Eingeschränktes Leben im Hochsicherheitstrakt
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Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Straßburg
Artikel vom 04.04.2009Stillstand in Straßburg und Kehl: Aus Angst vor Krawall verbarrikadieren 24.000 Polizisten beim Nato-Gipfel die Innenstädte – und sperren nicht nur Demonstranten, sondern auch Einwohner aus. Am Rhein kennt man sich allerdings mit Belagerungszuständen aus.
Straßenbarrikaden, Luftraumüberwachung und immer wieder Ausweiskontrollen: Straßburg gleicht zurzeit einer Festung. Nur einer nimmt die scharfen Sicherheitsvorkehrungen gelassen, nämlich der kleine Kioskbesitzer, Mitte 50, dunkle Haare. Normalerweise verdient er sein Geld mit Laufkundschaft, doch an diesem Tag präsentiert ihm die französische Polizei die Kunden auf dem Silbertablett. Kurzfristig haben die Sicherheitskräfte die Straße vor dem Laden nach links, wie nach rechts abgeriegelt. Der Verkäufer glaubt den Grund zu kennen: «Mr. Obama ist hier gleich um die Ecke», sagt er.
Ob das stimmt? Man weiß es nicht. Fest steht nur: Wer nicht schnell genug weg gekommen ist, sitzt jetzt in der Falle. Eine Dreiviertelstunde soll die Straße dicht bleiben. Warum genau, wird nicht verraten. «Können die sich nicht auf einer Insel treffen», sagt einer im schimpfenden Ton. Die ersten setzen sich derweil auf den Bordstein. Wiederum andere vertreiben sich die Wartezeit und kaufen im Kiosk Obst, Getränke oder kleine Gebäckteilchen. Der Betreiber wirkt als einziger zufrieden.
So viel Glück wie der Verkäufer haben längst nicht alle. Hermetisch hat die Polizei aus Angst vor Terroristen und demonstrierenden Krawallmachern die City für den Besuch der 28 Regierungschefs der Nato-Staaten abgeriegelt. Die meisten Händler halten ihre Läden an diesem Tag geschlossen. Rein in die Sicherheitszone darf ohnehin kaum jemand. Raus kommen an diesem Tag nur Autos, die von den Anwohnern nicht wie vorgesehen woanders geparkt worden sind und jetzt von der Polizei aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Wer dennoch den direkten Weg durch die Innenstadt sucht, für den endet der Versuch in einem nicht enden wollenden Spießrutenlauf - von Straßensperre zu Straßensperre. In Kehl, dem zweiten Tagungsort, sieht es nicht besser aus.
Die beiden Städte sind nur wenige Minuten voneinander getrennt. Zwischen ihnen fließt der Rhein, als Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Im Zeitalter des Schengener Abkommens haben sich die Menschen auf beiden Seiten des Flusses daran gewöhnt, wie selbstverständlich zwischen den Städten hin und her zu pendeln. Züge verkehren mitunter im Halbstundentakt, es gibt dabei keine Ausweiskontrollen und keine Probleme. Doch während des zweitägigen Gipfels werden nicht nur die beiden Innenstädte zur Sperrzone, auch die Ländergrenze wird wieder abgeriegelt – und die Bewohner erleben damit kurzfristig einen Rückfall in alte Zeiten.
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