Wie am 11. September
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Von Daniela Pegna
Artikel vom 22.04.2009Die Angeklagten hätten ein spektakuläres Attentat im Sinn gehabt, meint die Staatsanwaltschaft. Vorbild: die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Zum Prozessauftakt äußerte die Verteidigung der «Sauerlandgruppe» allerdings Zweifel an der Verwertbarkeit vieler Beweise.
Die vier mutmaßlichen Terroristen der «Sauerlandgruppe» wollten nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft in Deutschland einen Anschlag vom Ausmaß des 11. September verüben. Ziel der Islamisten sei es gewesen, mit mindestens drei Autobomben «die Feinde des Islam» - vornehmlich US-Bürger - zu vernichten, sagte Bundesanwalt Volker Brinkmann zum Auftakt des spektakulären Islamistenprozesses im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.
Die Bundesanwaltschaft wirft den zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, dem Deutsch-Türken Atilla Selek und dem Türken Yilmaz in der 40seitigen Anklageschrift die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord vor. Der 23-jährige Schneider muss sich zudem wegen versuchten Mordes verantworten, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll.
Grund für eine Entwarnung ist die Aushebung der mutmaßlichen Terrorzelle allerdings nach Ansicht von Experten nicht. Deutschland stehe nach wie vor im Fokus des internationalen und islamistischen Terrorismus, berichtete ein Sprecher des Bundeskriminalamtes. Dies bestätige nicht zuletzt ein erst vor knapp zwei Wochen aufgetauchtes Terror-Video mit Bezug auf Deutschland.
Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft waren die Angeklagten nach ihrer Ausbildung in einem pakistanischen Terrorcamp nach Deutschland zurückgekehrt, um hierzulande selbst für die Islamische Dschihad-Union (IJU) im «Heiligen Krieg» zu kämpfen. Mit ihren Sprengstoffanschlägen hätten sie möglichst viele amerikanische Bürger in Deutschland töten wollen. Als Mitglieder und Gründer einer deutschen Zelle der IJU seien sie erfüllt gewesen von einem abgrundtiefen Hass auf die USA als größtem Feind des Islam. Doch auch deutsche Opfer seien ihnen willkommen gewesen, sagte Staatsanwalt Ralf Setton. Die Angeklagten hätten ein medienwirksames Zeichen des Terrors setzen wollen.
Die Verteidiger der Angeklagten bezweifeln allerdings die Verwertbarkeit wichtiger Ermittlungsergebnisse der Behörden. Das gesamte Verfahren kranke an der Vermischung von Geheimdienst- und Verfassungsschutzinformationen, hieß es in einer Erklärung der Verteidiger von Selek und Yilmaz.
Gegen den Chemikalienhändler, der den mutmaßlichen Sauerland-Attentätern große Mengen des zum Bombenbau benötigten Wasserstoffperoxids verkauft hat, ermittelt unterdessen die Staatsanwaltschaft Verden wegen Beihilfe zur Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens sowie Verstoß gegen das Betäubungsmittel- und das Arzeimittelgesetz. Das Verfahren sei bereits im Juli vergangenen Jahres nach einer bundesweiten Razzia eingeleitet worden, bei der tonnenweise Chemikalien für die Herstellung synthetischer Drogen und von Sprengstoffen beschlagnahmt wurden, berichtete Oberstaatsanwältin Silke Streichsbier.
Zu den Kunden des 38-Jährigen Händlers zählten nach ihre Angaben zahlreiche Personen aus der Drogenszene. Er habe aber auch mit Substanzen zum Bombenbau gehandelt. «Als Chemiker hat er schon aus der Bestellliste erkennen müssen, was die Kunden vorhatten», begründete die Oberstaatsanwältin den Verdacht.
che
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