetzungen sind schlecht. Jetzt fährt ein älteres Ehepaar mit dem Auto an der Bushaltestelle vorbei in Richtung Jessen. Die Einwohner von Grabo haben sich auf ihre Situation bereits eingestellt. Sie haben nicht auf das Pilotprojekt gewartet, sondern sich mit Nachbarn verständigt oder Autos gekauft, um in die Stadt zu kommen. Kurz nach 9 Uhr soll der Sonderbus abfahren. Noch immer ist kein Fahrgast für Linie 2 eingetroffen.
Zur selben Zeit kommt Linie 1 in Jessen an. Minister Daehre erwartet die Senioren, die der Bus in 13 Gemeinden eingesammelt hat. Es sind nicht viele, drei um genau zu sein, aber für ein Foto zusammen mit dem Bürgermeister Dietmar Brettschneider reicht es. Einer der ersten Mitfahrer ist Peter Boy. Bei Nieselregen und völlig alleine hat der 62-Jährige in seinem Heimatort Seyda auf den neuen Einkaufsbus gewartet. «In Seyda gibt es fast keine Läden mehr. Und in Jessen ist vieles billiger», sagt Boy. Doch eigentlich bräuchte er die besondere Fahrgelegenheit gar nicht. «Normalerweise fahre ich mit dem Fahrrad», sagt er.
Von der geringen Resonanz blieb Minister Daehre unbeeindruckt. Rückschlüsse darauf, wie viele Bewohner das Angebot zukünftig nutzen werden, ließ die Jungfernfahrt nicht zu. Eine Prognose zur zukünftigen Auslastung wollte denn auch der Chef des beauftragten Busunternehmens, Wolf-Dietrich Vetter, nicht wagen. «Man muss sehen, wie sich das entwickelt», sagt er. In dem Einkaufsbus sehe er allerdings eine attraktive Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot, denn jetzige Linien seien auf den Schulbusverkehr zugeschnitten.
Unterdessen hätte der Bus längst in Grabo sein müssen. Aber er kommt nicht. Keine guten Voraussetzungen.
hav/news.de/ddp
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Regionen in Sachsen-Anhalt sind derart ausgedünnt, dass Einkaufsbusse fahren müssen. Ein Gespräch mit Verkehrsminister mehr ...
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Diser kommentar ist zu Blöd(Aufschlagen ) um ihn zu Beachten .
jetzt antwortenKommentar meldenZu was brauchen Leute, die auf dem Land billig wohnen, auch noch Busse und Bahnen, um sich abzulenken. Der ÖPNV ist nicht nur für Arme, Asoziale und Azubis da, wie mir neulich ein Herr von der Gummibahn (Bahnbus) erklärte. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, wenn diese Nachfragegesamt die Bahnkunden ausmacht, dann ist es mir klar, warum Bahn- und Busfahren so gefährlich geworden ist. Keiner mehr kann sicher sein. Die Preise müssen daher mindestens auf das Kostenniveau eines gehobenen öffentl. Verkehrs angehoben werden, d.h. mind. verdoppelt. Was nichts kostet, taugt nichts.
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