Ernstfall für die Klimadiplomatie
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Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner
Artikel vom 20.11.2009
Der Countdown zur Klimakonferenz in Kopenhagen läuft. Sie soll eines der größten Treffen der Vereinten Nationen werden, der Druck auf die Staaten, eine Lösung in der Klimapolitik zu finden, ist groß. Allein eine Einigung auf gemeinsame Ziele scheint nicht in Sicht.
Die 100 Eisskulpturen vor dem Tempel der Erde in Peking sind längst geschmolzen. Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace hatten sie vor einigen Monaten dort aufgestellt, um die letzten 100 Tage vor Kopenhagen einzuläuten. Die schmelzenden Skulpturen sollten auf die Folgen der Klimaerwärmung - beispielsweise die schwindenden Gletscher und den drohenden Kampf um das Trinkwasser - aufmerksam machen.
Ob derartige Aktionen nutzen, ist fraglich. Denn trotz dahinschreitender Tage und zäher Diskussionen und Gipfel im Vorfeld sieht es momentan nicht so aus, als könnten sich die Verhandlungspartner einigen. In Kopenhagen soll eine Nachfolge-Vereinbarung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verabschiedet werden.
Streitpunkte sind vor allem die Lastenverteilung und das Geld. Anders als bei der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls sollen diesmal auch Schwellenländer wie China und Indien oder Entwicklungsländer verbindliche Zugeständnisse zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen machen. China und Indien fordern jedoch eine Vorleistung der Industrieländer. Sie sollen ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 um 25 bis 40 Prozent senken. Die Entwicklungsländer sehen sich als Opfer der Emissionen und wollen Milliardenhilfen, um Deichbau oder die Sicherung ihrer Ernährung finanzieren zu können.
Die EU indes hat zwar finanzielle Hilfen zugesagt, äußert sich aber wenig zu Details. Unklar ist beispielsweise, ob es sich um zusätzliche Mittel handeln soll oder ob diese aus Entwicklungshilfefonds einfach umgeleitet werden.
Eine Schlüsselrolle sollen die USA spielen. Doch Präsident Barack Obama muss seine Klimaschutzziele erst in den eigenen Reihen durchsetzen. Laut Greenpeace haben die USA bislang weder ein verbindliches Ziel zur Reduktion ihrer Treibhausgase vorgelegt, noch Zusagen zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern gegeben.
Umweltschutzorganisationen und Klimaexperten fordern indes nachdrücklich, Kopenhagen nicht scheitern zu lassen. Der Gründer des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung Hans-Joachim Schnellnhuber bezeichnete Kopenhagen als «Ernstfall für die Klimadiplomatie». Das Mindeste, was in Kopenhagen auf den Weg gebracht werden müsste, sei ein politischer Konsens über die Zwei-Grad-Erwärmungs-Leitplanke, sagte er jüngst der Frankfurter Rundschau.
Damit folgt er der wissenschaftlichen Theorie, dass die globale Mitteltemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau steigen sollte, sollen die Folgen des Klimawandels beherrschbar bleiben.
Greenpeace-Klimaschutzexpertin Anika Peters sagt dazu: «Der Klimawandel hat gravierende Folgen für jedes einzelne Land dieser Erde. Er bedroht das Überleben von Millionen von Menschen sowie die Existenz unzähliger Tiere, Pflanzen und Ökosysteme.» Kopenhagen dürfe nicht zum Symbol für das Scheitern der Staats- und Regierungschefs an der größten Herausforderung des 21. Jahrhunderts werden.
jan/san/reu/news.de
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