Wie vor 30 Jahren
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Die elektronische Gesundheitskarte muss die Sicherheit der Patientendaten gewährleisten - aber sie muss kommen. Sie könnte ein großer Schritt zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen sein. Und sogar Menschenleben retten.
News.de-Redakteur Michael Kraft.
Foto: news.deArztpraxen und Kliniken sind vollgestopft mit teurer, moderner Technik. Nur bei der Verwaltung der Patientendaten hat die Entwicklung nicht Schritt gehalten. Da muss oftmals noch der gute alte Karteikasten herhalten - Zustände wie vor 30 Jahren.
Das mag romantisch klingen, ist in Wirklichkeit aber ein gefährliches Spiel mit der Gesundheit der Patienten. Denn die fortschreitende Spezialisierung in der Medizin hat dazu geführt, dass Patienten heute immer öfter in immer mehr verschiedenen Praxen behandelt werden. Vom Hausarzt geht es zum Facharzt, von dort vielleicht in die Klinik und danach zur Physiotherapie - und überall dort ist der Patient ein unbeschriebenes Blatt.
Das ist teurer und gefährlicher Unsinn - und in weniger verkrusteten Bereichen als dem Gesundheitswesen hätte es längst zu einem Aufschrei der Empörung geführt. Ein Beispiel: Kein Mensch würde in der Autowerkstatt zustimmen, wenn der Mechaniker sofort das Öl wechseln, die Bremsen erneuern und die Abgaswerte testen will - obwohl all das gerade erst ein paar Tage zuvor gemacht und im Serviceheft dokumentiert wurde.
Doch für den Körper gibt es kein Serviceheft. Das führt häufig zu überflüssigen und für das Gesundheitssystem enorm teuren Doppeluntersuchungen. Schlimmer noch: Nicht einmal bei einer Überweisung weiß der behandelnde Arzt, was der an ihn überwiesene Patient für Vorerkrankungen, Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten mitbringt. Das kann zu folgenschweren Behandlungsfehlern führen. Und am gefährlichsten: Selbst ein Notarzt kann nicht sehen, welche Blutgruppe ein gerade Verunglückter hat. Das kostet wertvolle Zeit - und im schlimmsten Fall Menschenleben.
Das Problem des Datenschutzes bei der elektronischen Gesundheitskarte muss zufriedenstellend gelöst werden. Doch die Karte muss kommen, und zwar dringend. Denn sie wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur optimalen und effizienten Versorgung der Patienten. Zudem sollten die Kritiker der elektronischen Gesundheitskarte noch eins bedenken: Für wirklich sichere Patientendaten ist der Karteikasten definitiv auch der falsche Ort.
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