CDU Thüringen Viel Kaffeesatzleserei um Althaus-Nachfolge

Althaus (Foto)
Nach Althaus-Anklage: Der Ministerpräsident räumte laut Anwalt nur Mitschuld an Skiunfall ein. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Erfurt
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) ist noch krank gemeldet. Kurz nach seinem Skiunfall hat die Kaffeesatzleserei um die Nachfolge begonnen. News.de hat eine mögliche Kandidatin getroffen – und eine Antwort zu ihrer Zukunft erhalten.

Christine Lieberknecht ist eine passionierte Wandersfrau. Immer wenn die Ministerin Zeit hat, schnürt sie die Wanderstiefel und geht in den Wald. Ihr Weg führt dann durch einige Täler und über hohe Kuppen. Vergleichbar mit ihrem Weg als CDU-Politikerin. Die höchsten Berge Thüringens hat sie bereits bestiegen. Doch was kommt nun?

Um diese Frage dreht sich zurzeit sehr viel, nicht nur in Thüringen. Medien bringen die Frau aus dem Weimarer Land immer öfter mit dem Posten des Ministerpräsidenten in Verbindung. Seit Dieter Althaus im Krankenbett auf seine Genesung wartet, tobt eine regelrechte Kaffeesatzleserei. Wie es ihm wirklich geht, weiß keiner so genau. Die Ministerien kommunizieren ausschließlich mit Althaus Frau Katharina. Mit dem Ministerpräsidenten persönlich hat noch niemand gesprochen.

Mit einem Glas Wasser in der Hand hatte Bernhard Vogel am Aschermittwoch zum großen Zusammenhalten aufgerufen. Der Ehrenvorsitzende der Thüringen-CDU kam extra nach Bad Sulza geeilt, um seinen Leuten Mut zu machen und die Zeit des Wartens zu verkürzen. «Wir brauchen ihn und wir warten auf ihn», rief er 450 Anhängern entgegen, meinte Dieter Althaus und bedankte sich artig bei denjenigen, die nun versuchen, die Lücke zu stopfen.

An erster Stelle nannte er den Namen von Christine Lieberknecht. Zufall oder nicht? Egal, meint die Angesprochen selbst, man pflege eben eine familiäre Freundschaft. «Unruhe wird nur von außen rein getragen, die Führungsriege der CDU macht ihre Arbeit und ist die Ruhe selbst.»

Zurzeit ist große Thüringen-Messe in Erfurt. Das Sozialministerium hat als einziges von allen Ministerien einen eigenen Stand. Gleich vorn rechts hinter dem Eingang, sehr repräsentativ. Am Sonntag beantwortete dort Lieberknecht die Fragen der Wähler. «Nur einer hat gefragt, wie es Althaus geht», sagt die Ministerin. Ansonsten gehe es den Leuten um Sachthemen.

Hinten links in der großen Halle, fast versteckt, präsentiert sich die Staatskanzlei. Auch einige Minister sind da. «Ich warte in aller Ruhe auf die Rückkehr von Althaus», sagt Innenminister Manfred Scherer (CDU) zu news.de. Er spreche viel lieber über die innere Sicherheit, die sei nämlich hervorragend im Bundesland.

Wie aus CDU-nahen Kreisen zu hören ist, wird in der Partei über die Verteilung der Ämter nach der Landtagswahl ordentlich diskutiert. Besonders wird die Frage erörtert, was passiert, wenn Althaus nicht wieder kommt. Es fällt neben Lieberknecht der Name von Althaus´ Stellvertreterin Birgit Dietzel. Und Dagmar Schipanski wird immer öfter genannt. Die ehemalige Kandidatin für das Bundespräsidentenamt und jetzige Präsidentin des Thüringer Landtages haben viele auf der Rechnung.

«Ich möchte keine Ministerpräsidentin werden», sagt Lieberknecht zu news.de. «Politik war in meiner Lebensplanung eigentlich gar nicht vorgesehen.» So der Wähler ihr die Chance gebe, würde sie gern als Sozialministerin weiter arbeiten. Eine klare Ansage. Außerdem sei diese Kaffeesatzleserei bei ihr Fehlanzeige. «Schließlich gibt es Sachthemen, mit der sich die CDU im Land beschäftigt.» Das Sozialministerium kümmere sich zum Beispiel um die Kinderarmut.

Christine Lieberknecht nimmt auf der grünen Sitzgruppe in ihrem Büro Platz. Sie blickt auf die Uhr und sagt: «Wir haben alle Zeit der Welt». Damit meint sie die Rückkehr von Dieter Althaus. «Ja, wir brauchen ihn zur Wahl, aber bis dahin ist es noch lange hin.» Die Wahl ist am 30. August dieses Jahres. Bisher habe der CDU die Abstinenz ihres Ministerpräsidenten zum Glück nicht geschadet. Und: «Wir reden hier nur über den Gewinn der absoluten Mehrheit». Die Frage nach einem möglichen Koalitionspartner stellt sich also gar nicht. Lieberknecht lehnt sich noch einmal auf die Sitzgruppe zurück, spricht noch einmal über ihr wunderschönes Amt, über die Ruhe in der CDU und die lange Zeit, die noch bis zur Wahl bleibt. Dann muss sie aber doch los.

jan

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