So., 12.02.12

Kommentar zur Gesundheitskarte Geburt mit Bauchschmerzen

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 01.10.2009

Groß geplant, fängt sie erst einmal klein an: Die elektronische Gesundheitskarte soll mit besserer medizinischer Versorgung und weniger Kosten die Revolution im Gesundheitswesen bringen. Ob ihr das gelingt, ist aber mehr als fraglich.

Für diejenigen, die in Zukunft mit der elektronischen Gesundheitskarte arbeiten müssen, steht die Diagnose bereits fest: heftige Bauchschmerzen. Die haben vor allem Ärzte, Patientenverbände und Datenschützer. Ihnen ist die Karte immer noch zu teuer, zu unsicher, zu unausgereift. Sie verlangen Nachbesserungen, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Die Forderungen sind berechtigt: Denn wenn die Karte nach zehn Jahren Diskussion und knapp drei Jahren Tests endlich eingeführt wird, kann sie immer noch kaum mehr als die bisherige Versichertenkarte.

Neu sind zunächst nur ein Foto und ein Mikrochip, auf dem künftig mehr Daten gespeichert werden können als zurzeit. Kurzum: Die Karte ist nur eine Lightversion eines idealistischen Zukunftsszenarios, nach dem die kleine Plastikkarte einmal eine Art elektronisches «Sesam öffne dich» für die vollständige Krankengeschichte von jedem der 82 Millionen Menschen in Deutschland werden könnte. Sie soll jeden Arztbesuch, jede Untersuchung und jedes Medikament erfassen. Eigentlich eine gute Sache - auf den ersten Blick.

Doch: Funktioniert das überhaupt? Und wenn ja, wer hat alles Zugriff auf die Vielzahl an Informationen? Man muss kein Paranoiker sein, um hellhörig zu werden. Es tun sich vielerlei Szenarien auf, denn wo es Daten gibt, da gibt es Datenhungrige. Patientendaten sind für viele interessant: für Politiker, Arbeitgeber, Krankenkassen und die Pharmaindustrie.

Und: Wer hat eigentlich Interesse an einer eingeschränkt funktionstüchtigen Gesundheitskarte? Darüber gibt eine Studie der Entwicklungsgesellschaft Gematik Auskunft: Den größten Vorteil haben die Krankenkassen, die in den ersten fünf Jahren angeblich 2,6 Milliarden Euro an Verwaltungskosten einsparen könnten. Die Ärzte hingegen sollen danach zu den Verlierern gehören: Sie müssen für die Gesundheitskarte rund 2,5 Milliarden Euro in Computer und Software investieren.

Aber was ist mit den Versicherten und ihrem Nutzen? Sie sollten sich zumindest vor Augen halten, dass die Gesundheitskarte benutzt werden könnte, um das Gesundheitswesen zu regulieren, zu kontrollieren, Menschen zu selektieren und zur Ware eines profitorientieren Gesundheitsmarktes zu machen.

bla/news.de
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Kommentar zur Gesundheitskarte: Geburt mit Bauchschmerzen » Politik » Nachrichten

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