Verhältnis Frankreich – Deutschland Gute Nachbarschaft garantiert

Merkel und Sarkozy (Foto)
Mögen sich: Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Deutschlands Partner, Teil 1 der news.de-Serie: Das gute Arbeitsverhältnis zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wird sich unter Schwarz-Gelb fortsetzen. Guido Westerwelle wird nur die zweite politische Reihe bleiben. Chefin bleibt die Kanzlerin.

Angela Merkel hatte am vergangenen Mittwoch gerade ihren Amtseid gesprochen und schon war sie auf dem Weg zu guten Freunden. Am ersten Tag ihrer zweiten Amtszeit reiste sie nach Frankreich zu ihrem Amtskollegen Nicolas Sarkozy. Die Begrüßung fiel ausgesprochen herzlich aus: Küsschen rechts, Küsschen links. Auch Sarkozys Gratulationsbrief an die neue, alte Kanzlerin hatte er handschriftlich mit «Dein Freund» unterschrieben. Das gehört mittlerweile zum guten Ton. Als Merkel vor vier Jahren Bundeskanzlerin wurde, reiste sie als erstes nach Frankreich, damals traf sie noch Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac. Sarkozy revanchierte sich nach seiner Wahl 2007 und kam direkt nach Deutschland.

Zwar pflegen beide Staatschefs einen recht unterschiedlichen Politikstil, «aber auf einer gemeinsamen Arbeitsebene haben sie zueinander gefunden», sagt Henrik Uterwedde, stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg.

Guido Westerwelle
18 unterm Schuh - das war einmal

Unter diesen Voraussetzungen kann eigentlich auch unter Schwarz-Gelb zwischen den beiden Länder nicht viel schief gehen. «Bei jeder neuen deutschen Regierung wird in Frankreich geschaut, ob sie Kontinuität versprechen wird. Der neue Außenminister Westerwelle wird beäugt und es ist ein sehr wichtiges Zeichen, dass er heute nach Paris fährt», sagte Uterwedde im Gespräch mit news.de. Schließlich sei Westerwelle in Frankreich noch ein unbeschriebenes Blatt.

Doch mit Angela Merkel als bekannter und berechenbarer Partnerin sollte in Frankreich die Sorge vor einem Politikwechsel nicht besonders groß sein. Dennoch gebe es, so Uterwedde, beim deutschen Nachbarn immer eine Urangst, dass sich Deutschland selbst genügen und «von der deutsch-französischen Achse verabschieden könnte». Diese wurde durch den Elysée-VertragDer Elysée-Vertrag wurde am 22.Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Elysée-Palast unterzeichnet. Er beinhaltet drei zentrale Punkte: symbolisch die deutsch-französische Aussöhnung zu besiegeln, zwischen beiden Ländern eine wahre Freundschaft zu begründen und somit ein vereinigtes Europas zu fördern. geprägt, der die Versöhnung zwischen den beiden Gesellschaften nach dem Zweiten Weltkrieg besiegelte.

Franzosen brauchen keine Angst zu haben

Die Angst der Franzosen, die die Medien immer wieder schüren, ist jedoch völlig unbegründet. «Westerwelle wird in der Außenpolitik keine eigene Partitur spielen können. Chefin bleibt Angela Merkel», so Uterwedde.

Die Beziehung der beiden Länder baut vor allem auf Gemeinsamkeiten auf. In Sachen Lissabon-Vertrag ziehen Paris und Berlin an einem Strang und auch international treten beide Länder immer wieder mit einer gemeinsamen Linie auf. Bestes Beispiel: der Schulterschluss von Merkel und Sarkozy vor dem Weltfinanzgipfel im April. «Wenn es darauf ankommt, raufen sich Frankreich und Deutschland zusammen und agieren gemeinsam», sagt Uterwedde.

Kabinett
Merkels neue Truppe in Bildern

Auch die Personalie Werner Hoyer (FDP) im Auswärtigen Amt ist ein positives Signal in Richtung Paris. Experte Uterwedde: «Mit Staatssekretär Hoyer hat man einen erfahrenen Mann berufen, der schon aus der Kohl-Kinkel-Ära bekannt ist. Das ist ein Zeichen für Kontinuität.»

Zudem hat Merkel nach der Wahl angekündigt, die deutsch-französischen Beziehungen noch weiter zu vertiefen. «Wir haben in unserer Arbeit für die Koalition für die nächsten vier Jahre Projekte wie Bildung, Forschung und wirtschaftliches Wachstum ganz nach vorne gesetzt. Und genau das können Deutschland und Frankreich gemeinsam noch intensiver besprechen, als wir das bisher getan haben», hatte Merkel während des Treffens mit Sarkozy in Paris angekündigt.

Damit stößt Merkel in Frankreich auf offene Ohren. Der französische Staatsminister für europäische Angelegenheiten, Pierre Lellouche, der zugleich Sarkozys Sonderbeauftragter für die deutsch-französischen Beziehungen ist, versprach, nach der Bundestagswahl eine neue «deutsch-französischen Agenda» vorzulegen.

jan/reu/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sönke Paulsen
  • Kommentar 2
  • 21.08.2011 11:33

Sarkozy das Kanninchen und Merkel der Karpfen haben sich in der europäischen Schuldenkrise zum Spitzen-Duo gemausert. Was zuvor Routine war, wird auf einmal ernst. Le Monde spricht sogar von Heirat. Was jetzt zwischen diesen ungleichen Politikern ausgehandelt wird, ist nichts anderes als der Beginn der vereinigten Staaten von Europa. Ein europäische Wirtschaftsregierung ist nach der Währungsunion und der europäischen Verfassung der erste substantielle Schritt in diese Richtung. Wie es auch ausgehen mag. Historisch ist es in jedem Falle. A bonne chance!

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  • Charmaine18Beard
  • Kommentar 1
  • 30.04.2010 17:35

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