Brandenburg Platzeck setzt ganz auf den «Last-Minute-Effekt»

Im Schatten der Bundestagswahl bestimmen die BĂŒrger Brandenburgs auch ihren Landtag neu. MinisterprĂ€sident Platzeck hofft auf einen positiven «Steinmeier-Effekt». Doch sein Erfolg hĂ€ngt auch davon ab, ob die GrĂŒnen den Einzug ins Parlament schaffen.

Bleibt er MinisterprÀsident? Matthias Platzeck (SPD). Bild: ap

Matthias Platzeck ist fĂŒr seine SPD das «Gesicht dieses Landes» und schlichtweg «Der Brandenburger» - auf ihm ruhen einmal mehr all ihre Hoffnungen. Noch sichert die ungebrochene PopularitĂ€t des 55-JĂ€hrigen der Partei einen knappen Vorsprung in den Umfragen. Seit 20 Jahren macht der frĂŒhere GrĂŒnen-Politiker - wie er selbst sagt - Politik aus Leidenschaft, wurde 2002 Amtsnachfolger von SPD-MinisterprĂ€sident Manfred Stolpe und fĂŒhrt seither eine Koalition mit der CDU.

Eine BĂŒndniszusage fĂŒr die Zeit nach der Wahl ist ihm nicht zu entlocken - zum Verdruss von Christdemokraten und Linken, die beide gern mit der SPD regieren wĂŒrden. Nach seinem RĂŒcktritt vom Vorsitz der Bundespartei 2005 auf Ă€rztlichen Rat hin kann ihn außerhalb seines Landes nichts mehr reizen: «Brandenburg ist meine Lebensaufgabe.»

FOTOS: Wahlkampfstationen, Teil III Plakate schmĂŒcken unser Land

Insgesamt regiert die SPD schon 19 Jahre in Brandenburg - so lange wie in keinem anderen ostdeutschen Bundesland. Dennoch steigt und fĂ€llt die Partei in Umfragen derzeit besonders. Nachdem sie in ihrer ostdeutschen Hochburg auf 31 Prozent abgesackt war, lag sie zuletzt wieder bei 34 Prozent, 6 Punkte vor der sie bedrĂ€ngenden Linken mit 28 Prozent. Die CDU verharrt seit Monaten bei 21 bis 22 Prozent. Die FDP kommt gegenwĂ€rtig auf 7 Prozent, die BĂŒndnisgrĂŒnen wĂŒrden mit 4 Prozent Zustimmung den Einzug in den Landtag erneut verpassen.

Das Schicksal der SPD hĂ€ngt einmal mehr an ihrem Spitzenkandidaten Platzeck, dessen PopularitĂ€t ungebrochen ist. Mit seiner Arbeit als MinisterprĂ€sident sind mehr als 70 Prozent der befragten Brandenburger zufrieden, sogar deutlich mehr als vor der Wahl 2004. So wĂŒnschen sich denn auch fast 50 Prozent eine SPD-gefĂŒhrte Regierung.

Ein Sieg der Linken auf den letzten Metern ist dennoch nicht auszuschließen. Dann allerdings stĂŒnde deren Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser allein auf weiter Flur, da die SPD in einer rot-roten Koalition erklĂ€rtermaßen die Rolle des Juniorpartners ablehnt. So hat sich die 49-jĂ€hrige Fraktionsvorsitzende selbst als Ziel nur 26,6 bis 28 Prozent gesteckt. Kurios: Sollte die Linke am 27. September als Erste durchs Ziel gehen, könnte ausgerechnet die lange Zeit von MachtkĂ€mpfen zerrissene CDU mit einer VerlĂ€ngerung der seit 1999 bestehenden rot-schwarzen Koalition rechnen.

Einer Ampelkoalition mit FDP und GrĂŒnen gibt SPD-Vormann Platzeck mittlerweile keine Chance mehr, da die GrĂŒnen nach seiner EinschĂ€tzung nicht den Sprung ins Parlament schaffen werden. Mit ziemlicher Sicherheit wird dieses Mal in dem 88-köpfigen Parlament keine rechtsextreme Partei sitzen, denn DVU, NPD und Republikaner liegen derzeit in Umfragen abgeschlagen unter der FĂŒnf-Prozent-Marke.

SPD-GeneralsekretĂ€r Klaus Ness hofft derweil auf einen «Last-Minute-Effekt»: 2004 hĂ€tten zehn Prozent der WĂ€hler erst in der letzten Woche vor der Wahl entschieden, wem sie ihre Stimme geben. Und fast trotzig versucht er, der Spitzenkandidatur von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bei der Bundestagswahl in Brandenburg etwas Gutes abzugewinnen. Daraus habe bislang jedes Bundesland Nutzen gezogen. «Wir werden von Steinmeier profitieren.»

Schmorgurken und Gesang - lesen Sie auf Seite 2, wie die Spitzenkandidaten der anderen Parteien auf Stimmenfang gehen

Kerstin Kaiser, Spitzenkandidatin der Linken, gibt im Wahlkampf gleich doppelt den Ton an: Die 49-JĂ€hrige ist nicht nur Spitzenkandidatin der Linken, sondern auch eine gute SĂ€ngerin. Zusammen mit ihrem Mann, einem Gitarristen, stimmt die Fraktionsvorsitzende gern sozialkritische Lieder an. Die Mutter von vier Kindern wirbt beharrlich fĂŒr Rot-Rot und begrĂŒndet dies mit programmatischer NĂ€he beider Parteien. Sie könnte allerdings Opfer ihres eigenen Erfolgs werden, wenn die Linke die nur knapp fĂŒhrende SPD ĂŒberflĂŒgeln sollte: Die Sozialdemokraten stĂŒnden nicht als Juniorpartner bereit und wĂŒrden wohl mit der CDU weiterregieren. Auf die FĂŒĂŸe fallen könnte der Diplom-Slawistin, dass sie in ihrer Studentenzeit Kommilitonen fĂŒr die DDR-Staatssicherheit bespitzelte - sie gestand dies in den 90er Jahren als jugendlich-naiven Fehler ein.

Havel-Zander von der Mathe-Professorin

Scharfe Attacken gegen den politischen Gegner sind nicht die Sache von Johanna Wanka, vielmehr bevorzugt sie die leiseren Töne. Dies gilt auch im Umgang mit ihren CDU-Kollegen, so dass sich die Kulturministerin nach einem langen internen Machtkampf Anfang des Jahres als Kompromisskandidatin fĂŒr den Landesvorsitz empfahl. Seither steht die 58-jĂ€hrige Mathematik-Professorin aus Merseburg an der Spitze der mĂ€rkischen Christdemokraten, die sie am liebsten ein weiteres Mal in eine Koalition mit der SPD fĂŒhren wĂŒrde. Mit gut 20 Prozent in Umfragen reklamiert Wanka realistischerweise nicht das Amt der Regierungschefin fĂŒr sich, ist aber auch sonst zurĂŒckhaltend. So bringt die zweifache Mutter eher Kochrezepte fĂŒr Schmorgurken oder Havel-Zander unters Volk, als dass sie auf die Konkurrenz eindrischt.

Der «Anwalt der Mitte»

Hans-Peter Goetz fordert auf Plakaten getreu der FDP-Linie «Mehr Netto vom Brutto» und prĂ€sentiert sich als «Anwalt der Mitte». Im Straßenbild Brandenburgs ist der 48-jĂ€hrige Jurist und GeneralsekretĂ€r der Landespartei zwar weniger prĂ€sent als andere Spitzenkandidaten, nichtsdestotrotz hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: mindestens 10 Prozent, nach kargen 3,3 vor fĂŒnf Jahren. In Umfragen kommt die FDP immerhin auf 8 Prozent. Goetz strebt eine Ampelkoalition mit SPD und GrĂŒnen an. Sie soll unter anderem ausreichend Schulunterricht garantieren und den lĂ€ndlichen Raum entwickeln.

Die GrĂŒnen-Doppelspitze

Nach zehn Jahren als LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin geht Marie Luise von Halem als Spitzenkandidatin ins Rennen. Die aus MĂŒnchen stammende Germanistin und Skandinavistin zog 1997 nach Potsdam; ihre Familie kommt aus Brandenburg. An der Seite der 46-JĂ€hrigen ist der Landesvorsitzende Axel Vogel zweiter Spitzenkandidat, ein MitgrĂŒnder der GrĂŒnen von 1980 und kurzzeitiger Bundestagsabgeordneter. Das Duo konzentriert sich im Wahlkampf auf klassische GrĂŒnen-Themen, etwa den Ausbau erneuerbarer Energien. Zudem tat sich von Halem mit scharfer Kritik an der Stasi-Vergangenheit von Linken hervor - etwas, was CDU und SPD vermeiden.

Rechtsextremisten haben kaum Chancen

Nach zehn Jahren im Landtag kĂ€mpft Liane Hesselbarth mit ihrer DVU ums politische Überleben. Laut Umfragen hat die Partei kaum Chancen, wieder ins Parlament zu kommen. Die 47-jĂ€hrige Rechtsextremistin ist mit ausgeprĂ€gtem Nationalismus und abwertenden Slogans gegen osteuropĂ€ische Arbeiter auf Stimmenfang.

mac/iwe/news.de/dpa/ap

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig

Brandenburg: Platzeck setzt ganz auf den «Last-Minute-Effekt» » Politik » Aktuelles

URL : http://www.news.de/politik/855025321/platzeck-setzt-ganz-auf-den-last-minute-effekt/1/