Wahlen 2002 und 2005 Blöd gelaufen für Schwarz-Gelb

Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) (Foto)
Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Torben Waleczek
Zweimal galt ein Sieg von Union und FDP schon als ausgemacht. Doch 2002 wie auch 2005 kippte die Stimmung noch kurz vor der Wahl. Ein Blick zurück auf politische Eigentore, furiose Aufholjagden und missglückte Prognosen.

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt der Volksmund. Die schwarz-gelben Wahlkämpfer mussten das bei den letzten zwei Bundestagswahlen schmerzvoll erfahren.

2002

Acht Wochen vor der Bundestagswahl 2002 scheint für den Unionskandidaten Edmund Stoiber eigentlich alles klar. Seine Wunschkoalition Schwarz-Gelb liegt in den Umfragen deutlich vor Rot-Grün. Doch dann startet Kanzler Schröder eine beispiellose Aufholjagd, besetzt zielsicher die richtigen Themen. Anfang August erklärt der SPD-Chef bei einer Rede in Hannover sein Nein zum bevorstehenden Irak-Krieg. «Dieses Land wird unter meiner Führung für Abenteuer nicht zur Verfügung stehen», ruft Schröder. Washington ist verstimmt, doch im deutschen Wahlkampf verfehlen Schröders Worte nicht ihre Wirkung.

Wahlkampf
Der Herausforderer in Bildern
Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will mehr. (Foto) Zur Fotostrecke

Dann das Hochwasser an der Elbe. Sofort ergreift der Kanzler die Chance für gute Bilder, fliegt kurzentschlossen ins überflutete Grimma. In Gummistiefeln und Friesennerz tröstet Schröder die Flutopfer und verspricht schnelle Hilfe – ein Macher. Stoiber hingegen zaudert, bleibt zunächst in Bayern und stapft erst zwei Tage später durch Dresden. Am Wahlabend dann das Patt: Union und SPD bekommen jeweils 38,5 Prozent. Stoibers Traum von Schwarz-Gelb ist geplatzt, Verlängerung für Rot-Grün.

2005

Drei Jahre später, bei der vorgezogenen Bundestagswahl von 2005, verspielt die Union mit eigenen Fehler den sicher geglaubten Wahltriumph. CDU-Kandidatin Merkel verwechselt in mehreren Interviews die Begriffe «brutto» und «Netto», weckt Zweifel an ihrer Kompetenz in Finanzfragen. Ähnlich ungeschickt CSU-Chef Stoiber: Der klagt öffentlich über die PDS-Erfolge in den Neuen Ländern – und poltert in einem Ton, den viele Ostdeutsche als verletzend empfinden: «Ich akzeptiere nicht, dass erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Es darf nicht sein, dass die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen.»

Als noch katastrophaler erweist sich die Personalie Paul Kirchhof. Die Berufung des früheren Verfassungsrichters in Merkels Kompetenzteam soll Schwung bringen in den Unionswahlkampf. Kirchhof ist als Finanzminister in einem schwarz-gelben Kabinett vorgesehen. Doch seine Vorschläge liefern lauter Steilvorlagen für die Sozialdemokraten. Flat-Tax, kapitalgedeckte Rentenversicherung, Streichung von Subventionen – Kirchhof erweist sich als wunder Punkt der Union. Der Wahlkämpfer Schröder erkennt das genau und gehorcht seinem politischen Instinkt. Dem Kanzler gelingt es, den «Professor aus Heidelberg» als ebenso eiskalten wie weltfremden Radikalreformer zu präsentieren; und die CDU so in die Ecke einer neoliberalen Partei zu treiben.

Am Ende liegt das Unionsergebnis weit unter den letzten Prognosen. Der Wahlausgang dokumentiert ein grandioses Scheitern aller großen Umfrageinstitute. Noch in den ersten Septemberwochen 2005 hatten die Demoskopen für CDU/CSU ein Ergebnis zwischen 41 und 43 Prozent errechnet. Am Wahlabend dann die Ernüchterung: Die Union kommt auf insgesamt nur 35,2 Prozent der Stimmen, die SPD liegt mit 34,2 Prozent knapp dahinter. Schröder muss die Kanzlerschaft zwar an Angela Merkel abtreten – doch für eine schwarz-gelbe Koalition reicht es mal wieder nicht.

seh/news.de

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