So., 12.02.12

Entwicklungshilfe «Büttel der Außenpolitik»?

Von news.de-Redakteur Herbert Mackert

Artikel vom 03.10.2009

Guido Westerwelles Lieblingsressort ist das Außenministerium. Und am liebsten würde seine FDP dieses zum Superministerium ausbauen und die Entwicklungshilfe darin eingliedern. Kirchen und Hilfsorganisationen laufen dagegen Sturm.

Bereits 2005 wollten die Liberalen das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) schließen und die Arbeit vom Auswärtigen Amt erledigen lassen. Schon damals bahnte sich ein Streit mit der Union an. Doch der Wähler hob damals nicht Schwarz-Gelb, sondern eine Große Koaltion ins Amt - die Pläne verschwanden in der FDP-Schublade. Jetzt tauchen sie wieder auf und sollen FDP-Chef Westerwelle möglicherweise zu einem Superministerium verhelfen, in dem die Außen-, die Entwicklungs- und die Europapolitik gebündelt werden.

Bei Kirchen und Nichtregierungsorganisationen lösen die Pläne großes Unverständnis aus. Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesregierung, Bernhard Felmberg, sagte news.de, beide Kirchen seien der Auffassung, dass das Entwicklungshilfeministerium als eigenständiges Ressort erhalten bleiben solle.

«Eine der Hauptaufgaben des Ministeriums ist immer noch die Armutsbekämpfung. Wir befürchten, dass diese einfach hinten runterfällt.» Das deutsche EntwicklungshilfeministeriumDas Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde 1961 gegründet, um die bis dahin bei verschiedenen Ministerien angesiedelten Zuständigkeiten für die Entwicklungszusammenarbeit zu bündeln. Vorgängerinstitution war das seit Bestehen der Bundesregierung existierende Bundesministerium für Angelegenheiten des Marshallplans. sei in Europa fast einzigartig und leiste Hervorragendes. «Auf die Qualität der deutschen Entwicklungshilfe können wir stolz sein», betont der Kirchendiplomat.

Es sei unangemessen, den Effizenzmaßstab ausgerechnet bei der Entwicklungshilfe hochzuschrauben. «Bei den Ärmsten der Armen zu sparen ist angesichts von Milliardenhilfen zur Bewältigung der Finanzkrise für Bankenrettungsschirme und Kreditbürgschaften schwierig», meinte Felmberg.

Auch der Weltkirche-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, mahnt, Deutschland dürfe unter keinen Umständen die Entwicklungshilfepolitik vernachlässigen und die Beiträge für die Dritte-Welt-Länder reduzieren. Schick erinnert an die Selbstverpflichtung der Bundesregierung, 0,8 Prozent des Gesamthaushalts für die Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen.

Die CDU sollte zum dem ‹C› für ‹christlich› im Namen stehen

Brot-für-die-Welt-Sprecher Peter Liebe sagt auf news.de-Anfrage, «die CDU hat ein ‹C› für ‹christlich› im Namen, deshalb hoffen wir darauf, dass die Partei zu dem steht, was sie vor der Wahl gesagt hat». Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Wahlkampf mehrfach betont, dass sie an einem eigenständigen Ministerium für die Entwicklungshilfe ebenso wie an der genannten Selbstverpflichtung festhalten will.

Der Pressesprecher des Kinderhilfswerks terre des hommes, Wolf-Christian Ramm, spricht im Gespräch mit news.de von einer falschen Weichenstellung für die Entwicklungshilfepolitik. Diese dürfe nicht zum «Büttel der Außenpolitik» gemacht und als Querschnittsaufgabe nicht einem Ressort untergeordnet werden. «Wenn man das ganze Themenfeld ernst nimmt, dann muss die Entwicklungshilfe Kabinettsrang haben.»

Er sehe nicht, warum durch eine Eingliederung in das Außenminsterium die Effizienz der Entwickungshilfe verbessert oder finanzielle Hilfen zielgenauer eingesetzt würden. «Im Gegenteil, im BMZ ist die Infrastruktur und die Kompetenz vorhanden, um die Hilfen nach entwicklungspolitischen Notwendigkeiten zu konzipieren und einzusetzen», betont Ramm.

Im ihrem «Deutschlandprogramm 2009» zur Bundestagswahl fordern die Liberalen eine «Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit», um «die Wirksamkeit zu erhöhen». Weiter heißt es: «Die FDP setzt sich für eine Fokussierung der Entwicklungszusammenarbeit auf die schwächsten und ärmsten Länder ein. Die Zusammenarbeit mit Schwellenländern muss dagegen auf eine neue Grundlage gestellt werden. China, Indien, Brasilien und Mexiko benötigen keine finanzielle deutsche Entwicklungshilfe mehr.»

Bei letzterem erhält die FDP sogar verhaltene Zustimmung von den Kritikern einer Zusammenlegung beider Ministerien. Die finanziellen Hilfen für diese Länder könnten überprüft werden, meint EKD-Bevollmächtigter Felmberg. Jedoch sei es wichtig, auch mit diesen Ländern etwa durch gemeinsame Projektarbeit im Dialog zu bleiben.

hav/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Lagos hat nun 50 Mal so viele Einwohner wie 1950. (Foto)
Bevölkerungswandel Die Welt im Jahr 2050

Neun Milliarden Menschen. Nur noch 71 Millionen Deutsche. Megastädte voller junger Leute in Asien, die aus allen mehr ...

Die Industrieländer wollen die Entwicklungshilfe aufstocken. (Foto)
G8-Gipfel Milliarden gegen den Hunger

Die ärmsten Bauern der Welt können auf 20 Milliarden US-Dollar mehr ...

Wo G8 draufsteht, ist weit mehr drin. Auch Vertreter aus Schwellenländern sind in L´Aquila. (Foto)
G8-Gipfel in L´Aquila Die Reichsten beraten über den Hunger

Mit Beratungen über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Afrika geht heute der dreitägige G8-Gipfel zu mehr ...

Kampf gegen Armut Entwicklungsministerin mahnt zur Hilfe

Die Wirtschaftskrise treibt weltweit Millionen Menschen in die Armut. Vor allem in den Entwicklungsländern sind die mehr ...

20080703111622_FRA119 (Foto)
Transrapid ThyssenKrupp will China mit Technologie ködern

Der Industriekonzern ThyssenKrupp will laut einem Zeitungsbericht Teile seiner Magnetschwebetechnologie an China verkaufen. mehr ...

Entwicklungshilfe: «Büttel der Außenpolitik»? » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855026939/buettel-der-aussenpolitik/1/
Schlagworte:
Adriana Brasilien, Albert Streit, Alexander Ludwig, Alfred Ludwig, Amt, Andreas Ludwig, Angela Akers, Angela Gheorghiu, Angela Merkel, Angelegenheiten, Angesichts, Arbeit, Armen, Ärmsten, Auffassung, Außenministerium, Außenpolitik, Ausgerechnet, Auswärtigen, Babett Peter, Bamberger, Bangen, Befürchten, Beiträge, Benötigen, Berg Herbert, Bernhard Blume, Bernhard Croissant, Bernhard Heusler, Bernhard Maier, Bernhard Mikeska, Bernhard Rotter, Bernhard Scheer, Bernhard Segesser, Bernhard Trares, Bernhard Witthaut, Betont, Bevollmächtigte, Bewältigung, Bischofskonferenz, BMZ, Brasilien, Bundesministerium, Bundesregierung, Bundestagswahl, Carl Peter, CDU, CDU-Vorsitzenden, China, Deutsche, Deutschen, Deutschland, Dialog, Eduard Ludwig, Effizienz, Eingliederung, Entwicklungshilfe, Entwicklungshilfeministerium, Entwicklungsländer, Entwicklungszusammenarbeit, Erinnert, Ernst August, Ernst Bach, Ernst Lieb, Ernst Ludwig, Ernst May, Ernst Mosch, Ernst Moschs, Erzbischof, Europa, Europapolitik, Evangelischen, Falschen, FDP, FDP-Chef, FDP-Ehrenvorsitzende, FDP-Landeschef, FDP-Parteivorstand, FDP-Vizekanzler, FDP-Vorsitzender, Felix Sturm, Felmberg, Festhalten, Finanzielle, Finanzkrise, Fokussierung, Gegenteil, Gegründet, Gemeinsame, Genannten, Gespräch, Gordon Herbert, Große, Großes, Grundlage, Guido Balmer, Guido Bergmann, Guido Brunetti, Guido Buchwald, Guido Grünheid, Guido Hammesfahr, Guido Hertel, Guido Kambli, Guido Siebenhaar, Guido Westerwelle, Hauptaufgaben, Häuser Kirchen, Herbert Frankenhauser, Herbert Haas, Herbert Hainer, Herbert Knur, Herbert Mackert, Herbert Werner, Hilfen, Hilfsorganisationen, Hoffen, Hommes, Idi Brasilien, Indien, Infrastruktur, Josef Ernst, Kanzlerin, Kinderhilfswerks, Kirche, Kirchen, Klaus Ernst, Koaltion, Kompetenz, Kreditbürgschaften, Kritikern, Länder Ausnahmeregelungen, Länder Freaks, Länder Gemeinden, Länder Hessen, Länder Widerstand, Ländern, Laufen, Laura Ludwig, Leiste, Liberalen, Liebe, Liebsten, Lösen, Ludwig Erhard, Ludwig Katrin, Ludwig Spaenle, Ludwig Thoma, Ludwig Trepte, Mackert, Main Großes, Maler Bernhard, Marion Schick, Marta Brasilien, Max Ernst, Mehrfach, Merkel, Merkel-Abwarte-Haltung, Mexiko, Milliardenhilfen, Ministerien, Ministerium, Ministeriums, Namen, Neuausrichtung, News, Nichtregierungsorganisationen, Nina Peter, Notwendigkeiten, Partei, Peter Ballnik, Peter Bauer, Peter Bleser, Peter Bofinger, Peter Bond, Peter Bretter, Peter Buck, Peter CDU, Peter Chou, Peter Christensen, Peter Danzl, Peter Dathe, Peter Deilmann, Peter Endig, Peter Engel, Peter Eötvös, Peter Falk, Peter Flache, Peter Foley, Peter Frampton, Peter Frese, Peter Frey, Peter Gallagher, Peter Games, Peter Gelle, Peter Geyer, Peter Gruhne, Peter Hahnes, Peter Halley, Peter Harry, Peter Herrmann, Peter Hinchliffe, Peter Jackson, Peter Jonas, Peter Joseph, Peter Kauzer, Peter Kennaugh, Peter Korthals, Peter Kraus, Peter Kunkel, Peter Kurzecks, Peter Löscher, Peter Luisi, Peter Lutz, Peter Malfertheiner, Peter Martins, Peter May, Peter Menke, Peter Möckesch, Peter Mullan, Peter Naumann, Peter Neururer, Peter Peters, Peter Plate, Peter Probst, Peter Raue, Peter Rieger, Peter Röder, Peter Rommel, Peter Ruzicka, Peter Sarsgaard, Peter Schall-Latur, Peter Schilling, Peter Scholl-Latour, Peter Scholl-Latur, Peter Schreier, Peter Sellars, Peter Stastny, Peter Steffen, Peter Stein, Peter Sullivan, Peter Täubl, Peter Templeman, Peter Terium, Peter Torebko, Peter Tschaikowskis, Peter Tschaikowsky, Peter Urban, Peter Vargo, Peter Wedde, Peter Weir, Peter Wiechern, Peter Wutzler, Peter Zwegat, Pläne, Pressesprecher, Projektarbeit, Prozent, Qualität, Ramm, Ramona Sturm, Rates, Ressort, Richter Herbert, Rita Ernst, Schick, Schließen, Schwächsten, Schwarz-Gelb, Schwellenländern, Selbstverpflichtung, Silva Brasilien, Sparen, Spricht, Stehen, Stellen, Stolz, Streit, Sturm Deutschland, Sturm Graz, Sturm Graz-AEK, Sturm Graz-Lokomotive, Sturm Graz-SV, Sturm Graz1, Sturm Londoner, Sturm Momentan, Tauchen, Terre, Timo Bernhard, TT, Umständen, Unangemessen, Union, Unverständnis, Verfügung, Wahl, Wähler, Wahlkampf, Weichenstellung, Westerwelle, Westerwelles, Wirksamkeit, Wirtschaftliche, Zusammenarbeit, Zusammenlegung, Zuständigkeiten, Zustimmung,
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 04.10.2009 09:55
von
Volker Seitz

Entwicklungspolitik muss ein Bestandteil der Außenpolitik werden.Der Sachverstand des BMZ muß bei den Botschaften angedockt werden. Wir brauchen eine einheitliche, starke und sachkundige Vertretung in den Ländern. Schluss mit dem Kompetenzgerangel zwischen BMZ und AA zulasten der Armutsbekämpfung.Entscheidend ist, dass die einheimischen Eliten sich für ihr Land engagieren und diese "gute Regierungsführung" muss vom AA eingefordert werden,ohne dass das BMZ diese Bemühungen durch den Ausgabedruck der einmal bewilligten Gelder erschweren kann. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert", dtv,2009

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren