Luftangriff bei Kunduz Nato-Bericht liegt vor

Knapp zwei Monate nach dem Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan liegt jetzt der Nato-Bericht darüber vor. Die Bundeswehr findet darin jedoch keine Hinweise darauf, dass es bei dem Zwischenfall Unregelmäßigkeiten gab.

Afghanische Sicherheitsmitarbeiter bewachen einen der ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus. (Foto)
Afghanische Sicherheitsmitarbeiter bewachen einen der ausgebrannten Tanklastzüge in Kundus. Bild: ap

In dem Bericht werden die Umstände des Angriffs vom 4. September beleuchtet. Er war von einem deutschen Oberst angefordert worden. Die Unterlagen trafen etwa zeitgleich mit der Verabschiedung von Franz Josef Jung (CDU) aus dem Amt des Verteidigungsministers am Mittwochabend in Berlin ein.

Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sagte unter Berufung auf den Bericht, dass die genaue Opferzahl bei dem Angriff nicht mehr genau zu ermitteln sei. Laut verschiedener Quellen gab es zwischen 17 und 142 Tote. In dem Bericht heiße es zudem, dass es zwischen 30 bis 40 getötete und verletzte Zivilisten gegeben haben könnte. Schneiderhan meinte dazu: «Das bestätigt nicht, dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden.»

Afghanistan: Diskussion um Luftangriff

Der Generalinspekteur betonte, er habe nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf - sie ist unter dem Dach der Nato - keinen Grund daran zu zweifeln, dass Oberst Klein und die deutschen Soldaten militärisch angemessen gehandelt hätten. Klein hatte am 4. September US-Kampfflugzeuge angewiesen, bei Kundus zwei von Taliban gekaperte und in einem Flussbett nahe des Bundeswehrfeldlagers steckengebliebene Tanklastwagen zu bombardieren.

Schneiderhan sagte, der Vorfall dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In den vergangenen Monaten habe es zahlreiche Angriffe auf die Isaf im Verantwortungsbereich von Klein in Nordafghanistan gegeben. Bis Ende August seien in diesem Jahr sechs Lastwagen und Tanklaster zu Anschlägen missbraucht worden, die zu hohen Verlusten geführt hätten. Seit Juli habe es Hinweise gegeben, dass ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant gewesen seien.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sprach sich nach dem Nato-Bericht unterdessen für eine ehrliche Bewertung des Afghanistan-Einsatzes deutscher Soldaten aus. So müsse die Lage in der Region Kundus als Krieg bezeichnet werden.

Er sagte im ARD-Morgenmagazin zur juristischen Lage: «Im Moment haben wir ja unser Rechtssystem in Afghanistan zugrunde gelegt. Anders wäre es, wenn wir völkerrechtlich anerkennen würden, dass es sich hier um einen nicht internationalen Konflikt handelt. Dann würden wir dem Kriegsvölkerrecht unterliegen. Dann hätten wir eine andere Lage.»

Dies würde bedeuten, dass in Afghanistan Kriegszustand herrschte, sagte Kirsch. «Es gibt Regionen in Afghanistan, da gibt es gar keine Aufständischen. Da ist auch kein Krieg. Aber in Kundus, da wo wir jeden Tag Kampf und Gefechte erleben, wo Tod und Verwundung dazugehört, wo unsere Kameraden töten müssen - da ist Krieg.»

jan/hav/news.de/dpa

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • cuvo
  • Kommentar 4
  • 29.10.2009 18:07

Im Jahr 2000 war Afghanistan ein Land, in das keine der größeren Hilfsorganisationen noch ausländische Helfer entsendete, weil zu viele davon, in allen Landesteilen, ermordet oder entführt worden waren. Die Taliban wurden vom pakistanischen Geheimdienst gefördert, weil die in Koranschulen und Taliban ein effektives Rekrutierungs- und Ausbildungswerkzeug sahen für Partisanen, die man in Gegenden schicken konnte, die derzeit zu Indien gehören aber auch von Pakistan beansprucht werden. Die Taliban waren dabei das Land zu erobern - mit allen ihren mittelalterlichen Methoden. Wer sollte das ändern?

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  • Manfred Richard
  • Kommentar 3
  • 29.10.2009 16:57

Schonwieder haben von Deutschdum gewählte Amtseid geschworen und gleichzeitig gelogen.Unter ihnen finden wir wieder Leute die fachlich und geistig nichts draufhaben, wo das Endet kann man sich schon ausrechnen.Probleme werden nicht geklärt sondern vor schher geschoben zB.Was wird mit Gefangene Piraten vor Somalia. In Sachen Bomben auf steckengebliebenen Tankwagen hat es doch gleich funktioniert ohne auszukundschaften ob Zivilisten Opfer werde.Das ist Ammitypisch,erst alles zerschlagen und dann sicher aus den Löcher kriechen.Ich kriege das Kotzen wenn ich den Begiff :Wiederaubau-oder Hilfe lese

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  • tomahawk
  • Kommentar 2
  • 29.10.2009 13:11
Antwort auf Kommentar 1

Ser Skandal besteht eher eher darin, das die deutschen Truppen überhaupt da sind. Die haben dort nichts zu suchen. Garnichts.

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