«Echte Piraterie ist dreckig und brutal»
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Ein drittes US-Kriegsschiff ist auf dem Weg ins Piratengebiet am Horn von Afrika. Derweil haben auch die Seeräuber gekaperte Schiffe zusammengezogen. Seit Mittwoch halten vier Piraten US-Kapitän Richard Phillips in einem Rettungsboot als Geisel.
Wie der US-Sender CNN berichtet, nahmen Piraten mit vier gekaperten Schiffen Kurs auf das Boot, das rund 480 Kilometer vor der somalischen Küste treibt. Unter den beteiligten Schiffen sei auch die von Piraten gekaperte «Hansa Stavanger» mit fünf Deutschen und 19 weiteren Besatzungsmitgliedern gewesen. Offenbar wollten die Piraten den Kapitän nach seinem gescheiterten Fluchtversuch an Land bringen, weil sie dort bessere Ausgangsposition für Verhandlungen sahen.
Die Piraten hätten die «Hansa Stavanger» wegen der US-Militärpräsenz nahe dem Rettungsboot allerdings wieder zurück in den somalischen Hafen Eyl gesteuert, wie CNN unter Berufung auf einen somalischen Journalisten berichtete. Die Mannschaft der «Hansa Stavanger» muss weiter auf ihre Freilassung warten. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich weiterhin intensiv um eine Lösung des Falles, sagte eine Sprecherin in Berlin. Zu Details wollte sie sich nicht äußern.
Zurzeit ist mit der «USS Boxer» ein riesiges Landungsschiff mit Hubschraubern und medizinischen Einrichtungen auf dem Weg in den Brennpunkt. Das Kriegsschiff «USS Bainbridge» hält dort seit Donnerstagmorgen die Stellung neben dem Piratenboot, die Fregatte «USS Halyburton» verstärke sie inzwischen, berichtet CNN. Ein US-Militärsprecher sagte dem Sender, dass das amerikanische Militär Funkgespräche der Piraten abgehört habe. Im Falle eines Angriffs durch die US-Marine drohten die Piraten mit der Ermordung des 53-jährigen Richard Phillips.
Der US-Kommandeur für den Nahen und Mittleren Osten, General David Petraeus, kündigte die Entsendung weiterer Kriegsschiffe an. Die USA wollten «alle Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, die in den nächsten Tagen nötig sein könnten», sagte Petraeus nach Angaben der Washington Post in Florida. Wie viele Schiffe noch unterwegs sind, wollte auch sein Sprecher nicht sagen.
Den Seeräubern dürfte es nicht nur um Lösegeld, sondern vor allem um freies Geleit gehen. Auf dem Rettungsboot ist ihnen das Benzin ausgegangen. FBI-Experten sind in die Verhandlungen mit den Piraten eingeschaltet. Derzeit befindet sich noch ein Dutzend Schiffe mit mehr als 220 Besatzungsmitgliedern in der Hand somalischer Piraten.
Ein weiteres gekapertes Schiff, den norwegischen Tanker «Bow Asir» mit 27 Mann Besatzung, haben die Piraten am Freitag freigelassen. Es war zwei Wochen in der Hand der Seeräuber. Wie die Reederei Salhus Shipping AS mitteilte, ist der Kapitän Norweger, die Besatzung stammt von den Philippinen, aus Polen, Russland und Litauen. Die Reederei teilte nicht mit, ob Lösegeld gezahlt wurde. Laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB flossen 2,4 Millionen Dollar.
«Die Realität am Horn von Afrika weicht wesentlich von den Mythen um die Piraterie ab», kommentiert die britische Zeitung The Times. «Echte Piraterie ist dreckig, brutal und habgierig.» Es gehe um Angriffe auf die zivile Schifffahrt, ausgeklügelte Technik und tödliche Waffen. Und es gehe um Menschen, die als Geiseln genommen werden, weshalb es schwierig sei, ein Schiff mit Gewalt zurückzuerobern. «Piraterie muss mit internationalen Abkommen bekämpft werden. In Wirklichkeit handelt es sich nämlich um Terrorismus.»
iwi/jek
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