Mo., 13.02.12

Anschläge in Indonesien Ziele für den globalen Dschihad

Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein

Artikel vom 17.07.2009

Nach einer jahrelangen Terrorwelle schien Indonesien zur Ruhe gekommen zu sein. Jetzt aber erschütterten neue Anschläge die Hauptstadt Jakarta. Die radikalen Islamisten haben nicht aufgegeben – und internationale Hotels sind beliebte Ziele der Dschihadisten.

Die Explosionen trafen Jakarta unerwartet. Es war doch alles ruhig gewesen in den vergangenen Jahren, die militanten Islamisten schienen unter Kontrolle. Der gerade mit eindrucksvoller Mehrheit wiedergewählte Staatspräsident Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, verdankte seine Popularität nicht zuletzt der Tatsache, dass er es geschafft hatte, den Terror in dem Inselstaat zu beenden.

Jetzt aber ist die Gewalt zurück. Mindestens neun Menschen starben am Morgen bei Bombenanschlägen in zwei Luxushotels der indonesischen Hauptstadt, dutzende weitere wurden verletzt. Noch kann über die Hintergründe der Tat nur spekuliert werden. Eins aber scheint jetzt schon klar: Die Hoffnung, der größte muslimische Staat der Welt habe sein Terrorproblem überwunden, war trügerisch.

Dabei hatte die indonesische Regierung international viel Lob bekommen für ihren Weg der Terrorbekämpfung. Anders als die Diktaturen Arabiens hatte die junge indonesische Demokratie gefasste Gewalttäter in rechtsstaatlichen Verfahren abgeurteilt – und ihnen damit die Möglichkeit genommen, sich als Märtyrer zu präsentieren. Erst vor einem guten Jahr wurden zwei Terroristenführer von einem Gericht in Jakarta zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihre Organisation, die Jemaa Islamiya (JI), wurde zur illegalen Gruppierung erklärt.

Seit Anfang des Jahrtausends war die Jemaa Islamiya mit einer Reihe blutiger Anschläge in die Schlagzeilen gerückt. Im Oktober 2002 starben mehr als 200 Zivilisten, darunter viele Ausländer, bei einem Autobombenanschlag auf der indonesischen Ferieninsel Bali. 2003 wurde das Marriott-Hotel in Jakarta zum Ziel einer Attacke – eine jener Herbergen, die auch jetzt wieder angegriffen wurde. Damals starben 12 Menschen, 150 wurden verletzt. 2004 traf es die australische Botschaft in Jakarta, 2005 gingen erneut auf Bali Sprengsätze hoch.

Ziel der JI und ihres Führers Ridwan Isamuddin Hambali war die Errichtung eines «Kalifates» in ganz Südostasien. Ihr fundamentalistischer islamischer Staat sollte neben Indonesien auch Malaysia, Singapur, Thailand, die Philippinen, Brunei und Kambodscha umfassen. Viele Mitglieder der Gruppe hatten am Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan teilgenommen, nach ihrer Rückkehr wandten sie sich gegen die Regierungen ihrer Heimatländer.

Die Vermutung liegt nahe, dass auch die heutigen Anschläge auf das Konto der Jemaa Islamiya gehen. Auch wenn Indonesien in den vergangenen Jahren von Attentaten verschont blieb: Das Gedankengut der Islamisten war keineswegs verschwunden. Immer wieder gab es Meldungen über fundamentalistische Gruppen, die mit Pöbeleien und Schlägertrupps versuchten, der traditionell sehr toleranten indonesischen Gesellschaft ihre rigiden Moralvorstellungen aufzuzwingen.

Die Bombenanschläge richteten sich nun aber weniger gegen die Bevölkerung Jakartas. Die Ziele waren bewusst gewählt, denn in Luxushotels wie dem Marriott und dem Ritz-Carlton verkehren viele Ausländer. In diesen internationalen Knotenpunkten der Geschäftsreisenden und Touristen ist der verhasste Westen leicht zu treffen. Keine Einreisekontrollen und Visavorschriften behindern hier den globalen Dschihad.

Deswegen werden gerade in islamischen Ländern immer wieder Hotels attackiert: Im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich 2005 sterben mehr als 60 Menschen, fast ebenso viele noch im gleichen Jahr in der jordanischen Hauptstadt Amman. Im September 2008 reißt eine Autobombe vor dem Marriott-Hotel in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad 54 Menschen in den Tod, zwei Monate später gehören beim Angriff muslimischer Terroristen auf die indische Metropole Bombay Luxushotels wie das «Taj Mahal» zu den wichtigsten Zielen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Noch etwas nämlich macht Anschläge auf Ausländer für Terroristen attraktiv: Während Bomben in Bagdad oder Kabul im Westen kaum noch wahrgenommen werden, wenn «nur» Iraker oder Afghanen sterben, stehen tote Europäer, Australier oder Amerikaner sofort im Fokus der Weltöffentlichkeit. Dann bleiben die Touristen aus, und das trifft wieder die heimische Regierung, die Wirtschaft. Die Aufmerksamkeit ist den Tätern gewiss. Das haben auch die Attentäter von heute Morgen bereits geschafft.

san
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