Mo., 13.02.12

Afghanischer Präsident Karzai will «Regierung der nationalen Mitwirkung»

Artikel vom 03.11.2009

Nach seiner amtlich bestätigten Wiederwahl plädiert der afghanische Präsident Hamid Karzai für eine «Regierung der nationalen Mitwirkung». Ihr sollten Persönlichkeiten aus allen Teilen des Landes angehören, sagte er vor Journalisten in Kabul.

«Alle, die mit mir zusammenarbeiten wollen, sind willkommen - ganz gleich ob sie bei der Wahl gegen mich gestimmt oder mich unterstützt haben», betonte der Präsident. Seinen bisherigen Herausforderer Abdullah Abdullah erwähnte er allerdings mit keinem Wort.

Abdullah zog sich am Sonntag aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurück mit der Begründung, dass er wie schon in der ersten Abstimmungsrunde am 20. August eine Wiederholung von Wahlbetrug erwarte. Die Stichwahl wurde daraufhin abgesagt, und Karzai wurde von der Wahlkommission zum Sieger erklärt. Er wolle nun mit allen politischen Kräften zusammenarbeiten, auch mit kooperationswilligen Taliban, erklärte der Präsident. Dabei werde sein Land aber weiter auf internationale Hilfe angewiesen sein.

Als eine der dringlichsten Aufgaben der neuen Regierung gilt die Bekämpfung der Korruption. Karzai räumte auf seiner Pressekonferenz ein, dass Afghanistan sich hier «einen schlechten Namen gemacht» habe. Er versprach, das Problem in der kommenden Legislaturperiode gezielt anzugehen, «um diesen Schmutzfleck von unserer Kleidung zu entfernen». Einzelheiten seiner geplanten politischen Maßnahmen nannte er allerdings nicht. Beobachter betonten, dass Karzai schon mehrfach eine Ausmerzung der Korruption versprochen habe, ohne dass Taten gefolgt seien.

Taliban verbuchen Wahlabsage als Erfolg

Karzai gehört dem afghanischen Mehrheitsvolk der Paschtunen an, das vor allem den Süden des Landes prägt. Abdullah hingegen wird als Sohn eines paschtunischen Vaters und einer tadschikischen Mutter vor allem von den Minderheiten in Nordafghanistan unterstützt. Der frühere Außenminister hat eine Zusammenarbeit mit Karzai bislang abgelehnt und erklärt, er wolle in der Opposition für Reformen und für nationale Einheit arbeiten.

Die Taliban verbuchten die Absage der Stichwahl als Erfolg ihrer Einschüchterungskampagne. «Unsere tapferen Mudschahedin haben es geschafft, den gesamten Prozess zu stören», hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung der radikalen Islamisten.

jan/news.de/ap
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