Der Präsident mit dem Maschinengewehr
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Timo Nowack
Artikel vom 21.04.2009
Er hat mehrere Frauen, war wegen Vergewaltigung und Korruption angeklagt und ist nahezu sicher Südafrikas nächster Präsident: Jacob Zuma. Er gilt als Überlebensstratege ohne klare Linie - doch die einfachen Leute lieben ihn und sein Lied vom Maschinengewehr.
Wenn Jacob Zuma «Umshini Wami» singt, beginnt er zu tanzen. Der kommende Präsident von Südafrika kreist mit den Hüften, hebt die Arme und ballt die Hände zu Fäusten. Seine Anhänger lieben das Lied aus den Zeiten des Anti-ApartheidDie Apartheid war die systematische Politik der sogenannten Rassentrennung zwischen der weißen und nicht-weißen Bevölkerung Südafrikas. -Kampfes, das Zuma zu seiner Wahlkampfhymne gemacht hat. Und wenn die Stimmen für seine Partei ANC nach der Wahl in Südafrika am Mittwoch ausgezählt sind - Meinungsforscher sagen ihr 65 Prozent voraus -, wird Zuma es wieder singen und Zehntausende seiner Anhänger mit ihm. Übersetzt heißt das Lied «Bringt mir mein Maschinengewehr».
Die Abstimmung in Südafrika ist eine Parlamentswahl, nach der die Parteien den Präsidenten bestimmen. Aber ANC-Kandidat Zuma hat durch seinen Tanz-und-Sing-Wahlkampf mit markigen Sprüchen auch eine Präsidentenwahl daraus gemacht – auch wenn er keine ernsthaften Konkurrenten hat. Dabei steht «Umshini Wami» für das, was diese Wahl und ihren populärsten Kandidaten ausmacht.
«Bringt mir mein Maschinengewehr» steht für den Kämpfer, Aufsteiger und Überlebensstrategen Jacob Zuma. Der heute 67-Jährige aus der Volksgruppe der Zulu wuchs in ärmlichen ländlichen Verhältnissen auf. Als er gerade drei Jahre alt war, starb sein Vater. So arbeitete er früh als Hirtenjunge und half seiner Mutter, die Familie zu ernähren. Die Schulbildung blieb dabei weitgehend auf der Strecke. Trotzdem arbeitet Zuma sich nach oben, trat der Befreiungsorganisation African National Congress (ANC) bei und saß mit Nelson Mandela zehn Jahre auf Robben Island im Gefängnis. Dort unterrichteten ihn seine Mithäftlinge im Lesen und Schreiben, in Englisch, Mathematik, Geschichtle und Politik. Als das Verbot gegen den ANC 1990 aufgehoben wurde, war Zuma einer der ersten Exil-Führer, die nach Südafrika zurückkehrten.
Seitdem wurde er von Gegnern und Beobachtern schon mehrmals für politisch tot erklärt. Zwar ernannte Präsident Thabo Mbeki ihn 1999 zum Vizepräsidenten Südafrikas, entließ ihn 2005 aber wegen Korruptionsvorwürfen. Ein Gericht ließ es wegen schwerer Mängel bei der Anklageerhebung jedoch nie zu einer Untersuchung oder einem Urteil kommen. 2006 saß der bekennende Polygamist Ein Polygamist lebt in der Ehe mit mehreren Partnern (Polygamie). Zuma, der mehrere Frauen und mindestens 14 Kinder hat, unter dem Vorwurf vor Gericht, er habe eine junge HIV-positive Frau vergewaltigt. Zuma sorgte für Spot und Entsetzen, als er erklärte, er habe sich mit einer heißen Dusche nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr gegen die Übertragung der tödlichen Krankheit geschützt. Trotzdem wurde er freigesprochen und feierte vor dem Gerichtgebäude mit seinen Anhängern singend das Urteil.
Sein großes Comeback kam Ende 2007: Bei der Neuwahl des ANC-Präsidenten triumphierte Zuma über Mbeki und gilt somit als Präsidentschaftskandidat seiner Partei. Weniger als ein Jahr später trat Mbeki geschwächt vom innerparteilichen Machtkampf als Staatspräsident zurück und überließ dem unscheinbaren Übergangspräsidenten Kgalema Motlanthe das Amt.
Zuma stand unterdessen im April 2009, kurz vor der Wahl, schon der nächste Skandal ins Haus. Die Staatsanwaltschaft stellte ein Verfahren wegen Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Betrug gegen ihn zwar ein. So verhinderte sie, dass Zuma sich als Präsident hätte vor Gericht verantworten müssen. Allerdings lieferte die Ermittlungsbehörde dafür die höchst umstrittene Begründung der politischen Manipulation des Verfahrens und konnte die Vorwürfe nicht entkräften.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Knapp zwei Wochen vor der Wahl in Südafrika ist ein Korruptionsverfahren gegen Präsidentschaftsanwärter Zuma eingestellt mehr ...
Für die Zulus in Südafrika ist das schmückende Leopardenfell Tradition. Ihr König trägt es und viele Mitglieder mehr ...
Opfer des Apartheid-Regimes in Südafrika können ihre Schadenersatzklagen gegen fünf Firmen weiter verfolgen. Diese sollen mehr ...
Eine weitere Tragödie in Afrika. Uganda, Sudan/Dafour,Kongo und Kenya sind wohl nicht genug. Ein weiteres vormaliges blühendes Land wird den Bach runter gehen, Nahrungsproduktion wird rückgängig, und Hilfen aus unseren Gefilden werden in die Taschen von Demagogen und Tyrannen verschwinden. Apartheid ist und war ein Übel, und die Weissen hätten damals im Süden Afrikas, der Kornkammer und Ernährer nahezu ganz Afrikas trotz deren Boykott Jene Weissen also, auch im ehemaligen Südrhodesien, hätten allmählig die schwarze Bevölkerung durch Bildung daß, was jetzt passiert verhindern können.
jetzt antwortenKommentar melden