Angela Merkel und das Klimaregime
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Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner
Artikel vom 27.11.2009
Wird Kopenhagen scheitern oder werden sich die Vereinten Nationen auf verbindliche Klimaziele einigen können?
Allgemeiner Tonus ist, dass die Konferenz in Kopenhagen scheitern könnte. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Dirk Messner: Man hatte ja nach der ApecAsiatisch-Pazifische Wirtschaftliche Zusammenarbeit, -Konferenz vor 14 Tagen den Eindruck, dass der Gipfel in Kopenhagen überhaupt keine Möglichkeit mehr bieten wird. In Reaktion auf diese Konferenz gibt es aber interessante Bewegungen. Der amerikanische Präsident hat Zahlen auf den Tisch gelegt, die nicht ausreichend sind, aber immerhin ein Anfang. Länder wie Indonesien und Brasilien zeigen an, dass sie bereit sind, substanzielle Beiträge zur Treibhausgasreduktion zu leisten. Also, jetzt scheint wieder Dynamik in das Spiel zu kommen. Ich hoffe, dass wir die wesentlichen Eckpunkte eines Abkommens in Kopenhagen noch schaffen.
Sie beraten die Bundesregierung und das Kanzleramt in Sachen Klimaschutz. Wie gehen Sie dabei vor?
Messner: Wir vom WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen haben ein Konzept entwickelt, von dem wir glauben, dass es eine Art Kompass darstellen könnte und einen Rahmen für die Entwicklung eines globalen Klimaregimes. Wir haben dieses Konzept mit den Regierungsträgern, dem Kanzleramt, dem Umweltministerium und dem Entwicklungsministerium diskutiert. Auch außerhalb der Bundesrepublik versuchten wir, es attraktiv zu machen und auf internationaler Ebene zu verankern. Wir tauschen uns beispielsweise mit den Klimaberatern Chinas, Indiens und aus den USA aus.
Ist es schwierig, Regierungsvertretern so ein Konzept schmackhaft zu machen? Wie gehen Sie vor? Sie berücksichtigen ja nicht unbedingt die Wirtschafts- und Industrieinteressen in einem Land.
Messner: Wissenschaftler sollten zunächst versuchen, Fakten herauszuarbeiten, auf Grundlage der Fakten das Problem so gut wie möglich zu beschreiben, und dann nach Lösungen Ausschau halten. Und dann gibt es in der Regel nicht einen besten Weg, sondern es gibt unterschiedliche Varianten. Der Begriff «Kassensturz» kommt in unserem Gutachten vor und wirft die Frage auf: «Wo stehen wir jetzt? Wo stehen die einzelnen Länder? Wo stehen wir weltweit aufgrund der Klimaproblematik?» Dann gilt es Lösungen anzubieten, die das Problem lösen und umsetzbar sind.
Stehen Sie in Konkurrenz zu anderen Klimaberatern?
Messner: Ich würde das nicht als Konkurrenzverhältnis beschreiben, im Gegenteil. Das Problem mit dem Klimawandel ist sehr schwierig. Deswegen ist es sehr gut, dass viele Wissenschaftlerteams darüber nachdenken. Wir im WBGU sind über jeden anderen Vorschlag dankbar. Denn wir müssen auch sehen, dass wir unter sehr großem Zeitdruck ein unglaublich kompliziertes Weltproblem lösen. Ein Wettbewerb um die besten Ideen hilft uns weiter.
Welche Rolle sollte Deutschland in Kopenhagen spielen?
Messner: Deutschland hat angeboten 30 Prozent der Emissionen bis 2020 zu reduzieren, 40 Prozent, wenn andere Länder mitmachen. Wir würden den Bundesregierung empfehlen, die 40 Prozent anzubieten, selbst wenn die anderen Länder nicht mitmachen. Damit würde ein Zeichen gesetzt, dass wir rausmüssen aus diesem Klein-Klein-Geschacher. Wir brauchen Pioniere, die vorangehen. Von Deutschland und auch von Europa würden wir uns wünschen, dass hier hochgesteckte Ziele definiert werden.
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