Muttis Klügster
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Von news.de-Redakteur Torben Waleczek
Artikel vom 28.10.2009
Die neuen Minister, Teil 3 der news.de-Serie: Norbert Röttgen gehört zum engsten Umfeld der Kanzlerin, wurde vor der Wahl für höchste Ämter gehandelt. Jetzt bekommt der CDU-Mann das Umweltressort. Was sagt das über Röttgens Verhältnis zu Angela Merkel?
Kanzleramtsminister, Innenminister, Fraktionschef der Union - kaum ein anderer CDU-Politiker war im Vorfeld der Wahl für derartig viele Spitzenposten im Gespräch wie Norbert Röttgen. Als Kanzlerinnenvertrauter zählt er zur «Boygroup» von Angela Merkel - neben Ronald Pofalla, Eckart von Klaeden, Peter Hintze und Peter Altmaier. Es ist dies jener Kreis enger Mitstreiter, von dem Merkel absolute Loyalität erwartet. Unter diesen gilt der promovierte Jurist Röttgen als «Muttis Klügster».
Nun wird Röttgen Umweltminister, zweifellos ein wichtiges Amt. Trotzdem erkennen manche Beobachter darin ein Zeichen, dass die Kanzlerin ihrem Schützling doch nicht so recht vertraut. Von den Schaltstellen in Fraktion und Kanzleramt ist Röttgen im Umweltministerium jedenfalls weit entfernt.
Im März hatte Röttgen mit einer kleinen Rebellion für heftigen Krach in der Union gesorgt. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion organisierte er damals den Widerstand der CDU-Abgeordneten gegen ein Reformkonzept für die Arbeitsvermittlung. Verfasst hatten das Papier der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) und Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) - im Auftrag der Kanzlerin. Röttgens Vorstoß nötigte Merkel dann jedoch dazu, zusammen mit der Fraktion gegen die eigene Reform zu stimmen. Eine peinliche Angelegenheit für die CDU-Vorsitzende, die von der Fraktion sonst Gefolgschaft gewohnt ist.
Dass Röttgen nun trotzdem Minister wird, mag mit seinem politischen Durchhaltewillen zusammenhängen. Im Jahr 2006 hatte er das Angebot, einen hoch dotierten Posten als Hauptgeschäftsführer beim Industrieverband BDI zu übernehmen. Dafür jedoch hätte er sein Bundestagsmandat aufgeben müssen, zu groß war die öffentliche Erregung über Röttgens Wunsch, beide Ämter gleichzeitig zu bekleiden. Am Ende entschied er sich gegen die Lobbyarbeit und für die Politik. Allein dieses Opfer schien eine Beförderung bei nächster Gelegenheit nötig zu machen.
Als Umweltminister muss Röttgen sich nun schnell in ein neues Themenfeld einarbeiten. Mit Ökonomie kennt er sich bislang besser aus als mit Ökologie. Doch schon im Dezember vertritt er Deutschland bei der Klimakonferenz in Kopenhagen. Wenn er sich in dem Amt ordentlich schlägt, könnte Röttgen überdies das Verhältnis zu den Grünen entkrampfen, auch auf Bundesebene. Zuzutrauen wäre ihm das: In den 1990er Jahren gehörte Röttgen zur so genannten Pizza-Connection - eine Gruppe junger Politiker von CDU und Grünen, die schon damals nach möglichen Schnittmengen suchten.
Bereits erschienen:
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die Unbeugsame
Rainer Brüderle: Der Geduldige
che/news.de
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