Der Geduldige
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Von news.de-Redakteur Torben Waleczek
Artikel vom 27.10.2009
Die neuen Minister, Teil 2 der news.de-Serie: Nach langen Jahren des Wartens wird Rainer Brüderle Wirtschaftsminister. Manche zweifeln, ob der FDP-Mann das Zeug dazu hat. Zumal Brüderle den beliebtesten deutschen Politiker aus dem Amt drängen musste.
Im September 2005 erschien im Spiegel ein Porträt über Rainer Brüderle unter dem bösen Titel «Mister Mittelmaß». Brüderle sei ein «Dampfplauderer», hieß es da über den potenziellen FDP-Wirtschaftsminister, den sie in der Partei «Mister Mittelstand» nennen. Einer, der Weinköniginnen küsst und sich im Milieu der kleinen Handwerksbetriebe gut auskennt - für den die Bundespolitik aber eine Nummer zu groß ist.
Auch vier Jahre später waren nun wieder Stimmen zu hören, die dem Minister im ewigen Wartestand das Amt partout nicht zutrauen wollten. Der Umgang mit Dax-Konzernen und Großkapital sei Brüderles Sache nicht, hieß es dann, diese Welt sei ihm fremd. Nun hat er es doch noch geschafft. Elf Jahre nach seinem Wechsel in die Bundespolitik ist er da angekommen, wo er so lange hin wollte: Im Bundeswirtschaftsministerium.
1998 hatte er dieses Ressort schon angestrebt, dann 2002 und 2005. In der Zwischenzeit wurde Brüderle wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied im entsprechenden Fachausschuss. Pünktlich zur schwersten Wirtschaftskrise, die die Republik je erlebt hat, bekommt er nun den Ministerjob - eine Herkulesaufgabe für den früheren Weinbauminister von Rheinland-Pfalz.
Und es gibt noch eine weitere Hypothek, die auf Brüderle lastet. Um Wirtschaftsminister zu werden, musste er den beliebtesten deutschen Politiker aus dem Amt drängen: Karl-Theodor zu Guttenberg von der CSU. Schon im Wahlkampf ging Brüderle auf harten Konfrontationskurs zu den Christsozialen. «Die CSU setzt auf parasitäre Publizität. Sie profiliert sich zulasten der Formation, mit der sie eigentlich die Wahl gewinnen will», pöbelte er in einem Interview Richtung Bayern.
Dass Brüderle es in Sachen Charisma mit einem zu Guttenberg aufnehmen kann, würde wohl nicht einmal er selbst behaupten. Daher muss er fachlich nun umso mehr überzeugen. Wie kaum ein anderer FDP-Politiker verkörperte Brüderle im Wahlkampf das Steuersenkungscredo der Liberalen. Doch genau das könnte jetzt sein Problem werden. Angesichts leerer Kassen sind die Spielräume für Entlastungen klein.
che/news.de
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