Mo., 13.02.12

US-Außenpolitik Weißes Haus dämpft die Hoffnung auf Nahost-Coup

Von Gabriele Chwallek

Artikel vom 21.09.2009

Bei einem Dreiergipfel mit den politischen Spitzen von Israelis und Palästinensern will US-Präsident Obama einen Durchbruch im Friedensprozess erzielen. Doch schon einen Tag vor dem Treffen wird klar: Daraus dürfte nichts werden.

Es wäre so schön gewesen für US-Präsident Barack Obama. Er hatte darauf gehofft, bei seinem ersten UN-Auftritt zumindest einen außenpolitischen Coup landen zu können: die Wiederaufnahme von Nahost-Friedensgesprächen, verkündet bei einem Dreiergipfel mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Aber wie es aussieht, besteht vor dem Treffen mit Obama an diesem Dienstag Einigkeit zwischen den beiden Konfliktparteien nur in einem Punkt: dass von dieser Begegnung kein Durchbruch zu erwarten ist.

Auch das Weiße Haus warnt vor etwaigen Erwartungen, dass Obama nach einer Woche frustrierend erfolgloser Shuttle-Diplomatie des US-Sonderbeauftragten George Mitchell am Dienstag am Ende doch noch eine Überraschung aus dem Hut zaubern kann. Nicht nur hat Mitchell kein israelisches Einlenken in Sachen Siedlungsstopp im Westjordanland und Ostjerusalem erreichen können. Er habe auch tiefgreifende Differenzen zwischen beiden Seiten in Fragen vorgefunden, über die in früheren Verhandlungen Einigkeit erzielt worden sei, zitierten US-Medien außenpolitische Kreise.

So geht denn Obama das Risiko ein, dass das New Yorker Dreier-Treffen kaum mehr wird als eine Fotogelegenheit, die seine bisherigen fruchtlosen Bemühungen am Ende nur noch unterstreicht. Aber ihm sei es wichtig zu demonstrieren, dass er dem Nahost-Friedensprozess so verpflichtet sei wie «am ersten Tag seiner Präsidentschaft», formulierte es Tommy Vietor, ein Sprecher des Weißen Hauses. «Natürlich haben wir auf eine Art Durchbruch gehofft», sagt auch Ian Kelly vom Außenministerium. «Aber das hier erfordert eine Menge Geduld. Und die USA sind bereit, geduldig und am Ball zu bleiben.»

Experten schließen nicht aus, dass sich die Geduld früher oder später auszahlen wird - wahrscheinlich aber nicht früh genug, um in New York einen entscheidenden Fortschritt verkünden zu können. Obama hätte dies gut gebrauchen können. Ihm ist es zwar gelungen, das angeschlagenen US-Image in der Welt wieder aufzupolieren, er ist international höchst beliebt, nach Umfragen hält die Bevölkerung in einer Reihe von Ländern mehr von ihm als von den eigenen Führungspersönlichkeiten. Aber acht Monate nach der Amtsübernahme hat sich das nur geringfügig in außenpolitischen Erfolgen niedergeschlagen.

Obama kann außenpolitische Erfolge gut gebrauchen

Die Europäer sperren sich nach wie vor gegen wesentliche Aufstockungen ihrer Truppenkontingente in Afghanistan und die Chinesen gegen einschneidende Maßnahmen gegen den Klimawandel. Der Iran lehnt weiter Konzessionen bei seinem Urananreicherungsprogramm ab, Russland wiederum verschärfte Sanktionen gegen den Iran, und Nordkorea testete trotz aller Warnungen seine Atomwaffen. Und dann der Stillstand im Nahost-Friedensprozess. Auch Netanjahu und Abbas zollen Obama zweifellos Respekt: Das Wall Street Journal etwa zitiert einen israelischen Regierungsbeamten mit den Worten, Obama habe wahrscheinlich persönlich Druck auf beide ausgeübt, zum Gipfel zu kommen, und das täten sie, «um ihm persönlich einen Gefallen zu tun. Aber das löst nicht das Problem, worüber sie sprechen und was sie ihrer Bevölkerung erzählen werden, wenn sie nach Hause kommen.»

Aber das Weiße Haus hat schon für den - allgemein erwarteten - Fall vorgebaut, dass nach Obamas Einzeltreffen mit Netanjahu und Abbas und dem anschließenden Dreiergipfel außer Spesen nicht viel gewesen sein wird. Man werte es nicht als einen Rückschlag, wenn am Dienstag keine neue Runde von Friedensgesprächen bekanntgegeben werden könne, zitierte die New York Times Washingtoner Regierungsbeamte. Obama sei davon ausgegangen, dass es sich um einen «aufreibenden langwierigen» Prozess handeln werde. Und wenn man die Lage bei Obamas Amtsantritt im Januar 2009 berücksichtige, habe Mitchell immerhin schon einen teilweisen israelischen Siedlungsstopp erreicht und arabische Bewegung in Richtung vertrauensbildender Gesten gegenüber Israel. Das sei ein «bemerkenswerter Fortschritt», sagt Vietor.

Und neben dieser Selbsttröstung hat die US-Regierung anscheinend vorsichtshalber auch etwas an ihrer Prioritätenliste gearbeitet. In einer jüngsten Rede in Washington mit einem Ausblick auf die US-Agenda bei der UN-Vollversammlung in dieser Woche erwähnte Außenministerin Hillary Clinton den Nahost-Frieden ganz am Ende. Experten nannten das «vielsagend».

twa/ruk/news.de/dpa
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