«Ich wollte in diesem Staat nicht mehr leben»
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 26.03.20091966 gelingt Hartmut Richter im zweiten Anlauf die Flucht aus der DDR. Als 18-Jähriger schwimmt er durch den Teltowkanal nach Westberlin. Als er seine Schwester im Auto über die Grenze schmuggeln will, wird er erwischt und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Hartmut Richter wächst in den frühen Jahren der DDR als begeisterter Jungpionier auf. Er glaubt an die Parolen des SED-Regimes, ist staatstreu. Seine positive Einstellung gegenüber dem sozialistischen Heimatland ändert sich jedoch zunehmend.
Als er dem sogenannten Pionierleiter verraten soll, welche seiner Mitschüler Westfernsehen schauen, weigert er sich. Im Alter von 13 Jahren ist Richter vor Ort, als die Berliner Mauer gebaut wird. Der angebliche Schutzwall - in seinen Augen eine Gefängnismauer. Seine Enttäuschung und Unzufriedenheit wachsen.
Mit 18 Jahren versucht er zum ersten Mal, die DDR zu verlassen. Über die damalige Tschechoslowakei will er im Januar 1966 mit dem Zug nach Österreich einreisen. Der Fluchtversuch scheitert. An der Grenze wird er von den zuständigen Beamten aus dem Zug geholt. «Damals konnte ich noch Reue heucheln. Ich habe meinen Eltern in einem Brief geschrieben, dass ich aus Verzweiflung, wegen Liebeskummer, fliehen wollte. Ich wusste ja, dass der Brief vom Staatsanwalt gelesen wird.»
Im Mai verurteilt ihn das Kreisgericht Potsdam zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Er darf seine Ausbildung zum Betriebs- und Verkehrseisenbahner beenden, wird jedoch zum Abitur nicht mehr zugelassen. Noch im August, die Ausbildung eben erst beendet, unternimmt er seinen zweiten Fluchtversuch. Er schwimmt - oder vielmehr taucht - durch den Teltowkanal und erreicht unversehrt das Westberliner Ufer. «Ich wollte in diesem Staat nicht mehr leben, ich hatte die Schnauze voll. Es war entweder oder.»
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Es ist für mich immer wieder bewegend und es gibt einen Kloß im Hals, wenn ich -nicht nur vom Hartmut Richter- diese Erlebnisse höre und lese. Ich kenne ihn bereits viele Jahre und kann bestätigen, das diese Geschichten absolut wahr und keinesfalls ausgeschmückt sind. Eher, mittlerweile durch jahrelangen Abstand, fast milde geschildert. Es ist bewundernswert, wie er seine Arbeit und die Führungen in Hohenschönhausen mit anderen Leidensgenossen zusammen bewältigt, täglich erträgt, wie seine Zeit dort vor Ort jahrelang von der Staatsmacht bestimmt wurde und trotzdem ER alle überlebt hat!
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