Afrika Das blutige Erbe der Kolonialherren

Eine kongolesische Frau auf der Flucht (Foto)
Eine kongolesische Frau auf der Flucht Bild: dpa

Von Eva Krafczyk
Vor einem halben Jahrhundert sind viele afrikanische Länder in die Unabhängigkeit entlassen worden, doch die Folgen der Kolonialzeit wirken bis heute: Auf dem Kontinent gibt es noch immer Rassismus, Bürgerkriege und Völkermord.

Auch 40 bis 50 Jahre nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten hat die Aufteilung des Kontinents unter den Kolonialmächten Narben hinterlassen. Es ist nicht allein die wirtschaftliche Ausbeutung der reichen Ressourcen vieler afrikanischer Länder, auch die Ursachen für die blutigen Konflikte der jüngsten afrikanischen Geschichte stehen oft im Zusammenhang mit der willkürlichen Aufteilung ohne Berücksichtigung ethnischer Grenzen und einer Kolonialpolitik nach dem Motto «Teile und herrsche».

Das dramatischste Beispiel ist der Völkermord an rund 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu 1994 in Ruanda. Lange hatten beide Gruppen recht harmonisch zusammengelebt. Zwar galten die Tutsi vor allem als Viehzüchter und die Hutu als Bauern, doch die Grenzen verliefen fließend - bis die belgische Kolonialverwaltung in dem einst zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Kleinstaat Ausweispapiere mit einer «rassischen» Differenzierung einführten. Während Völkerkundler heute eher davon ausgehen, dass Hutu und Tutsi sich ethnisch nicht wesentlich unterscheiden, hatten die wechselnden Kolonialmächte die Hutu als «primitives Bantuvolk eingeordnet, die Tutsi hingegen als «aristokratische Kaste», die ursprünglich aus Ägypten eingewandert sei. Die Bevorzugung der Tutsi-Minderheit führte nach der Unabhängigkeit zur Verfolgung durch die Hutu-Mehrheit, bis hin zum Völkermord.

Auch in Uganda glaubten die britischen Kolonialherren, entscheidende Unterschiede zwischen den großen ethnischen Gruppen der Baganda im Süden und der Acholi im Norden ausgemacht zu haben. Es waren die als «intelligenter» geltenden Baganda, die in Missionsschulen Lesen und Schreiben lernen konnten, die in der Kolonialverwaltung Posten erhielten und nach der Unabhängigkeit diejenigen waren, die die besten Voraussetzungen für gute Posten in der ugandischen Regierung hatten. Die Acholi hingegen, die als «Kriegervolk» höchstens im britischen Militär zum Einsatz kamen, sahen sich auch im unabhängigen Uganda politisch und wirtschaftlich benachteiligt. Auch im jahrelangen Bürgerkrieg, der überwiegend im Norden stattfand, wurde die ethnische Karte gespielt.

Diplomaten aus Frankreich und England wird noch immer Arroganz unterstellt

Im Sudan, dem größten afrikanischen Land, leben im Norden arabischstämmige Muslime, die historisch und kulturell mehr mit ihren ägyptischen Nachbarn gemeinsam haben als mit ihren schwarzafrikanischen Landsleuten im Süden oder im Westen. Jahrhundertelang hatten arabische Sklavenhändler Schwarzafrikaner geknechtet und versklavt. Auch nach der Unabhängigkeit in den 1960er Jahren blieb der arabisch geprägte Norden privilegiert, dort konzentrierten sich zum Beispiel Universitäten und gute Schulen. Der folgende 20-jährige Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd, aber auch der Darfurkonflikt haben Wurzeln in dieser historischen Benachteiligung und Ausbeutung der schwarzafrikanischen Bevölkerung.

Das Verhältnis vieler Afrikaner zu den einstigen Kolonialmächten ist noch immer gespalten. Einem britischen Hochkommissar in Ostafrika oder einem französischen Botschafter in Westafrika wird schnell koloniale Arroganz unterstellt, wenn sie Kritik an ihren Gastländern üben. Diplomaten anderer Staaten haben es da wesentlich einfacher. Gleichzeitig gibt es nicht zuletzt wegen der Beziehungen zur afrikanischen Diaspora in Frankreich, Belgien oder Großbritannien ein Gefühl größerer Nähe.

Vor allem die Generation der jungen, gut ausgebildeten Afrikaner will nicht mehr alle Probleme des Kontinents den einstigen Kolonialherren anlasten. Die Enkel der Freiheitskämpfer und Staatsgründer kritisiert immer lauter die weit verbreitete Vetternwirtschaft und Korruption einer politischen Klasse, die vor allem die eigenen Taschen füllen will. «Es ist ein Skandal, dass an unserem Eisenbahnnetz nicht mehr gebaut wurde, seit die Briten gegangen sind», meint etwa der junge kenianische Ingenieur Kenneth Wambui. «Vieles ist heute schlechter als zu Beginn der Unabhängigkeit. Das kann man nicht mehr dem Kolonialismus anlasten.»

twa/mac/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • tomahawk
  • Kommentar 6
  • 05.01.2010 17:08

Wer Schuld an der Niesere Afrikas ist, darüber mag man sich dtreiten, sicherlich der Sklavenhadel auch. Der Neo-Kolonialismuss aber hat schon lange begonnen. Die Saudis Sheikh kauft ManCity und Robinho. Saudischer Milliardär kauft Anteil an HSBC. Nur drei der Schlagzeilen, die Investitionen des golf-arabischen Ölgelds im Westen gemacht haben. Sudan). Nun züchten die Fische in Afrika und holzen die letzten Wälder ab. Ebenso ein internationaler Lebensmittel KOnzern große Gebiete werden mit Mais bebaut, die armen Bauern enteignet. Der Wasserpiel sink. Die Menschen, Rechtlos, verdurstm

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  • Mine
  • Kommentar 5
  • 17.11.2009 22:30
Antwort auf Kommentar 1

Das ist nicht die Kirche sondern ihre Vertreter siehe Papst Vebietet die Verhütung weil er keine Ahnung hat was er da Anrichtet viele Kinder nichts zu Essen und immer mehr Hv kranke er müsste mal vor Ort sein und dort Leben und nicht nur Reden .

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  • Longus
  • Kommentar 4
  • 17.11.2009 17:53

Wieder einmal fehlt euch beiden das historische Grundwissen, sonst würdet ihr nicht so einen Blösinn schreiben. Nochmal den Leitkommentar gründlich lesen, anstatt hier loszuplärren.

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