Bürgermeisterwahl «König von New York» kurz vor dritter Amtszeit

Er verdient in dem Job nur einen Dollar pro Jahr - hat inzwischen aber rund 100 Millionen Dollar dafür ausgegeben, sich das Amt auf weitere vier Jahre zu sichern: Für New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg spielt Geld keine Rolle. Und die Stadt liebt ihn.

Michael Bloomberg im Gespräch mit der Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey. (Foto)
Michael Bloomberg im Gespräch mit der Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey. Bild: ap

Mit einem Vermögen von rund 16 Milliarden Dollar (11 Milliarden Euro) ist der 67-jährige Finanzmogul Michael Bloomberg der reichste Mann der Stadt. Und er setzt alles daran, bei der heutigen Bürgermeisterwahl auch nach acht Jahren Amtszeit das Sagen zu behalten.

Die Chancen dafür stehen gut. Den jüngsten Umfragen zufolge liegt der unabhängige «Selfmade-Politiker» mit 53 zu 38 Prozent vor seinem demokratischen Herausforderer William Thompson - und das in der demokratischen Hochburg New York. Der bedächtige und ruhige Thompson (56), langjähriger Rechnungsprüfer der Stadt, hat es gegen den eloquenten Bloomberg nicht geschafft, sein Pfund als Sohn einer karibischen Einwandererfamilie auszuspielen und sich als «Mann der kleinen Leute» zu profilieren.

11. September: Schrecken, Trauer, Wiederaufbau

Dabei hat Bloomberg trotz seiner Popularität mit einem erheblichen Makel zu kämpfen. Nachdem er im vergangenen Jahr auf eine Kandidatur für das US-Präsidentenamt verzichtet hatte, meldete er überraschend seinen Anspruch auf eine dritte Runde an der Stadtspitze an und warf damit kurzerhand das Gesetz über den Haufen. «Ein Versuch, die Demokratie auszuhebeln», schäumte Thompson damals. Und die Bürgerrechtsorganisation Public Interest Research Group sprach gar von einer «Bananenrepublik».

Denn die Stadtgesetze verbieten eine dritte Amtszeit. Die Bürger hatten die Beschränkung erst 1993 mit einem Volksentscheid eingeführt und 1996 nochmals bekräftigt. Milliardär Bloomberg argumentierte, angesichts der Wirtschaftskrise seien Erfahrung und Kontinuität gefragt: «Mein ganzes Leben hat mich auf diese Herausforderung vorbereitet.» Nach hitzigen Debatten gab der Stadtrat mit 29 zu 22 Stimmen denkbar knapp grünes Licht.

Bloomberg macht das unberechnbare New York berechenbar

Bei vielen Wählern blieb ein fader Nachgeschmack, auch wenn Bloombergs Verdienste um New York unbestreitbar sind. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schaffte er es als Nachfolger des legendären Law-and-Order-Mannes Rudolph Giuliani, der Stadt neuen Lebensmut zu vermitteln. Bis zum Beginn der Wirtschaftskrise entstanden fast eine Viertelmillion neue Arbeitsplätze, eine strikte Finanzpolitik verhinderte danach den großen Kollaps.

Daneben packte Bloomberg die Reform des verrotteten Schulsystems an, setzte auf Umwelt- und Gesundheitsschutz, sozialen Wohnungsbau und Kriminalitätsbekämpfung - New York gehört inzwischen zu den sichersten Städten der USA. «Wir unterstützen die Wiederwahl von Bürgermeister Bloomberg voller Enthusiasmus», gab die mächtige New York Times kürzlich als ihre offizielle Empfehlung aus. «Er hat in seinen acht Jahren Amtszeit das unberechenbare New York erstaunlich gut geführt.»

Für viele New Yorker verkörpert «King Mike» das eigene Lebensgefühl. Als Sohn einer einfachen jüdischen Familie geboren, baute er nach seinem Rauswurf bei einer Investmentbank mit der Abfindung seinen eigenen milliardenschweren Finanzdatenkonzern Bloomberg auf. Mit seinem Vermögen im Rücken arbeitet er als Bürgermeister für den symbolischen Lohn von einem Dollar.

Für seine erste Wahl 2001 war der langjährige Demokrat aus taktischen Gründen zu den Republikanern gewechselt und erhielt aus dem Stand 50,3 Prozent. Bei seiner Wiederwahl 2005 fuhr er mit 59 Prozent ein Rekordergebnis ein, 2007 kehrte er auch den Republikanern der Rücken. Für die drei Wahlkämpfe zusammen wird er am Schluss etwa 250 Millionen Dollar ausgegeben haben, rechnete die New York Times vor - mehr als der letzte Harry-Potter-Film kostete. Sein Konkurrent, der gerade mal sechs Millionen Dollar Spenden zusammenkratzen konnte, führt seine Kampagne unter dem Motto: «New York ist nicht käuflich.»

Ein dritter «Kandidat» macht derweil einen Wahlkampf ganz anderer Art: Zwei New Yorker Künstler haben eine Satire-Kampagne für Monty Burns gestartet, den bitterbösen Kapitalisten aus der TV-Serie Die Simpsons. Unter dem Slogan «No third terms - vote for Burns» ziehen sie gegen die dritte Amtszeit zu Felde. «Wir machen uns lustig über eine Wahl, die an sich schon ein Witz ist», sagt Mitinitiator Kenny Komer.

jan/hav/news.de/dpa

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