«Super-Terroristen» auf der Anklagebank
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Friedrich Kuhn
Artikel vom 22.04.2009«Deutschland sucht den Super-Terroristen» soll ihr Wahlspruch gewesen sein: Die «Sauerland-Gruppe» wollte mit Bombenanschlägen hunderte Menschen töten, meint die Staatsanwaltschaft. Ab heute müssen sich die Männer vor Gericht verantworten.
Die vier Islamisten der sogenannten «Sauerland-Gruppe» - Fritz G., Daniel S., Adem Y. und Atilla S. - wollten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Herbst 2007 in Deutschland im Namen Allahs mit gewaltigen Bomben ein Blutbad anrichten. Sie müssen sich ab Mittwoch in einem der größten Terrorprozesse der bundesdeutschen Geschichte vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf verantworten. Sicherheitskreise wiesen darauf hin, dass das Gericht vor einem verwirrenden und so gut wie nicht durchschaubaren Terrornetzwerk steht.
Die Gruppe habe zu einem «islamistischen Terror-Verbund» in Deutschland gehört, der sich mittlerweile mit einer Vielzahl von kampfbereiten radikal-islamischen Männern im Bundesgebiet verbreitet habe, sagte einer der Fahnder. Verfassungsschützer und Spezialisten des Bundesnachrichtendienstes (BND) gehen davon aus, dass in den vergangenen Jahren über 50 zum Islam konvertierte Männer aus Deutschland in den Terrorcamps in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion auf den «Heiligen Krieg» vorbereitet worden sind.
Ein fünfter Mann fehlt auf der Düsseldorfer Anklagebank. Es ist der Türke Mevlüt K. Er wurde in der Terrorszene «Der Chef» genannt. K. zog die Fäden im Terror-Netzwerk im Bundesgebiet. Er ist in seiner Heimat untergetaucht. Der Türke soll den vier islamistischen Bombenbauern sechs Zünder aus dem Kosovo und 20 Zünder aus der Türkei für die Bomben beschafft haben. Auch Atilla S. soll bei der Beschaffung der Zünder beteiligt gewesen sein.
Die Männer waren am 4. September 2007 nach einer halbjährigen Fahndung mit bisher nie bekanntem Aufwand von 600 Mitarbeitern der Sicherheitsbehörden in ihrem Versteck im beschaulichen Medebach-Oberschledorn im Sauerland gefasst worden. Seither ist die Rede von der «Sauerland-Gruppe».
Die Anschlagsvorbereitungen der Gruppe sind nach den Erkenntnissen der Fahnder von der Islamischen Dschihad Union (IJU) gesteuert worden. Sie hat ihre Wurzeln in Usbekistan, führt aber seit längerem die Ausbildungslager für Terroristen in Waziristan an der afghanisch-pakistanischen Grenze, in denen auch die «Sauerländer» besonders für die Anschläge in Deutschland ausgebildet worden sein sollen. Die IJU soll nur 100 bis 200 Terror-Spezialisten umfassen und an der Seite der al-Qaida stehen.
Die mutmaßlichen Sauerland-Terroristen wollten besonders gegen Amerikaner und ihre Einrichtungen in Deutschland mit der Sprengstoffkraft von rund 400 Kilo TNT vorgehen. Zum Vergleich: Bei dem Terroranschlag auf die U-Bahn von London 2005, bei dem 57 Menschen ums Leben kamen, hatten die Islamisten nur neun Kilo TNT eingesetzt. Eine der Parolen der «Sauerland-Gruppe» lautete: «Deutschland sucht die Super-Terroristen».
Deutsche Geheimdienste befürchten, dass der Düsseldorfer Prozess von islamistischen Anschlägen begleitet werden könnte. Ein Angehöriger des Verfassungsschutzes meinte, die Terroristen könnten in irgendeiner Weise Rache nehmen wollen und zeigen, dass sie die Angeklagten nicht allein lassen wollen. Erst am vergangenen Wochenende hatte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, vor den Terrorgefahren für Deutschland gewarnt. Die Ausbildung und Planung für Anschläge in Deutschland erfolgten insbesondere in den pakistanischen Terrorcamps.
Für den Düsseldorfer Prozess, der wahrscheinlich zwei Jahre dauern wird, gilt die höchste Sicherheitsstufe. Die Angeklagten sitzen hinter schussfesten Glasscheiben. Wachleute dazwischen sollen jeden Kontakt zwischen den Angeklagten verhindern. Sogar mit ihren Anwälten können die Angeklagten im Gerichtsraum nur über mehrere Luftlöcher in den Scheiben kommunizieren.
Der Vorsitzende Richter, Ottmar Breidling, gilt als ein Mann ohne Pardon. Er ist seit 1996 für Terrorprozesse zuständig. Erst im vergangenen Dezember hatte Breidling den gescheiterten Kofferbomber von Köln, Youssef al-Hajdib, wegen versuchten vielfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Kurz vor dem Auftakt des Terror-Prozesses ist offenbar ein neues Terrorvideo im Internet aufgetaucht. Darin hetze ein «Kommander Mohammad» gegen Deutsche und Juden, schreibt die Bild-Zeitung. Er nenne die Bundesregierung eine «verbrecherische Regierung», deren «Großvater Hitler» die Juden getötet habe. Urheber dieser dritten Videobotschaft mit Deutschlandbezug in diesem Jahr sei erneut die al-Kaida-nahe Islamische Bewegung Usbekistan (IBU). Das Video sei vor knapp zwei Wochen vom Verfassungsschutz auf einer usbekischen Homepage entdeckt worden.
che/mat/bjm
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Ein gegen Deutschland gerichtetes Drohvideo mit islamistischem Inhalt ist im Internet aufgetaucht. Das Terrornetzwerk El Kaida mehr ...
Razzien in Wohnungen und ein Sprengzünder im Schuh: Die Ermittlungsbehörden versuchen weiter, Terroristen in Deutschland und mehr ...
In Deutschland wurde die Islamische Dschihad-Union 2007 bekannt: Die «Sauerland-Gruppe» soll ihr angehört haben. Ihren mehr ...
Ein weiteres Drohvideo mutmaßlicher Islamisten alarmiert die Sicherheitsbehörden in Deutschland. An dem bei Youtube mehr ...
Wegen Beschaffung von Geld und Nachschubmaterial für das Terrornetzwerk Al Kaida muss sich ein 46-jähriger Deutsch-Pakistaner mehr ...
Ich frage mich warum keiner einfach "Wasserstoffperoxid+Bombe" googelt? Die Tatsache, dass die Bomben überhaupt mit Wasserstoffperoxid gebaut werden sollten, muss die meisten Zweifel an diesem Märchen aus tausend und einer Nacht aufkommen lassen. Die chemische Mischung, die dafür hergestellt werden muss, ist ein derart instabiler Sprengstoff, dass schon leichte Erschütterungen zur Explosion führen können. Die Herstellung und Lagerung ist also höchst gefährlich. Nicht umsonst hat dieser Sprengstoff industriell und militärisch praktisch keinerlei Bedeutung und nicht umsonst wurde bisher kein Anschlag mit ihm verübt. Wahrscheinlich tauchen Wasserstoffperoxid-Bomben deshalb immer wieder in den Terror-Meldungen der Medien auf, weil Wasserstoffperoxid zu den handelsüblichen Chemikalien gehört und sich damit leicht die Furcht vor dem „Terroristen von nebenan“ schüren lassen, der sich angeblich alles zum Massenmord Notwendige im Drogeriemarkt besorgen kann. Wäre es den Männern im Widerspruch zu aller Logik tatsächlich gelungen, den Sprengstoff herzustellen, so hätte zweifellos spätestens das Verladen in Fahrzeuge beziehungsweise die Fahrten zu den geplanten Anschlagszielen entweder zur Explosion geführt oder die Aufmerksamkeit von Behörden auf sich gezogen, da die Fahrt dann nur im Schritttempo erfolgt wäre.
jetzt antwortenKommentar meldenAlso, Peter mit deinem Kommentar kann ich absoluz nichts anfangen. Ich denke du solltest schon einmal ausführen was du denn so denkst oder warum du nur so kurz kommentierst ??
jetzt antwortenKommentar meldenHoffentlich setzen deutsche Richter mit einem entspr. Urteil einmal eine Marke für zukünftige Prozesse zum gleichen Delikt. Ich könnte mir vorstellen, dass sehr hohe Strafen eine kleine Abschreckung dartsllen wird. Ansonsten ist bei Fanatikern ja mit Bestrafung nicht beizukommen, da sie auf die Erfüllung im Jenseits warten. A B E R der Staat sollte aufhorchen und Maßnahmen in Erwägung ziehen z.b. Abschiebung und eingeschränkte Einreisemöglichkeit,Aufenthaltsverlängerung f. islamistische Völkergruppen nicht verlängern.Das gleiche für Duldungen etc. etc. Das Problem einfach langfristig verring
jetzt antwortenKommentar meldenFür wie verblödet halten sie ihre Leser?
jetzt antwortenKommentar melden