Ermittlungen gegen Spitzel Kurras Todesschütze im Auftrag der DDR?

Karl-Heinz Kurras (Foto)
Hat Karl-Heinz Kurras 1967 Benno Ohnesorg im Auftrag der DDR erschossen? Neue Ermittlungen sollen diese Frage klären. Bild: dpa

Gegen den Todesschützen im Fall Benno Ohnesorg, den früheren Westberliner Polizisten und Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras, wird erneut ermittelt. Die Frage: Hat Kurras Ohnesorg im Auftrag der DDR erschossen? Stasi-Akten sollen Aufschluss geben.

Der heute 81-jährige pensionierte Kriminalbeamte Kurras hatte den Studenten Ohnesorg während einer Demonstration am 2. Juli 1967 gegen den persischen Schah erschossen. Der Todesschuss gilt als Initialzündung für die Radikalisierung der Studentenbewegung. Erst Ende Mai 2009 wurde mehr als 40 Jahre nach den Schüssen bekannt, dass sich Kurras bereits 1955 gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR verpflichtet hatte, die West-Berliner Polizei auszuspähen. Er war auch Mitglied der SED.

Die 17 Bände Stasi-Akten über Kurras wurden per Zufall bei internen Forschungen gefunden. Die Bundesanwaltschaft hatte nach dem Bekanntwerden des Falles einen Teil der Akten gesperrt, um zu prüfen, ob Kurras den Studenten Ohnesorg möglicherweise sogar im Auftrag des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit erschossen haben könnte. Dafür gibt es bisher keine Anhaltspunkte, hieß es.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte, es werde derzeit geprüft, ob Kurras noch bis Ende November 1989 Staatsgeheimnisse aus der Bundesrepublik an die DDR verraten habe. In Berlin prüfe die Generalstaatsanwaltschaft nach mehreren privaten Anzeigen, ob die Verfahren gegen Kurras wieder aufgerollt werden müssen, sagte zudem eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist die Verjährungsfrist für Landesverrat von 20 Jahren noch nicht überschritten, wenn Kurras eine so lange Tätigkeit für die Stasi nachgewiesen werden könne. Kurras sei in Berlin bereits zu den Vorwürfen vernommen worden. Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Spionagetätigkeit des heute 81-Jährigen nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 endete. Laut Focus stützen sich die Ermittler nun auf einen bislang gesperrten Teil von Kurras' Stasi-Akten.

Kurras war zweimal Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre von der Anklage der fahrlässigen Tötung mangels Beweisen freigesprochen worden. «Jetzt prüfen wir sehr sorgfältig, ob die neuen Umstände der damals nicht bekannten Stasi-Spitzeltätigkeit von Herrn Kurras eine Wiederaufnahme rechtfertigen würden», sagte die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth.

Unter «ganz ganz engen Voraussetzungen» sei eine Wiederaufnahme möglich. Diese Prüfung sei aber sehr umfangreich, so dass sie mit Ergebnissen nicht mehr in diesem Jahr rechne, so Herbeth.Am 13. November muss sich der pensionierte Kriminalbeamte vor dem Amtsgericht Tiergarten zudem wegen illegalen Waffenbesitzes verantworten. In seiner Wohnung waren im Juni ein Revolver und ein so genannter Totschläger beschlagnahmt worden.

kat/heh/news.de/dpa

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