Peter Ramsauer «Ramses», der Selbstsichere

Die neuen Minister, Teil 4 der news.de-Serie: In Peter Ramsauer ├╝bernimmt ein gelernter M├╝llermeister das Verkehrsministerium. Doch der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag trat noch nicht als Verkehrsexperte in Erscheinung - eher als Polterer zum Wohle seiner Partei.

In Zukunft ganz oben statt in der zweiten Reihe: M├╝llersohn und CSU-Urgestein Peter Ramsauer. Bild: dpa

Im Koalitionsausschuss war «Ramses», wie der Oberbayer von Parteifreunden gerne genannt wird, in die wichtigen Entscheidungen der Gro├čen Koalition eingebunden. Dem Ausschuss wird er in Zukunft nicht mehr angeh├Âren, daf├╝r nun jeden Mittwoch am Kabinettstisch Platz nehmen.

Verwurzelt ist Ramsauer aber in Traunwalchen im Berchtesgadener Land ganz im S├╝den der Republik, am ├Ąu├čersten Rand Bayerns. Dort ist er Inhaber der seit 1553 im Familienbesitz befindlichen Talm├╝hle. Eine Herkunft und Bodenst├Ąndigkeit, die ihn f├╝r die Berliner Politikb├╝hne mit besonderem Selbstvertrauen ausgestattet zu haben scheint.

Dennoch umweht ihn ein Hauch von Hollywood, denn Ramsauer ist mit der Cousine von Schauspielerin Sandra Bullock verheiratet. Deren Mutter ist ebenso wie Ramsauers Frau Susanne eine geborene Meyer. Die Familie stammt aus N├╝rnberg, wo Bullock aufwuchs und weshalb sie noch heute Deutsch mit fr├Ąnkischem Akzent spricht.

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Trotz seiner erst 55 Lenze darf f├╝r den Vater von vier T├Âchtern das Pr├Ądikat «CSU-Urgestein» getrost vergeben werden. Denn der M├╝llersbursch absolviert die gesamte Ochsentour, die eine politische Laufbahn in der CSU bereith├Ąlt: Als 15-J├Ąhriger gr├╝ndet er in Opposition zu seinem «linken» Sozialkunde-Lehrer die Gruppe «Schwarzer Peter», die zur Keimzelle f├╝r die sp├Ąter bayernweite Sch├╝ler-Union wird.

Der ├ärger mit dem «Wickel-Volontariat»

Es folgen jede Menge ├ämter und Posten in der Jungen Union, im Kreistag und sp├Ąter in der Mittelstandsunion sowie im Bundestag, in dem er seit nun 19 Jahren sitzt. Stets holt Ramsauer das Direktmandat in seinem Wahlkreis Traunstein - Berchtesgadener Land. Im Bundestag macht er sich einen Namen als Fachmann in der Wirtschafts- und Entwicklungspolitik und besch├Ąftigt sich mit Fragen der Energiewirtschaft.

Im eigenen Betrieb setzt der «Schwarze Peter» zwar auf Wasserkraft, in Berlin aber wettert er gegen den rot-gr├╝nen Atomausstieg. Sein Lieblingsfeind sind die Gr├╝nen, gegen die er immer wieder agitiert und sich damit den Ruf eines «Wadlbei├čers» erwirbt.

Manche seiner Wortkaskaden gehen aber auch daneben. F├╝r seinen Spruch vom «Wickel-Volontariat», mit der er das Elterngeld f├╝r V├Ąter aufs Korn nimmt, bekommt er prompt ├ärger mit seiner Frau und verzichtet auf Wiederholungen. Hervorragend kommt dagegen in bayerischen Bierzelten an, wenn Ramsauer die gl├╝cklose CSU-Rebellin Gabriele Pauli als «Gottesanbeterin, die ihre Partner nach der Paarung auffrisst» bezeichnet oder vor «toxischen Leihstimmen» der FDP warnt.

Schlie├člich avanciert «Ramses» zum Parlamentarischen Gesch├Ąftsf├╝hrer der CSU-Fraktion. Nach dem Patt bei der Bundestagswahl 2005 l├Âst er Michael Glos als Landesgruppenchef ab - den zweiten M├╝llersohn der Fraktion, den Merkel zum Wirtschaftsminister macht.

Gro├če Aufgaben f├╝r den gro├čen M├╝llersohn

Flei├č und Leistung lebt Ramsauer vor: Nach Internat und Abitur studiert er Wirtschaftswissenschaften, legt nebenher die Meisterpr├╝fung im M├╝llerhandwerk ab und setzt noch eine Promotion obendrauf. Thema: «Wirtschaftliche Ziele und Effekte der Gebietsreform in Bayern», Note: «sehr gut».

Mit seinem langj├Ąhrigen politischen Weggef├Ąhrten Horst Seehofer verbindet Ramsauer ein gespanntes Verh├Ąltnis. Nach dem Desaster der CSU bei der Landtagswahl 2008 schl├Ągt Ramsauer Seehofer zwar als Nachfolger von Erwin Huber als Parteichef vor. Doch umgekehrt l├Ąsst ihn Seehofer lange zappeln, bis er Ramsauer zum Spitzenkandidaten f├╝r die Bundestagswahl 2009 benennt. Nach dem Glos-R├╝cktritt im Februar ist «Ramses» eigentlich Seehofers erste Wahl als neuer Wirtschaftsminister. Aber der gelernte Betriebswirt lehnt ab.

Doch diesmal wagt Ramsauer den Wechsel ins Kabinett. Als Minister f├╝r Verkehr, Bauen und Wohnen der neuen schwarz-gelben Regierung hat er mit dem geplanten B├Ârsengang der Bahn und dem Ausbau von Infrastrukturprojekten in Zeiten von Rezession und Rekordverschuldung wahre Herkulesaufgaben vor sich. Aber der gro├č gewachsene M├╝llersohn hat solche nie gescheut.


Bereits erschienen:

Norbert R├Âttgen: Muttis Kl├╝gster

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die Unbeugsame

Rainer Br├╝derle: Der Geduldige

Wolfgang Sch├Ąuble: Der Unverzichtbare

tno/news.de

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