So., 12.02.12
USA

Kommentar zur US-Gesundheitsreform Ein schwieriger Patient

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz

Artikel vom 25.07.2009

Barack Obama muss seine Pläne für eine Gesundheitsreform zumindest für diesen Sommer begraben. Der Erfolg der Reform ist jedoch nicht nur für den Präsidenten ungemein wichtig. Auch die amerikanische Gesellschaft lebt schon viel zu lange in einem kranken System.

Eigentlich müsste es doch so einfach sein. Betrachtet man die Fakten, ist die Sachlage klar. Das Gesundheitswesen der USA ist das teuerste der Welt. Millionen bezahlen Unmengen für eine schlechte Police, die die Menschen bei medizinischen Kosten im Zweifel im Regen stehen lässt. 47 Millionen Amerikaner besitzen darüber hinaus keine Krankenversicherung.

Eine Reform muss also her. Wer sollte da widersprechen? Schließlich verschwendet niemand gerne Geld und eine Krankenversicherung sollte so normal sein, wie einen Personalausweis zu haben. Doch diese Logik erschließt sich vielen Amerikanern nicht – leider.

Der Glaube an die Verantwortung des Einzelnen und die stets vorhandene Skepsis gegenüber jeder Reform, die aus Washington für alle 50 Bundesstaaten vorgegeben wird, überdecken manches, was eigentlich notwendig ist. Warum sollte sich der Einzelne auch darum kümmern, ob sein Nachbar eine Versicherung hat oder nicht?

Das Problem des maroden Gesundheitssystems ist daher ein hoch emotionales Thema in den USA. Barack Obama versucht alles, um die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer Pflichtversicherung zu überzeugen. Daran ist jedoch schon Bill Clinton 1993 gescheitert. In seiner Präsidentschaft hat er sich davon fast nicht mehr erholt.

Bleibt zu hoffen, dass es Obama nicht ähnlich geht. Denn das Land braucht diese Reform dringend. Nicht nur, um endlich alle Menschen versichert und damit abgesichert zu wissen. Mittelfristig werden sich die USA ihr derzeitiges System auch nicht mehr leisten können. Obamas Strategie, die Menschen auch bei ihrem Portemonnaie zu greifen, ist also nicht schlecht. Reicht aber noch nicht.

Dass der Senat entschieden hat, nicht mehr vor der Sommerpause über das Gesetz zu entscheiden, ist ein Rückschlag für Obama. Aber vielleicht kann der Mann, der gegen so viele Widerstände sein Ziel erreicht hat, diesen Rückschlag auch in eine Stärke ummünzen. Er hat Zeit, seine Kräfte neu zu ordnen, noch mehr Menschen, Institutionen und vor allen Dingen politische Gegner auf seine Seite zu ziehen.

Gelingt es ihm, wird er in die Geschichtsbücher nicht nur aufgrund seiner Hautfarbe eingehen. Dann wird er einer der ganz großen amerikanischen Präsidenten werden. Scheitert er, hat Obama persönlich immer noch genug Zeit, ein guter Präsident zu werden. Doch: Der so uneinsichtige Patient Amerika wird dann weiterhin an einem Tropf hängen, der ihn nicht heilen kann.

mik/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 11.09.2009 11:34
von
ragnaroekr

Dem Grundsatz des Kommentars von Frau Havertz, der Empfehlung zu einer öffentlichen Zwangsversicherung im Gesundheitsbereich, widerspreche ich. Dieser Grundsatz ist wegen des beharrlichen Lärmens des Kommunitarismus entstanden, dass jeder jeden bevormundet, ja bevormunden soll. Hierdurch entstehen Netzwerke von Kümmerern, neuzeitlichen professionellen Fürsprechern und Superbürokratien, das Trio infernale gegen den gesunden Menschenverstand, die Privatautonomie und den Sinn jeder personalen Lebensplanung. Kurz: Der Kommunitarismus ist falsch, weil er nicht begründbar ist. Denn was berechtigt ihn denn zur Fürsprache? Was ist das ihn rechtfertigende Prinzip? - Kommens mir ja nicht mit Liebe!

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