60 Jahre Volksrepublik China im Gleichschritt

Mit der bislang größten Waffenschau in seiner Geschichte demonstriert China seine neue militärische Stärke, und zeigt Raketen, die die USA erreichen könnten. Die Militärparade zum 60. Jahrestag der Volksrepublik ist ein Zeichen - nach innen und nach außen.

Die Parade zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. (Foto)
Die Parade zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China. Bild: ap

Chinas Regime feiert, und will der Welt zeigen, was es kann: Das Bild einer «gewaltigen, zivilisierten und siegreichen Streitmacht» soll die Parade zum 60. Gründungsjubiläum der Volksrepublik sein. In der 66-minütigen Show werden 108 neue oder überarbeitete Raketentypen gezeigt, die nie zuvor öffentlich gesehen worden sind. Unter ihnen sind Interkontinentalraketen, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt sogar Washington treffen können - «bemerkenswerte Symbole» der militärischen Muskeln der aufstrebenden Weltmacht, wie hohe Militärs sagten. Insgesamt 52 neue Waffensysteme werden gezeigt, die alle in China selbst hergestellt seien.

Nie zuvor sind bei einer Militärparade in Peking so viele Flugzeuge gezeigt worden: 151 Maschinen werden über den Platz des Himmlischen Friedens donnern, darunter erstmals ein chinesisches Radarflugzeug, das der Luftaufklärung und als Einsatzleitzentrale (Awacs) dient, sowie unbemannte Flugkörper. Die Truppenformationen der 5000 Soldaten sollen makellos und mit präzisem Schritt «wie eine Stahlplatte aussehen», sagen Offiziere.

60 Jahre Volksrepublik: Im Gleichschritt Marsch

Wie seine Vorgänger dürfte Staats- und Parteichef Hu Jintao stehend in einer offenen Limousine der Marke «Rote Fahne» die Truppen abnehmen. Als Chef der Militärkommission ist der 66-Jährige der Oberkommandierende der mit 2,3 Millionen Soldaten größten Armee der Welt.

Das Militärspektakel soll im Volk den Nationalstolz und in der Truppe selbst die Moral stärken. Chinas Führung will den Chinesen wohl auch zeigen, wohin die seit Jahren überdurchschnittlich hohen Ausgaben für das Militär geflossen sind. Nicht zuletzt wird dem Rest der Welt die hinzugewonnene militärische Stärke demonstriert. «Mit den neuen Errungenschaften in der Modernisierung der nationalen Verteidigung soll die Parade den wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt zum Ausdruck bringen», sagte der Sprecher für die Militärparade, Generalmajor Gao Jiangguo. Ob die militärische Stärke eines Landes eine Bedrohung für andere Nationen darstelle, liege aber vor allem an der Art seiner Verteidigungspolitik.

«Wenn die internationale Gemeinschaft sieht, wie stark China geworden ist, könnte es schon etwas Nervosität erzeugen», glaubt Song Xiaojun, ein chinesischer Militärexperte. Auch wenn die militärischen Fähigkeiten Chinas bei einer solchen Parade deutlich werden, liegen seine Intentionen nach Ansicht ausländischer Experten aber eher im Dunkeln. An Konfliktpotenzial mangelt es nicht: Die abtrünnige Insel Taiwan, Territorialstreitigkeiten mit Nachbarn um Rohstoffvorkommen, etwa bei den Spratly- oder den Senkaku-Inseln und die Kontrolle wichtiger Schifffahrtswege. Immer häufigere Zwischenfälle bei amerikanischen Aufklärungseinsätzen zeigen, dass sich China solche Schnüffeleien im eigenen Vorgarten künftig nicht mehr gefallen lassen will.

Experten rechnen damit, bei der Parade die Dongfeng-31A genannte, erste mobile Langstreckenrakete Chinas zu sehen. Mit einer Reichweite von 11.000 Kilometern kann die Rakete als Zeichen an die USA gewertet werden, dass China heute verbesserte Fähigkeiten zum Gegenschlag besitzt. Überhaupt ist China stark auf die USA fokussiert. Nichts fürchtet das Land mehr als eine «Eindämmungspolitik», die der Supermacht unterstellt wird. Argwöhnisch wird beobachtet, dass sich die USA zunehmend auf die Asien-Pazifik-Region konzentrieren. Peking spricht von einem verstärkten Ringen um strategische Rohstoffe, Positionen und Dominanz, betont vage seine wachsenden Interessen in Übersee.

Die USA spielen das selbstbewusste Muskelspiel herunter. «Wir beobachten sie ganz aufmerksam, aber ich betrachte China nicht als Bedrohung», versicherte Admiral Timothy Keating, Chef des Pazifik-Kommandos der USA. «Wir wollen auch nicht, dass sie uns als Bedrohung ansehen.» Die Führung in Peking beteuert, dass ihre Militärpolitik rein defensiv sei. Damit die Botschaft vom friedlichen Aufstieg Chinas auch glaubwürdig erscheint, kämpft die chinesische Marine vor der Küste Somalias gegen Piraten und beteiligt sich auffällig stark an UN-Friedensmissionen.

Aus Sicht des früheren Spitzenfunktionärs Bao Tong zielt die Militärparade weniger auf das Ausland, das Chinas militärische Fähigkeit ausreichend kennen dürfte, als vielmehr nach innen. «Die Parade gibt dem chinesischen Volk folgende Botschaft: Wir sind mit Waffen an die Macht gekommen, wer protestiert oder sich mit ausländischen Kräften verschwört, wird bestraft», sagte Bao Tong, der dem 1989 vor der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung gestürzten reformerischen Parteichef Zhao Ziyang gedient hatte. «Die Botschaft ans Militär lautet: Wir lieben euch so sehr. Ihr müsst uns dienen und die Stabilität wahren.»

bjm/che/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • kurt
  • Kommentar 2
  • 04.10.2009 16:56

Lieber im Gleichschritt als im Veitstanz. China als volkreichste Nation hat sehr wohl ein Recht, seine Macht zur Schau zu stellen, um "Gutmenschen" der besonderen Art nicht auf dumme Gedanken kommen zu lassen.

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  • bla
  • Kommentar 1
  • 01.10.2009 15:40

Ein absoluter Wahnsinn in den Augen der meisten Menschen. Und alles nur weil sich ein Obama vor die Welt stellt und für Abrüstung wirbt, aber im gleichen Atemzug darauf hinweist, dass er erst abrüstet, wenn die restliche Welt abgerüstet hat und ihm quasi zu Füßen liegt. Albern, von beiden Seiten.

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