Sa., 25.05.13

Elektromobilität Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt

Wolfgang Tiefensee (Foto)
News.de-Kolumnist Wolfgang Tiefensee. Bild: news.de

Von Wolfgang Tiefensee
Leise und sauber in die Zukunft: Das ist das Versprechen der Elektroautos. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee fordert in der news.de-Kolumne, sofort mit dem Umdenken anzufangen. Nur so könne sich Deutschland an die Spitze setzen.

Werfen wir einen Blick ins Jahr 2020: Der Verkehr hat drastisch zugenommen. Gleichzeitig rückt das Ende fossiler Brennstoffe immer näher. Die Tankfüllung kostet ein kleines Vermögen.

Lange bestand die Gefahr, dass Mobilität nicht mehr für alle zu haben ist, dass der Klimawandel durch immer mehr CO2-Ausstoß fortschreitet und dass immer mehr Menschen in den Städten und Ballungsgebieten von Verkehrslärm und Gestank gequält werden. Gut, dass bereits vor vielen Jahren eine Strategie entwickelt wurde, um gegenzusteuern: Die Strategie «Weg vom Öl». Sie hat ein Umdenken bei der Fahrzeugtechnik, hat ein neues Mobilitätsverhalten bewirkt.

Wo einst jedes Auto, jeder Lkw, jeder Bus klimaschädliche Schadstoffe in die Luft hustete und teures Benzin in den Zylindern verpuffte, sorgen nun mehr und mehr hocheffiziente Elektromotoren - gespeist aus leistungsstarken Batterien oder Brennstoffzellen - für emissionsfreien und leisen Verkehr. Bereits eine Million Menschen sind mit Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen unterwegs, insbesondere auf kurzen Strecken im Stadtverkehr.

Wolfgang Tiefensee
Olympia, die Bahn und ein Cello

Keine Utopie, sondern ein greifbares Ziel.

Zurück ins Jahr 2009: Mit der Elektromobilität stehen wir hier und heute vor einer technologischen Zeitenwende, einer Revolution im Verkehrsbereich. Wir dürfen keine Sekunde länger warten. Jetzt müssen kundenfreundliche, leistungsstarke Elektroautos entwickelt werden, damit sie rasch auf den Markt kommen und Schritt für Schritt ihren Siegeszug feiern können. Wir wollen mit der Elektromobilität raus aus der Nische - rein in den Massenmarkt.

Die Voraussetzungen sind gut: insgesamt 500 Millionen Euro stehen aus dem Konjunkturpaket II zur Förderung bereit. Zudem läuft seit 2006 unser Förderprogramm zur Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie – ebenfalls 500 Millionen Euro schwer.

Unser Ziel: Deutschland muss Leitmarkt für Elektromobilität werden, mit seinen hervorragenden Ideen zum Marktführer für moderne Antriebstechnologien werden. Hier soll geforscht und entwickelt werden. Hier sollen die Patente liegen. Hier sollen die Fahrzeuge produziert und auf die Straße gebracht werden. Damit sichern wir hochwertige und zukunftsfähige Arbeitsplätze.

Ganz konkrete Förderprojekte sind bereits angelaufen: In Hamburg, Bremen/Oldenburg, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Stuttgart, München, Sachsen und Berlin/Potsdam wird Elektromobilität unter realen Bedingungen entwickelt und effektiv gefördert. 115 Millionen Euro geben wir hierfür aus, die gleiche Summe privater Investitionsmittel kommt hinzu.

In diesen acht «Modellregionen Elektromobilität» sitzen alle Beteiligten an einem Tisch: Politik, Industrie, Wissenschaft und Kommunen. Sie erarbeiten gemeinsam Antworten auf die noch offenen Fragen. Welche Anforderungen müssen kundentaugliche, technisch leistungsfähige Fahrzeuge erfüllen, um auf dem Markt zu bestehen? Wo und wie kann eine sichere Ladeinfrastruktur aufgebaut werden?

Wir erproben neueste Hybrid-Technologie bei Bussen, Lkw und auf der Schiene. Neue Mobilitätsangebote verknüpfen privaten und öffentlichen Verkehr. Elektrofahrräder und batteriebetriebene Motorroller gehören genauso dazu wie Nutzfahrzeuge im Wirtschafts- und Lieferverkehr. In Dresden und Leipzig werden beispielsweise Dieselhybridbusse im öffentlichen Personenverkehr eingesetzt, Elektrofahrzeuge in Carsharing- und Taxiflotten integriert.

Dank dieses Programms werden wir schon bald mehrerer Hundert Elektrofahrzeuge namhafter Unternehmen auf den Straßen und eine dreistellige Zahl Ladestationen sehen. Wir werden diese Erfahrungen nutzen, um rechtzeitig ein umfassendes Markteinführungsprogramm auf den Weg zu bringen. Selbstverständlich werden wir auch prüfen, ob finanzielle Anreizsysteme notwendig sind. Unser Motto lautet: Wir setzen den Verkehr unter Strom. Gewinner sind die Autofahrer, Anwohner, Umwelt, Industrie und Arbeitnehmer.

Wolfgang Tiefensee ist Mitglied im news.de-Kolumnistenkreis und Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Zudem ist der SPD-Politiker, der von 1998 bis 2005 Oberbürgermeister von Leipzig war, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder.

Nächste Woche im news.de-Kolumnistenkreis: Barbara Lochbihler

mik/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • harald fetting
  • Kommentar 3
  • 16.09.2009 10:17
 

herr tiefensee hat null ahnung er redet nur blödes zeug.... wer will 4 stunden auf der tankstelle warten bis die batterie geladen ist ??? der tag hat 24 stunden,jede tankstelle müßte die fläche eines fußballfeldes anmieten,nur um batterien zu laden, einfach lächerlich!!! nach ca. 200 mal laden ist die batterie sogut wie hin und hat keine leistung mehr... die kosten einer neuen batterie belaufen sich auf ca. 6000.00eu, also völlig unrealistisch.... mfg harald fetting

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  • Gerd Küchenmeister
  • Kommentar 2
  • 15.09.2009 20:09
 

Vor jeder Wahl haben unsere Politiker gluge Gedanken; aber nach der Wahl griegen Sie kalte Fuesse vor der Wirtschafts-Lobby! ... Elektroautos ? Alles gut und schoen, aber dann muessen alle an einem Strang ziehen, und vor allem unsere Politiker duerfen sich durch die Wirtschafts-Lobby nicht erpressen lassen. Es ist der richtige Weg zur Schaffung neuer Wirtschaftszweige bzw. ein Beitrag zum Umweltschutz. Und das ist nur ein Rad im Getriebe der Wirtschafts-Uhr! P.S. Wenn nur ein Raedchen fehlt, dann geht die Uhr falsch.

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  • bla
  • Kommentar 1
  • 15.09.2009 09:37
 

Wie lange dauert die Entwicklung eines Autos ? 3 Jahre ? Ach und jetzt sind plötzlich schon welche serienreif ? Da hat wohl jemand verpennt oder wurde eingeschläfert, damit alle nochmal die Spritfresser kaufen. Überall dieser Hype um Elektroautos, scheinbar sind sich heute alle einig darüber, dass Autos dann ohne Energie fahren. Das ist wie Obst im Supermarkt kaufen, dann braucht man es nicht mehr anbauen. Man ist die Menschheit naiv geworden !

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