Straßburg brennt
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Von Scott Sayare
Der Nato-Gipfel in Straßburg wird von schweren Krawallen überschattet. Randalierende Demonstranten zündeten ein Zollhaus auf der französischen Seite an der Europabrücke in Brand. Auch ein Hotel steht in Flammen.
Der Nato-Gipfel wird von Gewalt überschattet. In Straßburg zündeten Randalierer ein Hotel und ein Zollhäuschen an.
Foto: apDie Randalierer demolierten das Gebäude mit Steinen und Eisenstangen. An mehreren Punkten der Stadt stieg dichter Rauch auf. Zuvor hatten Beamte die Demonstranten mit Tränengas abgedrängt, als sie zum Gipfelgelände in der Innenstadt gelangen wollten. Auf der deutschen Seite demonstrierten Tausende Menschen friedlich gegen die Politik der Nato-Staaten.
Bei den Randalierern in Straßburg handelte es sich um Mitglieder des schwarzen Blocks, der für seine gewalttätigen Aktionen bei Demonstrationen bekannt ist. Sie besprühten das Zollhäuschen mit Farbe. Einige riefen auf Französisch: «Tötet Sarkozy! Tötet Obama!».
Zuvor setzte die französische Polizei erneut Tränengas gegen Demonstranten ein. Hunderte Randalierer warfen Molotowcocktails, Steine und Flaschen. Nahe der Europabrücke wurden Sicherheitskräfte mit Holzlatten und Steinen angegriffen. Die Randale begannen schon am frühen Morgen. Dabei gab es 25 Festnahmen. Bereits um 4 Uhr morgens machten sich insgesamt rund 1800 Demonstranten von ihrem Camp aus auf den Weg. Die Nato-Gegner versuchten, die Zufahrtsstraßen zum Kongresszentrum zu blockieren. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt. Die Tagung wird von Tausenden Polizisten abgesichert.
Auf der deutschen Seite in der Grenzstadt Kehl war es zunächst ruhig. Kurz vor dem morgendlichen Festakt auf der Fußgängerbrücke nach Straßburg wurden mehr als 20 Personen von der Polizei aus dem Fluss gefischt. Sie seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Schwimmern handelte es sich offenbar um Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace.
Am Mittag begann der vorverlegte baden-württembergische Ostermarsch mit einer Kundgebung in Kehl. Der anschließende Zug sollte eigentlich über die Europabrücke nach Straßburg führen, wurde jedoch von der deutschen Polizei gestoppt, die mit vielen hunderten Beamten die Demonstration begleitete. Dabei protestierten nach Polizeischätzungen bis zu 6000 Menschen friedlich gegen den Gipfel. Beteiligt waren auch linke Gruppen und Gewerkschaften. Nach Veranstalterangaben versammelten sich insgesamt zwischen 8000 und 10.000 Menschen auf der deutschen Seite.
Für die Zeit des Gipfels hat Frankreich die Grenzkontrollen wieder eingeführt, die wegen des Abkommens von Schengen eigentlich abgeschafft sind. Sollten die Demonstranten aus Deutschland aufgehalten werden, gibt es in Kehl eine Ausweichroute, wie ein deutscher Polizeisprecher sagte. Die Polizei zog in der Grenzstadt massiv ihre Kräfte zusammen. In Seitenstraßen parkten Wasserwerfer und Räumpanzer.
Bereits am Freitag verlief eine Demonstration von etwa 500 Friedensaktivisten in Baden-Baden friedlich. Die Organisatoren gaben den Behörden die Schuld, dass viel weniger Demonstranten kamen als erwartet. In Straßburg gibt es anders als in Deutschland seit Donnerstag immer wieder Zusammenstöße mit der französischen Polizei. Am Freitag warfen Demonstranten Feuerwerkskörper, so dass zwei Polizisten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.
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