Abschluss des Staatsbesuchs Obama wirbt um Muslime

Barack Obama hat seine Europareise beendet. Eine erfolgreiche Reise, meinen seine Berater. Tatsächlich hat der US-Präsident viel Lob bekommen, vor allem aus dem Ausland, auch aus der islamischen Welt. Viele seiner Ziele aber sind von einer Verwirklichung weit entfernt.

Obama US Turkey (Foto)
US-Präsident Obama blickt auf eine erfolgreiche Reise zurück, meinen seine Berater. Bild: ap

Zum Abschluss seines Türkeibesuchs hat US-Präsident Barack Obama für eine neue Ära der Zusammenarbeit geworben. In einer Rede vor Studenten warb er am Dienstag in Istanbul darum, Vorurteile abzubauen und zu kooperieren. «Sie werden in den USA einen Freund und Partner finden», sagte Obama. «Sie können entscheiden, anstatt neuer Mauern neue Brücken zu bauen.» Gleichzeitig warb Obama in der Millionenmetropole am Bosporus um Vertrauen für seinen Idealismus.

Angesichts hochgesteckter Ziele wie einer Welt ohne Atomwaffen werde ihm vorgeworfen, er sei zu idealistisch. «Aber wenn wir es nicht versuchen, dann werden wir nicht viel erreichen», sagte Obama. Die Fragen der Studenten an den US-Präsidenten waren sehr höflich. Ein Student fragte immerhin, ob sich Obamas Regierung tatsächlich viel von der vorherigen unter Präsident George W. Bush unterscheiden werde. Obama erklärte, dass er in vielen Fragen andere Ansichten und Ziele habe als sein Vorgänger. Es werde jedoch Zeit brauchen, bis die Unterschiede zu erkennen seien. «Das Schiff des Staates zu manövrieren ist ein langsamer Prozess», sagte Obama.

Der US-Präsident erneuerte seinen Aufruf zur Zusammenarbeit: «Wir können es uns nicht leisten, aneinander vorbeizureden und uns nur auf unsere Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren.» Obama räumte ein, Amerika habe wie alle Länder Fehler und Schwächen. Die USA entsprächen jedoch nicht dem verbreiteten Klischee eines selbstverliebten und groben Landes. Am Vortag hatte sich der US-Präsident in einer Rede vor dem türkischen Parlament für eine engere Partnerschaft mit der islamischen Welt eingesetzt und dabei die Brückenfunktion der Türkei gewürdigt.

Vor dem Universitätsgebäude wurden bei einer Protestaktion etwa zehn linke Demonstranten von der Polizei festgenommen, wie ein Reporter der Fernsehnachrichtenagentur APTN beobachtete.

Am letzten Tag seiner achttägigen Europareise schaute sich Obama in Istanbul auch touristische Sehenswürdigkeiten an. Begleitet von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan besuchte er die Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Er sprach auch mit muslimischen, christlichen und jüdischen Religionsführern: In seinem Hotelzimmer traf Obama mit dem Großmufti und dem Oberrabbiner von Istanbul sowie dem armenischen und syrisch-orthodoxen Patriarchen zusammen. Der ökumenische Patriarch Bartholomäus I. dankte Obama später in einer Unterredung für dessen Einsatz für Religionsfreiheit und die Unterstützung einer türkischen EU-Mitgliedschaft, wie Sprecher Alexander Karloutsos erklärte.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim äußerte sich am Dienstag positiv über Obamas Bekenntnis zu einer Zweistaatenlösung im Nahost-Konflikt und seinem Angebot einer neuen Zusammenarbeit mit der muslimischen Welt. Seine Äußerungen seien wichtig und positiv, sagte Al-Muallim. Nun gelte es abzuwarten, wie die USA mit der neuen rechtsgerichteten israelischen Regierung umgingen.

Obamas Berater David Axelrod zog unterdessen ein positives Fazit der achttägigen Reise, die den Präsidenten unter anderem zum Weltfinanztreffen nach London und zum Nato-Gipfel nach Baden-Baden und Straßburg geführt hatte. Axelrod verwies besonders auf die Schaffung einer neuen Vertrauensbasis bei den Gesprächen Obamas mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Es sei von besonderer Bedeutung, dass nun wieder neue Abrüstungsgespräche begännen. Obama sei es zudem gelungen, die beschädigten bilateralen Beziehungen zu Verbündeten wie der Türkei zu reparieren.

Es könne aber etwas dauern, bis sich der konkrete Nutzen der Reise zeige, erklärte Axelrod. «Man pflanzt, pflegt und dann erntet man», sagte er. «Im Lauf der Zeit werden die Samen, die hier gepflanzt wurden, sehr, sehr wertvoll sein.»

che/bjm

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