Sa., 04.02.12

Kernkraftwerk-Katastrophe «Deutschland ist nicht Tschernobyl»

Von news.de-Redakteur Björn Menzel

Artikel vom 25.04.2009

Vor 23 Jahren hat sich in Tschernobyl eine nukleare Katastrophe ereignet. Ein Forschungszentrum beschäftigt sich mit Störfällen in Kernreaktoren und kann die Frage beantworten, ob eine Tschernobyl-Katastrophe auch in Deutschland droht.

Kernkraftwerke in Deutschland sind nicht mit den Tschernobyl-Reaktoren vergleichbar. Das ist die Meinung von Siegfried Mittag. Er ist Physiker im Dresdner Forschungszentrum (FZD), Institut für Sicherheitsforschung, und untersucht die physikalisch-technischen Vorgänge in Kernreaktoren im Hinblick auf ihre Sicherheit. «Die Katastrophe von Tschernobyl passierte in einem sogenannten RBMK, einem Reaktortyp, der nur in der früheren Sowjetunion entwickelt und gebaut wurde. Der wesentliche Unterschied ist, dass alle 17 deutschen Kernkraftwerke mit Leichtwasser-Reaktoren (LWR) betrieben werden», sagt Mittag.

Nicht ohne Grund sei die große Mehrzahl aller Kernkraftwerke (KKW) weltweit mit Leichtwasser-Reaktoren ausgestattet. «Diese etablierte Technologie genügt sowohl sehr hohen Sicherheitsstandards als auch den Anforderungen der Wirtschaftlichkeit», sagt Mittag. Hunderte von LWR werden bereits seit Jahrzehnten betrieben, laut Mittag ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die Mehrbelastung in der Nähe der deutschen KKW liege im Jahresdurchschnitt unter einem Prozent der mittleren natürlichen Radioaktivität im Land.

Es gibt laut Gutachten Gebiete auf der Erde mit einer mehrfach natürlichen höheren Radioaktivität, das heißt , mit um mehrere hundert Prozent höheren Werten. «Ohne nachweisbare negative Auswirkungen auf die dort lebende Bevölkerung», sagt Mittag. Wer behaupte, dass Menschen in der Nähe deutscher KKW gesundheitliche Schäden durch KKW-Radioaktivität erlitten haben, erzähle schlicht und einfach die Unwahrheit. Mittag: «Nicht einmal im weltweit schlimmsten KKW-Störfall in einem Leichtwasser-Reaktor gab es eine gesundheitliche Beeinträchtigung sowie eine relevante Mehrbelastung der Umwelt.» Der Physiker bezieht sich auf den Störfall in Harrisburg in den USA im Jahr 1979.

LWR sind so gebaut, dass eine Erhitzung im Reaktorkern immer automatisch zur Drosselung der Kernspaltung, das heißt zur Abkühlung führt. Dies funktioniert «ganz von selbst», ohne Eingriff der Reaktor-Bedienmannschaft und auch ohne Steuergeräte. Bei Verlust des Kühlwassers bricht die Kettenreaktion der Kernspaltung sofort vollständig zusammen. Diese «innewohnende Sicherheit» ist im Tschernobyl-Reaktortyp nicht permanent gewährleistet. Außerdem war laut Mittag der Abschalt- und Steuermechanismus des RBMK eine fatale Fehlkonstruktion.

Darum ist sich der Physiker sicher: «Eine Reaktorexplosion wie in Tschernobyl ist in einem LWR allein durch die andere Bauweise ausgeschlossen.» Trotzdem seien LWR nicht völlig unproblematisch, wie gerade der Harrisburg-Störfall vor 30 Jahren gezeigt habe. Nach einem Kühlwasser-Verlust hatten sich dort Brennstäbe trotz zusammengebrochener Kettenreaktion allmählich erhitzt – durch Wärmefreisetzung aus radioaktiven Spaltprodukten. Aufgrund fehlender Kühlung sind einige Brennstäbe dann sogar geschmolzen.

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Kernkraftwerk-Katastrophe: «Deutschland ist nicht Tschernobyl» » Politik » Nachrichten

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Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 22.05.2009 11:02
von
Antwort auf Kommentar 1

Du hast voll Recht!!^^ wir halten zusammen

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  • Kommentar: 3
  • 22.05.2009 11:00
von

Sie sind doch....entschuldigung aber....echt dumm.Es kann überall passieren!Schützt unsere umwelt...Die Kinder aus Tschernobyl, die müsstet ihr mal sehen!Schlimm!!Und ich bin erst 13 Aber ich Verstehe was davon!ICH habe eigentlich andere intressen aber DAS geht mir echt ans Herz und dass, soll was bedeuten also lasst es einfach seien!Als ob das in tschernobyl nicht genug war!...Dann lieber 10 Windkrafträder neben dem Haus als ein Athomkraftwerk in 100km entfernung!!

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  • Kommentar: 2
  • 29.04.2009 16:18
von

Der Mann ist Physiker an einem renommierten Institut. Ich kenne leider keinen Kernkraftgegner persönlich, von dessen Kompetenz und Qualifikation ich überzeugt bin. Die meisten glänzen mit Halbwissen, selbstgebasteltestem Heiligenschein und werfen ihre Erkenntnisse apodiktisch auf den Markt, meist sehr polemisch. Ich gebe zu, einfach und offensichtlich ist die Kernenergie, wie alle Hochtechnologie, für uns Nichtfachleute schwer zu verstehen. Es gibt sicher auch offene Fragen wie Endlagerung und Querverbindungen zur Kernwaffentechnologie. Aber dieser Kommentar ist einfältige Ideologie, hilft kei

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  • Kommentar: 1
  • 28.04.2009 22:15
von

Glaubt der Mann wirklich, was er sagt, oder ist er korrupt? Toll, wenn er ein paar Sachen der Physik verstanden hat. Aber das total mit Scheuklappen. Harrisburg ohne Schaden für die Menschen? Woher weiß der das? Vieles spricht für das Gegenteil. AKWs ohne negative Auswirkung auf die Umwelt?? Wie bekloppt. Das stimmt noch nicht einmal, wenn man nur das AKW betrachtet und alles andere ausblendet, vom Uranabbau über die militärische Verquickung bis zum Atommüll. Dass der Herr aus Rossendorf frech behauptet, die Strahlung eines AKWs sei ungefährlich, verleugnet die permanente, aber wahrscheinlich wechselnde Abgabe radioaktiver Substanzen über Abluft und Kühlwasser. Die erhöhten Krebsraten sind belegt. Wer die abstreitet, nur weil er sie aus seinen Modellen, Theorien und Wissenslücken heraus nicht erklären kann oder will, hat elementare wissenschaftliche Grundlagen nicht verstanden und sollte nicht dumm schwätzen, sondern erst einmal seine Modelle überprüfen.

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