Das erste Bier im Westen
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Berlin
Artikel vom 09.11.2009
Kanzlerin Angela Merkel hat zusammen mit Michail Gorbatschow 20 Jahre nach der Grenzöffnung die Bösebrücke an der Bornholmer Straße in Berlin überquert. Tausende kamen nun an den historischen Ort und erinnerten sich an den Mauerfall. News.de war am Treffpunkt der Deutschen.
Der Ausblick hat sich geändert. Über die Jahre. Das gelbe Haus steht keine 300 Meter von der Bösebrücke in Berlin entfernt. Jener Ort, an dem vor genau 20 Jahren der erste Schlagbaum nach oben ging – und nicht nur Tausende frei über die Grenze gingen, sondern ein ganzes System zum Einsturz gebracht wurde. Seit 20 Jahren blicken Ursel Hanisch und Jörg Koltermann auf eine freie Brücke. Sie wohnen im gelben Haus. Bis zum 9. November 1989 blickten sie auf die Grenze. Ihr Ausblick hat sich geändert.
Nun sind es die Erinnerungen, die den Jubiläumstag beherrschen. An den Ausblick von damals und den von heute. Aber vor allem sind es die Erinnerungen an das Erlebnis, was den Blick so verändern ließ. Die Nacht der Nächte vor 20 Jahren. Heute sind Tausende dabei, als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ehemalige Sowjet-Chef Michail Gorbatschow noch einmal den Weg über die Brücke gehen. Von Ost nach West und dann wieder zurück. Schlagbäume gibt es nicht mehr. Auch keine Wachtürme. Nur eine Straßenbahn, Linie 50, die auf der Brücke fährt und S-Bahnlinien unter der Brücke. Linie 1 nach Wannsee in den Westen, Linie 9 nach Schönefeld in den Osten.
Die Brücke ist zu einem Symbol der Freiheit geworden. Und zu einem Treffpunkt. Jedes Jahr am 9. November versammeln sich Menschen, die dabei waren, wie sie es sagen. Eine von ihnen ist Sybille Kesten. Die 50-Jährige hat vor 20 Jahren nur drei Querstraßen entfernt vom Grenzübergang gewohnt. Zusammen mit Mann und Kind. Heute hat sie sich extra Urlaub genommen, um nach Berlin zu fahren und beim Jubiläum dabei zu sein. Sie wohnt nicht mehr in der Hauptstadt, kommt aber einmal im Jahr zur Brücke. Zu einem Treffen, dann knallen die Rotkäppchen-Sekt-Korken.
«Es war wie Silvester, ich hörte Böllerschüsse», sagt sie und erinnert sich an 1989. Sie habe schon im Bett gelegen vor 20 Jahren. Sybille Kesten zog sich rasch an und ging zum Grenzübergang. 22.30 Uhr war sie da - ohne Ausweis. Keine halbe Stunde später stand sie bereits auf der Brücke. Einige hundert Menschen waren schon da. Aber Sybille Kersten überquerte die Grenze nicht, sondern drehte wieder um. «Mein Mann sollte das auch sehen, einer musste ja auf unseren Sohn aufpassen», sagt sie. Keiner wusste, ob es ein zurück gab. Nun gib es eines. Mit einer blauen Tasche mit DDR-Emblem über der Schulter läuft sie über die Brücke - und wieder zurück.
So machen es auch Ursel Hanisch und Jörg Koltermann, die beiden aus dem gelben Haus. Wie vor 20 Jahren. Da gehörten sie 21 Uhr zu den ersten, die am Grenztürchen standen. Der Schlagbaum war noch zu, das Türchen offen. «Wir sind rüber, als der Schlagbaum aufging», sagt Jörg Koltermann. Rüber zur Grünländer Straße. Da stand ein kleiner Kiosk, den gibt es heute noch. «Weiße Bude» heißt der und es gibt Bier. «Da haben wir unser ersten Westbier getrunken», sagt Ursel Hanisch. Sie glaubt, sie habe mit DDR-Mark bezahlt. Kurs: eins zu eins. In der Nacht wäre alles egal gewesen.
Heute spricht auch Angela Merkel vom schönsten Tag der Deutschen, Joachim Gauck, der ehemalige Chef der Behörde für Stasiaufarbeitung, erinnert an das, was «hier Weltgeschichtliches passiert ist». Und Liedermacher Wolf Biermann erzählt von seiner Ausbürgerung im November 1976. Die Brücke sieht während der Reden ein wenig so aus wie vor 20 Jahren. Tausende Menschen. Glückliche Gesichter. Polizei. Die haben jedoch andere Uniformen an als damals und sorgen für Ordnung. Auf dem Brückengeländer darf niemand hocken. Das findet nicht jeder nett.
Aber das bringt Geschichte mit sich. Weil die Polizei vor 20 Jahren nicht mehr für Ordnung gesorgt hat, kann sie es heute machen. Am Ort der Freiheit und Begegnung - auf der Bösebrücke in Berlin.
san/news.de
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Kopf hoch! Wir sind ein Volk. Wir können stolz sein, es hat uns gelungen etwas einzigartiges in der Welt zu schaffen. Es war unsere soziale Marktwirtschaft die dazu geführt hat, dass unsere Brüdern und Schwestern in Osten, aber auch die andere Völker unsere soziale Demokratie als Vorbild gesehen haben.Kopf hoch.Gott segne uns.
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