«Es muss immer ein bisschen nach Gewalt riechen»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Straßburg
Artikel vom 03.04.2009Ob G8-Gipfel oder Nato-Konferenz – die Treffen der Staatschefs mobilisieren, scheinbar aus dem Nichts heftige, Massenproteste. Wie kommt das? Darüber sprach news.de mit Reiner Braun, dem Mitorganisator der Aktionen in Straßburg.
Ist der Massenprotest zum 60. Jahrestag der Nato eigentlich eine ernsthafte Angelegenheit oder bloß ein großes Happening für Andersdenkende und Krawallmacher?
Reiner Braun: Warum das denn?
Sie bekommen jetzt 20.000 Menschen zu ihrer zentralen Kundgebung auf die Straße. Beim G8-Gipfel in Heiligendamm gab es ebenfalls einen großen Massenauflauf. Aber zwischen den Großereignissen wird es immer seltsam ruhig, oder täuscht der Eindruck?
Braun: Ich will jetzt keine Medienschelte üben, aber das ist eine typische Medienreaktion. Zu unseren normalen Treffen und Tagungen kommt kein Journalist. Es muss schon immer ein bisschen nach Gewalt riechen, damit man sich für uns interessiert. Mir wäre es auch lieber, es würde anders laufen.
Aber ohne die Großereignisse bekommen Sie die Menschen doch auch nicht auf die Straße. Gegen ein Gesetz, das der Bundestag verabschiedet, mobilisieren sie keine 20.000 Leute.
Braun: Natürlich brauchen soziale Bewegungen gewisse Aktionshöhepunkte. Die sind unabdingbar, wenn man gesellschaftliche Auseinandersetzungen besser zuspitzen will. Das ersetzt aber nicht die Kleinarbeit, die 90 Prozent unserer Arbeit ausmacht und die kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Solche kontinuierlich arbeitenden Kleingruppen gibt es mittlerweile an jedem Ort. Sie sind via Internet untereinander gut vernetzt, aber klar: Die brauchen auch mal ein großes gemeinsames Erlebnis.
Leider lassen sich Gewaltausschreitungen bei diesen Massenprotesten nicht verhindern.
Braun: Ich habe da eine ganz klare Linie: Von uns darf keine Gewalt ausgehen. Aber die Gesellschaft hat sich individualisiert und historisch gewachsene Verbindungen gibt es nicht mehr. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Aktionsgruppen nun viel stärker überlegen, wen sie wie überhaupt ansprechen wollen? Viele junge Menschen können sich in den traditionellen Friedensgruppen offenbar nicht mehr wiederfinden. Die machen halt ihre eigenen Gruppen und Aktionsformen. Einige wollen in großen Camps zusammenkommen, international leben und sich austauschen. Andere arbeiten lieber mit Aktion des zivilen Ungehorsams – was im übrigen bei vielen aus einem Bauchgefühl passiert. Und daneben gibt es welche, die sich eher auf eine inhaltliche Arbeit orientieren. Es gibt eben eine große Vielfalt an Protest, wenn man das so sehen will.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Friedliebender Aktivist trifft vermummten Steinewerfer: 2000 Nato-Gegner versammeln sich mit verschiedenen Absichten im mehr ...
Kalter Krieg, Friedenstruppen, Kampf gegen den internationalen Terrorismus – die Nato hat ihre Aufgaben immer wieder den mehr ...
Es rumort vor dem Nato-Gipfel in Baden-Baden, Kehl und Straßburg. Die Organisatoren der Proteste sehen ihr Grundrecht mehr ...
Kontrollen, Demonstrationen und Tränengas: Bereits vor Beginn des Nato-Gipfels wird die Stimmung zwischen Aktivisten und mehr ...
Kommentar von Berta wegen Verstoßes gegen unsere Netiquette gelöscht.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Frage ist doch, warum news.de & Reporter KIFFmeier - nomen est omen?- so nett & dümmlich NATO-Feinde interviewen & total verharmlosend auf die Friedlichkeitsbeteuerungen abfahren,- bzw. wie zT selbst ARD & ZDF ihr Publikum verarschen: Denn wer nur mal einige der AUFRUFE vorlesen würde,und das wurde schon zum G-8-Heiligendamm-Gipfel nicht getan. RIECHT es nach GEWALT oder wird die nicht gerade Straßbourg übler angewendet, als ich mir als linker Mit- aber nicht nur AntiNATO-Demonstrant überhaupt vorstellen könnte?! Hier wird Revolution gespielt & hassvoll zum Mord aufgerufen, Djihad like !
jetzt antwortenKommentar melden