Mo., 13.02.12
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Premier Gordon Brown Wahlkampf in den eigenen Reihen

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz

Artikel vom 29.09.2009

Es sollte die Rede seines Lebens werden. Der angeschlagene britische Premierminister Gordon Brown hat auf dem Labour-Parteitag versucht, die Partei wieder zusammenzuführen. Brown zeigte sich engagiert, aber der große Wurf war es nicht.

Zunächst schickt Gordon Brown seine Frau Sarah ins Rennen - sie hatte sich im Vorjahr als Vorrednerin bewährt. «Ich weiß nicht viel über die Wirtschaft, aber ich weiß viel über meinen Ehemann Gordon», sagt Sarah Brown und spielt damit die emotionale Karte gleich zu Beginn aus. «Er ist kein Heiliger, aber ich weiß, er liebt unser Land und wird Euch immer an erste Stelle setzen.» Dies mache ihn zum Land für England. Die Strategie ist klar: Der unbeliebte Premier soll - vor der eigenen Partei - ins rechte Licht gerückt werden.

Ein PR-tauglicher Imagefilm, in dem auch Bono, Sänger von U2, seine Sympathie für den Unsympathen zum Ausdruck bringen darf, schickt Labour seinem Premierminister sicherheitshalber auch noch voraus. Doch die Kameras, die ins Plenum schwenken, fangen viele skeptische Gesichter ein. Viele Parteimitglieder glauben nicht daran, dass es mit Gordon Brown an der Spitze möglich ist, die Unterhauswahlen im kommenden Frühjahr noch zu gewinnen. In Umfragen liegt Labour fast aussichtslos hinter den Tories zurück. Derzeit würden sie sogar nur drittstärkste Kraft hinter den Freien Demokraten werden.

Der Spesenskandal im Parlament, wachsender Unmut über den Afghanistan-Einsatz, Neuverschuldung – die Liste der Probleme in England ist lang und die Bürger scheinen nicht mehr auf die sozialdemokratische Labourpartei zu vertrauen. Und auch innerhalb der Partei scheint es keine Geschlossenheit zu geben. Rücktrittsforderungen, die bereits im Sommer laut wurden, konnte Brown bisher abwenden.

Doch unter diesen Vorzeichen überrascht es nicht, dass das Lächeln des Gordon Brown aufgesetzt wirkt, als er in den voll gepackten Saal in Brighton einläuft. Der Applaus der Basis ist freundlich – aber nicht euphorisch. Vorschusslorbeeren gibt es nicht mehr.

Der Premier startet kämpferisch. «Wir müssen kämpfen, um für England zu gewinnen.» Er preist die Errungenschaften von Labour: Weniger Armut unter Kindern, Mindestlohn, Frieden in Nordirland, «das ist das England, dass wir gebaut haben». Das bringt Punkte bei den Parteimitgliedern und stehende Ovationen und langer Applaus verleihen Brown etwas Sicherheit.

«Träumt keine kleinen Träume, träumt große Träume»

Was folgt, ist in vielen Teilen nicht nur eine Rede an die Nation, es ist auch eine Rede an die eigene Partei. «Nicht ein britischer Sparer hat einen einzigen Penny verloren, wir haben den kleinen Unternehmen geholfen und wir haben uns für eine internationale Lösung anstatt Isolation in der Krise entschieden», resümiert Brown das Verhalten der Regierung während der weltweiten Finanzkrise und preist Labour als die Partei der britischen Unternehmen.

Frisch aus Pittsburgh vom G20-Gipfel zurückgekehrt, versucht sich Brown auch an Redeelementen, mit denen Barack Obama stets große Erfolge feiert: emotionale Einzelschicksale. Doch die Erzählungen zünden nicht wirklich. Besser klappt es schon mit der eigenen Biographie, die Brown nutzt, um das britische Gesundheitswesen zu preisen. «Meine Eltern hätten nicht für meine Augenoperation bezahlen können, für sie war die staatliche Gesundheitsversorgung die beste Versicherung der Welt.»

Brown stürzt sich auf die klassischen Themen der Mittelschicht und prangert die konservativen Tories für ihre Ideen an. Das Konzept, das sich die Märkte stets selbst regulieren würden, sei eine konservative Idee, die gescheitert sei, wettert der Premier.

Er verspricht der Nation, dass es mit Labour in der Regierung eine Kontrolle der Märkte geben wird, dass «Briten nicht für die Banken bezahlen werden» und eine Zeit für ein neues Wirtschaftsmodell angebrochen sei. Entlastung der Alten und der Mittelklasse, Förderung der Jungen, Schaffung von neuen, grünen Jobs, mehr soziale Hilfe für Problemfamilien - Brown spielt die klassische Klaviatur von Labour und kann damit durchaus überzeugen. Auch wenn echte Euphorie anders aussieht. Eine Dame im Saal hat die Muße, während Browns Kampfansage zu stricken.

Auch um das unangenehme Thema Spesenskandal drückt sich Brown nicht, er kann sich auch nicht drücken. Mit Labour so verspricht er, wird es ein Referendum geben, um im Parlament über eine alternative Wahlmethode nachzudenken. Mehr Macht dem Bürger verspricht Brown. Sie sollen die Möglichkeit haben, die Abgeordneten zu entmachen, «wenn sie bewiesenermaßen finanziell korrupt sind» und das Parlament versäumt, mit diesem Machtmissbrauch entsprechend umzugehen.

«Träumt keine kleinen Träume, träumt große Träume», ruft Brown seinen Parteigenossen am Ende kämpferisch zu. Minutenlanger Applaus ist Browns Lohn für eine engagierte Rede, die einen Gordon Brown gezeigt hat, den die Partei so lange nicht gesehen hat. Die Partei mag Brown damit noch einmal hinter sich gebracht haben. Doch der Traum, damit auch die Wähler noch einmal zu überzeugen, wird nur sehr schwer zu verwirklichen sein.

car/news.de
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