Die Gesellschaft trägt die Verantwortung
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Artikel vom 21.03.2009Tausende Menschen haben in Winnenden den 15 Opfern des Amoklaufs gedacht. Während einer bewegenden Zeremonie begingen 900 Gäste einen Trauergottesdienst mit anschließendem Staatsakt. Bundespräsident Horst Köhler hatte Tränen in den Augen.
Einzeln werden in der katholischen St.-Karl-Borromäus-Kirche von Winnenden die Namen der Opfer verlesen. Jeweils zwei Schüler gehen mit einer weißen Kerze und einer gelben Rose in der Hand durch die Reihen der Trauernden. Im Altarraum entzünden sie die Kerzen. Auf ihnen stehen die Vornamen der Getöteten in goldenen Buchstaben. Es sind 15 Kerzen, eine 16. für den Täter wird nicht entzündet. So beginnt der Ökumenische Trauergottesdienst.
«Friedensgesang» lautet das Orgelstück, das in der Kirche intoniert wird. Die Angehörigen der Opfer sollen wieder ein bisschen Frieden finden. «Wie viele Tränen sind geflossen, seit jenem 11. März?», fragt der evangelische Landesbischof Frank Otfried July. Wie oft sei schon nach dem «Warum» gefragt worden? Der Bischof stellt klar, dass die Angehörigen während ihrer Trauer nicht allein sind. «Aber viele werden ein Leben lang an den Geschehnissen tragen.» Der Bishof spricht auch von der Verantwortung der Gesellschaft, welche Bilder, welche Verhaltensweisen die Öffentlichkeit bestimmen.
«Mein Herz grübelt bei Nacht, ich denke nach, es forscht mein Geist», sagt der katholische Bischof Gebhard Fürst. Er spricht den Angehörigen sein Beileid aus. Jedoch: Es sei noch nicht die Zeit, darüber nachzudenken, «was wir tun müssen, wie wir uns ändern müssen». Er möchte nicht verdrängen, sondern trauern, und mit Hoffnung in die Zukunft schauen.
Nun treten eine Reihe von Einsatzkräften in Uniformen hinter das Pult. Sie beten für die Toten und Angehörigen. Die Schulleiterin der Albertville-Realschule, Astrid Hahn, fragt: «Wann kam der 11. März 2009?» Damit meint sie, wie und wann es in einer Gesellschaft zu einer solchen Bluttat kommen kann.
Ihr folgt Bundespräsident Horst Köhler (CDU) und verliest nochmals die Namen der Toten. «Nichts ist mehr, wie es war», sagt er, und gerät ins Stottern. Er wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. «Wir spüren, wie uns plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen worden ist.» Köhler ruft dazu auf, dass sich in Zukunft alle mehr umeinander kümmern sollten. Er verurteilt den Dauerkonsum von Videospielen und sagt, dass nicht nur der Staat gefordert ist, sondern auch die Eltern.
Die offizielle Trauerfeier wurde auf mehrere Großbildleinwände in die Stadt Winnenden übertragen. Dadurch hatten Tausende die Chance, den offiziellen Trauergottesdienst sowie den anschließenden Staatsakt zu erleben. Die Polizei hatte an den elf Veranstaltungsorten in Winnenden außerhalb der Kirche mit wesentlich mehr Teilnehmern gerechnet. Offiziell sprach sie von 7500 Gästen, erwartet waren bis zu 100.000 Menschen.
mas
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