Kaum Fortschritte gegen den «gelernten Rassismus»
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Von news.de-Redakteur Jan Berger
Randolf Jorberg lebt in Kapstadt. Der deutsche Internetunternehmer fühlt sich wohl, sieht jedoch auch die großen Probleme in Südafrika. Für ihn besteht das Land aus zwei Teilen mit ganz verschiedenen Lebenswirklichkeiten.
«Die Kriminalität in Südafrika hält jeder für dramatisch», sagt Randolf Jorberg. «Aber so schlimm ist es hier in Kapstadt nicht. Die schlimmen Geschichten kommen aus Johannesburg.» Der deutsche Internetunternehmer hat seit zwei Jahren ein Haus in Kapstadt, lebt dort vor allem in den Wintermonaten. «In Kapstadt laufe ich auch nachts durch die Straße, obwohl viele Afrikaner sagen, man soll das nicht machen.» Schlechte Erfahrungen habe er dabei nie gemacht. Nur in die Townships, die Armenviertel, die es in allen Städten gibt, geht er kaum. «Da passiert es häufiger, dass Supermärkte von bewaffneten Gangstern überfallen werden.»
Aber auch Jorberg hat Kameras an seinem Haus und bekommt regelmäßig Besuch von einem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. In Gefahr fühlt er sich trotzdem nicht – wenigstens in Kapstadt und dem Westteil von Südafrika. «Erst Abseits der Provinz Westkap beginnt das typische Afrika», sagt der 27-Jährige. Während in Kapstadt rund 30 Prozent Weiße leben und nur 50 Prozent Schwarzafrikaner, sind 90 Prozent der Einwohner von Johannesburg Schwarzafrikaner. «Es ist eine völlig andere Welt», sagt Jorberg. Dort fühlt auch er sich nicht wohl.
Besonders in den Norden, wo auch die größte Stadt Johannesburg liegt, kommen Ausländer aus ganz Afrika. Sie sehen in Südafrika ein schillerndes Musterland und erwarten sich dort ein besseres Leben. Doch sie merken schnell, dass es nicht so einfach ist, zu Geld zu kommen. Jorberg hat erlebt, wie Parkplatzordner ihn vor Kollegen gewarnt haben: «Die sind böse, das sind Nigerianer.» Trotz der zahlreichen Nationen und Hautfarben, die in Südafrika leben, fällt ihm dieser «gelernte Rassismus» häufig auf. Befeuert wird der vor allem durch das schlechte Bildungssystem.
«Bildungsgrenzen sind auch Farbgrenzen», sagt Jorberg. Vor allem in den Townships habe sich auch 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid wenig verbessert. «Bis vor kurzem kosteten alle Schulen noch Gebühren», sagt Jorberg. «Auch wenn es nur 100 Rand – rund zehn Euro – im Jahr waren. Für einige Eltern in den Townships ist das schon Grund genug, die Kinder nicht in die Schule zu schicken.» Zwar gibt es in den Armenvierteln keine Schulgebühren mehr, aber die Lehrer seien deutlich schlechter ausgebildet als andere. Schulen in besseren Vierteln kosten noch immer etwa 5000 Rand – für eine Mutter, die als Dienstmädchen etwa 150 Rand am Tag verdient, ein kleines Vermögen.
Jorberg hat Rassismus noch nicht selbst gespürt. «Ich werde in aller Regel für einen Touristen gehalten.» Im Alltag werde er als Weißer genauso wie ein wohlhabender Schwarzer behandelt. Andere Erfahrungen machen arme Schwarze. «Die Unterschiede zwischen den Schwarzen sind vor allem finanziell bestimmt.» Die Angleichung der Lebensverhältnisse – sowohl zwischen Schwarz und Weiß, als auch unter den Schwarzen – ist nach Jorbergs Ansicht das drängendste Problem in Südafrika. Es zu lösen, ist die größte Herausforderung für die neue Regierung – und die Menschen, die im Kap-Staat leben, hoffen, dass es gelingt.
Randolf Jorberg wurde 1981 in Deutschland geboren. Seit 2007 hat er ein Haus in Kapstadt und lebt dort mit seiner Freundin. Etwa sieben Monate im Jahr verbringt er in Südafrika und betreibt von dort Internetprojekte wie das Kapstadt Magazin und eine südafrikanische Wetter Seite.
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